Werner Müller: "Ich halte nichts von Handelskriegen"

ThemaEnergiewende

InterviewWerner Müller: "Ich halte nichts von Handelskriegen"

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Der Chef der RAG-Stiftung über Mittelstand-Investments und Präsident Putin.

von Reinhold Böhmer und Roland Tichy

Werner Müller, der Chef der RAG-Stiftung, verkündet die erste Beteiligung an einem Mittelständler, gibt den Stromkonzernen die Schuld an ihrer desolaten Lage und zeigt Verständnis für den russischen Präsidenten Wladimir Putin.

WirtschaftsWoche: Herr Müller, Sie haben die vornehme Aufgabe, den Steuerzahler davor zu bewahren, dass er die Milliarden-Folgekosten des deutschen Steinkohlebergbaus bezahlen muss. Reicht das Vermögen, das die RAG-Stiftung dazu besitzt?

Nach heutigem Stand betragen die Verpflichtungen der Ewigkeitslasten der RAG-Stiftung Ende 2018, wenn die letzte Zeche hierzulande geschlossen wird, rund 18 Milliarden Euro. Wir haben heute einen Kapitalstock von rund 13,4 Milliarden Euro, davon – Stand Anfang April – neun Milliarden Euro in Aktien des Evonik-Konzerns, an dem wir rund 68 Prozent besitzen. Der Rest sind unsere 30-prozentige Beteiligung an der Immobilienfirma Vivawest sowie unser breit gestreutes Kapitalanlagen-Portfolio.

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Kann der deutsche Steuerzahler sicher sein, dass Sie bis Ende 2018 die erforderlichen 18 Milliarden Euro zusammenbekommen, die notwendig sein werden, um jedes Jahr mindestens 200 Millionen Euro für das Leerpumpen der Stollen und für sonstigen Folgeaufwand aufzubringen?

Ich weiß natürlich nicht, wo Anfang 2019 der Kurs der Evonik-Aktie steht. Ich kann aber nach allem, was wir heute wissen, sagen, dass die erwarteten jährlichen Ausgaben dann mit Sicherheit durch die laufenden Einnahmen aus dem Vermögen der RAG-Stiftung gedeckt sind.

Woher nehmen Sie diese Sicherheit? Durch die niedrigen Zinsen wird Ihr Kapitalstock doch langsamer wachsen, als es zum Start der Stiftung 2007 geplant war?

Wir sind beim Aufbau der Stiftung neben unserer großen Evonik-Beteiligung stark in sehr sichere Staatspapiere gegangen, die vor der Finanzkrise schöne Zinsen abwarfen. Das können wir heute zum Beispiel mit unserer Dividende von Evonik, die zuletzt rund 300 Millionen Euro betrug, nicht mehr tun. Das würde bei den derzeitig niedrigen Zinsen zu einem Verzehr unseres Vermögens führen.

Deshalb haben Sie angekündigt, Anteile an mittelständischen Unternehmen in Deutschland und Österreich erwerben zu wollen. Wie weit sind Sie damit?

Aktuell bauen wir die notwendigen Strukturen auf, um selbst und nicht nur über Fonds investieren zu können. Einen wichtigen Schritt haben wir Anfang April mit der Gründung der RAG-Stiftung Beteiligungsgesellschaft mbH getan.

Organisation und Beteiligung der RAG-Stiftung. (zum Vergrößern bitte anklicken) Quelle: PR (4); DPA Picture-Alliance (3); DPA; Ingo Rappers für WirtschaftsWoche

Organisation und Beteiligung der RAG-Stiftung. (zum Vergrößern bitte anklicken)

Bild: PR (4); DPA Picture-Alliance (3); DPA; Ingo Rappers für WirtschaftsWoche

Nach welchen Kriterien suchen Sie Firmen aus, von denen die RAG-Stiftung Anteile erwerben soll?

Wir suchen Mittelständler mit einem Umsatz um die 100 Millionen Euro, die in den Weltmärkten gut positioniert sind. Zusammen mit dem jeweiligen Eigentümer versuchen wir, die Entwicklung der Unternehmen über unsere Beteiligung zu unterstützen. Wichtig sind uns Firmen, bei denen man davon ausgehen kann, dass sie in der Perspektive Weltmarktführer bleiben. Dabei halten wir zum Beispiel Ausschau nach Eigentümern im Alter von etwa 50 bis 55 Jahren, die gern noch 10 bis 15 Jahre weitermachen wollen, aber ihren Kindern lieber Geld als das Unternehmen vererben.

Wieso sollen solche Unternehmer einer staatlichen Stiftung mehr vertrauen als erfahrenen Investoren, die es in genügender Zahl und Ausprägung gibt?

Weil wir als privatrechtliche Stiftung an sehr dauerhaften Engagements interessiert sind. Wir sind somit keine jener Private-Equity-Firmen, also keine Heuschrecke, die ein Unternehmen meist finanziell schwächt und nach fünf, sechs Jahren weiterverkaufen will.

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