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Wenig Neuzulassungen: Krise erfasst deutschen Automarkt

Quelle: Handelsblatt Online

So wenig Neuzulassungen gab es nur im Jahr nach der Abwrackprämie: Der Autoabsatz in Deutschland brach im Juli ein. Als Rettung erwies sich zwar das Geschäft in den USA. Doch auch dort werden die Aussichten trüber.

So wenig Neuzulassungen wie im Juli gab es nur im Jahr nach der Abwrackprämie. Quelle: dpa
So wenig Neuzulassungen wie im Juli gab es nur im Jahr nach der Abwrackprämie. Quelle: dpa

FrankfurtDeutschlands Autokäufer werden vorsichtiger und zögern angesichts der Krisenstimmung in Europa die Anschaffung neuer Fahrzeuge hinaus. Der lange Zeit robuste deutsche Automarkt ging daher im vergangenen Monat auf Talfahrt: Die Neuzulassungen schrumpften um knapp fünf Prozent auf knapp 248.000 Autos, wie das Kraftfahrtbundesamt in Flensburg am Donnerstag mitteilte. Weniger Neuwagen verkauften vor allem die deutschen Oberklasse-Hersteller BMW und Mercedes-Benz. Importmarken wie Kia und Hyundai sowie Renault und deren Tochter Dacia verkauften hingegen mehr. Marktführer VW kam mit Einbußen von 1,5 Prozent glimpflich davon, um die verlustreiche Marke Opel machten die Käufer einen großen Bogen: Der Markanteil der Rüsselsheimer schrumpfte weiter auf 6,8 Prozent, VW kam auf 23,6 Prozent.
Die deutschen Oberklasse-Hersteller und VW können die Verkaufseinbußen auf Europas größtem Absatzmarkt jedoch locker ausbügeln, denn um ihre Autos reißen sich unter anderem die Amerikaner: Im Juli wurden jenseits des Atlantiks mit 101.000 Fahrzeugen 15 Prozent mehr Autos "Made in Germany" ausgeliefert. Der Export der deutschen Autoindustrie brummt, der Bestelleingang aus dem Ausland wächst. Daher rollten in den deutschen Autofabriken im Juli mit 457.700 Pkw fünf Prozent mehr Fahrzeuge von den Bändern. Weltweit steigt die Auto-Nachfrage, vor allem in Asien. Davon profitieren die deutschen Hersteller: Drei von vier Neuwagen gehen ins Ausland.

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Bei den Autohändlern zwischen Flensburg und Alpen mehren sich hingegen die Sorgenfalten. "Es mehren sich die Anzeichen, dass insbesondere die privaten Käufer angesichts der Unsicherheit in Westeuropa zurückhaltender werden", sagte der Chef des Herstellerverbands VDA, Matthias Wissmann. Deutschland drohe seine Rolle als Stabilitätsanker in Europa zu verlieren.
Rings um Deutschland haben die Autokäufer wegen der Staatsschuldenkrise und der unsicheren Konjunktur bereits auf die Bremse getreten: In Europa wurden so wenig Neuwagen verkauft wie zuletzt 1994. In Spanien gab es in den vergangenen zwei Jahren nur einen Monat ohne Rückgang der Zulassungszahlen. Im Juli schrumpften sie angesichts der hohen Arbeitslosigkeit dort erneut um 17 Prozent, in Frankreich um sieben und in Italien um 21 Prozent - und das trotz rekordverdächtiger Preisnachlässe.


Flottenverkäufe stützen den Markt noch

Auch der Verband der deutschen Autoimporteure (VDIK) ist mit Blick auf die Orderbücher inzwischen alarmiert. Die Zahl der Neubestellungen liege unter dem Niveau des Vorjahres, warnte Verbandschef Volker Lange. Eine Marktbelebung im Herbst werde nur einsetzen, wenn die Finanzkrise in Europa einer Lösung näher komme und das Vertrauen der Bürger wieder wachse. Der jüngste Zuwachs bei den Zulassungszahlen von Fahrzeugen mit Dieselmotor zeige, dass die gewerblichen Neulassungen die schrumpfenden Privatkäufe noch abfedere. Fast jeder zweite Neuwagen in Deutschland hatte zuletzt einen Dieselantrieb, der zwar sparsamer, aber teurer in der Anschaffung ist. Auch Spediteure und Reiseunternehmen zögern mit der Anschaffung neuer Lkw und Omnibusse, deren Neuzulassungszahlen schrumpften im Juli deutlich um mehr als sieben Prozent.
Mitten in diese Schwächephase platzte noch Toyota mit Negativschlagzeilen: Wegen technischer Probleme an der Spurstange ruft der in der Vergangenheit für seine Qualität gerühmte japanische Autobauer erneut weltweit mehr als 1,5 Millionen Fahrzeuge in seine Werkstätten. In Deutschland sind rund 70.000 Fahrzeuge der Modelle Auris, Avensis sowie des Geländewagens RAV4 betroffen. Toyota hatte vor Jahren bereits mehr als zehn Millionen Fahrzeuge wegen klemmender Gaspedale und rutschender Fußmatten zurückgerufen - und sein Image beschädigt.
In den USA punktete Toyota hingegen wie die deutschen Hersteller bei den Autokäufern, die im Wahljahr angesichts weiter hoher Arbeitslosigkeit und Ungewissheiten über die künftige Steuerpolitik aber inzwischen ebenfalls zurückhaltender agieren. Nach kräftigen Zuwächsen bei den Autoverkäufen zu Jahresbeginn, legten die Verkaufszahlen im Juli trotz gesunkener Treibstoffpreise nur noch um neun Prozent auf 1,15 Millionen Pkw und Pickups zu. Volkswagen und Honda verbuchten kräftige Absatzzuwächse um mehr als ein Viertel, Audi setzte die Aufholjagd mit 28 Prozent mehr verkauften Autos fort. Mercedes-Benz verkaufte 5,8 Prozent mehr Neuwagen, BMW vier Prozent, Porsche 1,3 Prozent mehr.
Federn lassen mussten in den USA - dem zweitgrößten Automarkt der Welt - die beiden großen Autobauer GM und Ford, die 6,4 und 3,8 Prozent weniger Pkw und Pickup-Trucks losschlugen. "Es ist die Wirtschaft. Da hilft kein Drumherumgerede", sagte Marktforscher George Magliano von IHS. Dagegen setzte die zu Fiat gehörende US-Marke Chrysler 13 Prozent mehr Neuwagen ab und fuhr damit das beste Juli-Ergebnis seit fünf Jahren ein.

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