Wirtschaftliche Aussichten: Wie tief der Ölpreis noch fällt

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Wirtschaftliche Aussichten: Wie tief der Ölpreis noch fällt

von Hans Jakob Ginsburg

Für Autofahrer und Besitzer von Ölheizungen ist die Lage derzeit erfreulich: Der Ölpreis ist dramatisch gesunken – Resultat des weltweit stark gestiegenen Angebots. Wie tief der Preis noch fallen wird.

Der Ölpreis ist dramatisch gesunken. Das Barrel Rohöl kostete am Handelsplatz London zu Jahresanfang und auch noch Anfang Juli etwa 110 US-Dollar. Inzwischen sind es nur noch 85 Dollar, Benzin- und Dieselpreise fielen zeitweise auf den niedrigsten Stand seit drei Jahren. Das Geld, das die Konsumenten beim Tanken sparen, können sie jetzt für andere Güter ausgegeben.

Trotzdem ist der aktuelle Preisverfall nicht unbedingt eine gute Nachricht für die Weltwirtschaft. Denn fallende Ölpreise sind oft die Folge einer stockenden Konjunktur und dementsprechend flauen Nachfrage. Als 2008 die Finanzkrise ausbrach, stürzte der Ölpreis in weniger als einem halben Jahr um 75 Prozent ab. Und auch in diesem Jahr reagierten die Erdölmärkte in London und New York immer wieder auf schlechte Konjunkturdaten aus Europa oder Ostasien mit überdurchschnittlichen Tagesverlusten.

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Der Verfall des Ölpreises kommt beim Verbraucher an

  • Warum werden Benzin und Diesel plötzlich billiger

    Das liegt im wesentlichen am Preisrutsch für Rohöl. Der Ölpreis hat sich jahrelang weitgehend in einem Preisband zwischen 100 und 115 Dollar für ein Barrel (159 Liter) der Nordsee-Sorte Brent bewegt. Diesen Korridor hat der Preis Anfang September verlassen und ist im Oktober nochmals kräftig abgestürzt, auf nur noch 85 Dollar. Die subjektive Wahrnehmung der Autofahrer, dass Benzin und Diesel immer teurer werden, wird von den Daten seit 2012 nicht mehr gedeckt.

  • Wie konnte es zu dem Preisrückgang beim Rohöl kommen?

    Auf der Angebotsseite ist reichlich Öl vorhanden. „Die Reaktion der Produzenten lässt auf sich warten“, sagt der Hamburger Energieexperte Steffen Bukold. Saudi-Arabien, das innerhalb des Opec-Kartells sonst die Feinsteuerung des Marktes übernommen hat, will nicht allein seine Produktion kürzen. Dahinter steht ein Kampf um Marktanteile in Asien, wo für die Opec-Staaten die einzig wachsenden Absatzmärkte für ihr Öl liegen. Die Nachfrage nach Öl verläuft wegen der verhaltenen Weltkonjunktur zudem flau und kann den Preis nicht stützen.

  • Werden wegen des niedrigen Ölpreises nun Ölförderanlagen abgestellt?

    Das ist mittelfristig denkbar, geht aber nicht so schnell. Manche Förderanlagen könnten unrentabel werden, wenn der Ölpreis noch weiter fällt und dauerhaft niedrig bleibt. Ob es dazu kommt, ist noch nicht absehbar. Zudem bekommen viele Förderländer - auch Russland - bei einem Ölpreis deutlich unter 100 Dollar ein Problem mit der Finanzierung ihres Staatshaushalts. Bislang allerdings liegt der durchschnittliche Ölpreis für 2014 immer noch bei 106 Dollar, nach 109 im Vorjahr. Das ist für die Ölländer noch kein schlechtes Jahr.

  • Ist der gesunkene Rohölpreis voll bei den Endverbrauchern angekommen?

    Nach dem Energiepreis-Monitor der European Climate Foundation sind die Preise für Energierohstoffe währungsbereinigt im September um 1,2 Prozent gefallen und gleichzeitig die Verbraucherpreise für Kraft- und Schmierstoffe um 0,4 Prozent gestiegen. Anders als in Frankreich und Italien. „Ein Teil des Anstiegs ist nur so zu erklären, dass fallende Rohstoffpreise nicht eins zu eins auf Verbraucherebene weitergegeben wurden“, heißt es in der Mitteilung der Stiftung. Die Branche bestreitet das: „Der harte Wettbewerb der Tankstellen in Deutschland sorgt dafür, dass der gesunkene Ölpreis über niedrigere Benzin- und Dieselpreise auch bei den Verbrauchern ankommt“, sagte ein Sprecher des Mineralölwirtschaftsverbandes (MWV) in Berlin.

  • Werden Ölprodukte in der nächsten Zeit noch billiger?

    Das kann niemand sagen. Schon bislang ist der Preisrückgang gebremst worden, weil der Euro gegenüber dem Dollar an Wert verloren hat. Für einen Euro bekommt ein Ölimporteur nur noch 1,28 Dollar, das sind 10 Cent weniger als vor ein paar Monaten. Deshalb braucht er mehr Euro, um die gleiche Menge Dollar für den Ölkauf aufzubringen. Fällt der Euro noch weiter, ist das schlecht für den Autofahrer. Der Ölpreis selbst hat nach unten vielleicht weniger Luft als nach oben. Gibt die Opec bei ihrer nächsten Sitzung im November ein klares Signal, dann kann der Preis auch schnell wieder in den alten Preiskorridor oberhalb von 100 Dollar zurückkehren, meint Ölexperte Bukold.

Trübe wirtschaftliche Aussichten allein können den Abwärtstrend der vergangenen Wochen indes nicht erklären. „Es gibt ein steigendes Angebot an den Ölmärkten, das beeinflusst die Preise derzeit stärker als die Entwicklung der Nachfrage“, sagt Carsten Fritsch, Rohstoffanalyst der Commerzbank in Frankfurt.
Allen politischen Krisen zum Trotz wird weltweit immer mehr Öl produziert. So hat etwa der irakische Ölexport unter dem Vormarsch der islamistischen Terrormilizen kaum gelitten.

Noch wichtiger für das Marktgeschehen im Oktober waren die Ereignisse in Libyen. Das nordafrikanische Land förderte und exportierte 2013 noch durchschnittlich fast eine Million Barrel Öl pro Tag. Dann versank Libyen im Bürgerkrieg, die Förderung sank auf etwa 200.000 Barrel am Tag.

Die Unruhen seitdem dauern zwar an, doch die wichtigsten Pipelines und Ölhäfen funktionieren seit September trotzdem wieder: Auch Milizenführer wollen eben am Erdöl verdienen. Mit 900.000 Barrel pro Tag ist das Land mittlerweile an die Märkte zurückgekehrt.

Folgen des Fracking

Hinzu kommt der Fracking-Boom in den USA, der die globalen Ölmärkte durcheinanderwürfelt. 2008 haben die Amerikaner pro Tag durchschnittlich 6,8 Millionen Barrel gefördert und 19,5 Millionen verbraucht. Fünf Jahre später ist der Verbrauch leicht auf 18,9 Millionen Barrel gesunken – die Produktion aber dank neuer Fördermethoden vom Fracking bis zur Querbohrung auf scheinbar erschöpften Ölfeldern auf zehn Millionen Barrel gestiegen.

Die Folge: Öl aus Angola und Nigeria, das bislang in die USA floss, wird jetzt in Europa angeboten, beobachtet Commerzbank-Analyst Fritsch. Auch dies hat den für Deutschland wichtigen Marktpreis in London so stark einbrechen lassen.

Weil die amerikanische Ölproduktion immer noch ungebrochen zunimmt, könnte der Preis in den kommenden Monaten weiter sinken. Es sei denn, Saudi-Arabien und seine Partner im Produzentenkartell Opec würden diese Rechnung durchkreuzen.

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