Widersprüche: Stahlindustrie ohne Orientierung

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Widersprüche: Stahlindustrie ohne Orientierung

von Andreas Wildhagen

Hoffnungsschimmer, aber noch kein Anzeichen für eine Trendwende“. Ja, was denn nun? Die deutsche Stahlindustrie verstrickt sich in Widersprüchen, was die eigenen Aussichten betrifft.

Es hört sich alles leicht und locker an: „Die Stahlkonjunktur im Sommer 2013“ steht über dem jüngsten Bericht zum zweiten Quartal dieses Jahres. Das klingt vielversprechend. Läuft etwa die Stahlproduktion heiß? Leider ist das Gegenteil der Fall. Wie hoch sind die Überkapazitäten? Krise oder Verschnaufpause? Die Branche leidet unter diffusen Aussichten.

Das Positive zuerst: Die Auftragseingänge für Stahl haben sich im zweiten Quartal 2013 um 3 Prozent gegenüber dem vergleichbaren Quartal im Jahr 2012 verbessert. Wermutstropfen: Der Vorjahreszeitraum ist schlecht verlaufen, so dass die Verbesserung doch sehr relativ ist. Unschön auch, dass der Rückgang gegenüber dem Vorquartal 2013 knapp sechs Prozent betrug.

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Was ist von solchen Zahlen zu halten?

Schaut der Betrachter genauer in die Unternehmen hinein, so sieht er Folgendes: Die Stahlmanager streiten sich zur Zeit intern darum, wie hoch ihre Überkapazitäten sind. Die einen sagen 10 Prozent, die anderen 25 Prozent. In Europa wird ein allgemeiner Trend in der Politik sichtbar: Die Regierung in Paris hat schon mit Verstaatlichung gedroht, als der Großaktionär von ArcelorMittal, der Inder Lakshmi Mittal, die Schließung von französischen Stahlwerken in Erwägung zog.

In Deutschland belastet die Energiewende die Stahlindustrie. Zwar fallen die Emissionen in den Kokereien trotz ihres gewaltigen Ausstoßes kostenmäßig nur leicht ins Gewicht, weil die Emissionszertifikate zur Zeit billig sind, aber die von der Bundesregierung geplanten, weitreichenden Ausnahmegenehmigungen für die EEG-Umlage, von denen die energieintensive Industrie hierzulande profitieren soll, wird von Brüssel zur Zeit als Beihilfe eingestuft und steht daher auf wackeligen Füßen. Planungssicherheit ist etwas anderes. Eine Zahl ist jedoch knallhart: Viele Stahlmanager rechnen damit, dass in diesem Jahr ein Drittel weniger Stahl verbraucht wird als vor 2008, dem Beginn der Finanz- und Konjunkturkrise.

 

Die Aktionärsstruktur von ThyssenKrupp

  • Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung

    Die Stiftung hält mit 23,03 Prozent den Großteil aller Aktien.

  • Cevian

    Der schwedische Finanzinvestor hält 15,08 Prozent der Aktien.

  • Rest

    51,89 Prozent der Aktien werden von internationalen institutionellen Anlegern gehalten.

  • Privatanleger

    Privatanleger halten zehn Prozent der ThyssenKrupp-Papiere.

Ein Blick auf das Stahlwerk von ThyssenKrupp in Duisburg zeigt: Das Vorsteuerergebnis brach im ersten Halbjahr um 85 Prozent auf nur noch 19 Millionen Euro ein. Die Kapitalkosten liegen jedoch bei 500 Millionen Euro im Jahr. Noch viel dramatischere Krisenstimmung beim zweitgrößten deutschen Stahlkocher. Die Salzgitter AG hat einen Halbjahresverlust von 300 Millionen Euro aufgetürmt. Den übrigen Bereichen wie dem Pipelinebau geht es auch nicht gut, weil zur Zeit Großprojekte weltweit fehlen. Immerhin stimmt in Salzgitter die Eigenkapitalquote, sie liegt bei 41 Prozent, während sie bei ThyssenKrupp unter 10 Prozent rangiert.

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