Wirtschaft: "In China muss man nicht innovativ sein, um reich zu werden"

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InterviewWirtschaft: "In China muss man nicht innovativ sein, um reich zu werden"

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Chinesischen Unternehmen fehlt es oft an Effizienz, Produktivität und Innovationskraft. Sie wollen von Unternehmen aus anderen Ländern lernen und wie der chinesische Computerhersteller Lenovo, die Bekanntheit anderer Marken nutzen.

von Mark Fehr

Der chinesische Ökonom Yuan Ding erklärt, wie sich chinesische Unternehmen die Innovationskraft westlicher Konkurrenten aneignen wollen. Und wie ein großer Teil der neureichen Chinesen an Wohlstand gekommen ist.

WirtschaftsWoche: Immer mehr Unternehmen aus China kommen nach Deutschland und Europa. Müssen wir Westler uns Sorgen machen?

Yuan Ding: Nein, die chinesischen Unternehmen zielen bei ihrem Auslandsengagement nicht darauf ab, Marktanteile in Übersee zu erobern. Ihr Ziel besteht meist darin, die heimische Marktposition in China und Asien zu verbessern. Dazu setzen sie im Westen erworbene Technologie und Marken ein. Chinesische Investoren kommen also nach Europa und Deutschland, um zu lernen.

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Was genau wollen sie hier lernen?

Typische chinesische Großunternehmen beschäftigen riesige Belegschaften und erzielen hohe Umsätze. Aber ihnen fehlen oft Effizienz, Produktivität und Innovationskraft. Diese Stärken wollen sie sich aneignen. Außerdem brauchen sie eine bekannte Marke, der die Kunden vertrauen. Beispiel ist der chinesische Computerhersteller Lenovo, der das Laptopgeschäft vom US-Konzern IBM mit der Marke ThinkPad gekauft hat.

Premier zu Gast China will von Deutschland lernen

Der neue Premierminister Li Keqiang kommt nach Berlin, um einen Handelskrieg mit der EU abzuwenden, Investitionen zu fördern – und um von der deutschen Sozialpolitik zu lernen.

Li Keqiang ist seit einem Vierteljahr eine Art CEO der chinesischen Volkswirtschaft im Tandem mit Staatspräsident Xi Jinping. Seine erste Auslandsreise führt ihn nach Berlin. Quelle: dpa

Müssen sich Arbeitnehmer in Deutschland vor chinesischen Investoren fürchten? Oder sichern diese Jobs in den übernommen Unternehmen und machen ihre Kunden glücklich?

Deutsche Verbraucher haben über Jahrzehnte von steigender Kaufkraft profitiert, die sie den massenhaft und billig in China gefertigten Waren verdanken. Die Preise von Kleidung oder Unterhaltungselektronik haben sich rasant nach unten bewegt, bei gleicher oder sogar steigender Qualität. Über das Schicksal der westlichen Arbeitnehmer entscheiden nun deren besondere Fähigkeiten und ihre Innovationskraft. Wer etwa in der Forschung und Entwicklung arbeitet, wird sich über bessere Karrierechancen freuen können.

Genau deshalb wächst im Westen die Angst, dass wir unsere Wettbewerbsvorteile verlieren, weil sich chinesische Unternehmen Technologie und Know-how aneignen.

Chinas Unternehmen wollen besser werden und einen Großen Sprung hinlegen. Aus behäbigen Konglomeraten sollen schlanke und leistungsfähige Wettbewerber entstehen, die über ein eigenständiges Markenimage verfügen. Es geht also nicht um den angeblichen Diebstahl von Know-how. Chinesen sehen die Investitionsobjekte im Westen einfach nur mit anderen Augen.

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