Wirtschaftskriminalität: Deutsche Unternehmen seltener Opfer

Wirtschaftskriminalität: Deutsche Unternehmen seltener Opfer

Schärfere Compliance-Regeln machen sich offensichtlich bezahlt: immer weniger Unternehmen kämpfen mit Fällen von Wirtschaftskriminalität. Eine Studie deckt aber eine neue Sorgenfalte auf.

Immer seltener werden deutschen Unternehmen Opfer von Wirtschaftskriminalität. "Nur noch" 45 Prozent der Teilnehmer einer Umfrage gaben an, unangenehme Erfahrungen mit Betrug, Unterschlagung, Korruption oder anderen Delikten gemacht zu haben. Die Zahl ist seit 2009 rückläufig. Damals waren es noch 61 Prozent. Für die Studie hat die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft "PwC" gemeinsam mit der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg 603 Großunternehmen befragt. Als Grund für die gesunkene Kriminalität nennt die Studie stärkere Bemühen der Unternehmen im Bereich der Überwachung von eigenen Regeln (Compliance) sowie Präventivmaßnahmen. Dazu haben mittlerweile 75 Prozent der Befragten professionelle und systematische Kontrollprogramme eingeführt. Das sind rund ein Viertel mehr als noch 2009. Vor allem Unternehmen mit weniger als 1000 Mitarbeitern stehen den Compliance-Programmen allerdings noch skeptisch gegenüber.

Wirtschaftskriminalität im Mittelstand Der ständige Kampf gegen Korruption

Kleinere Unternehmen sind anfällig für Korruption, Bestechung und Untreue. Dennoch schützen sie sich kaum vor Korruption und anderen Formen der Wirtschaftskriminalität.

Quelle: dpa

Vermögensdelikte wie Betrug, Unterschlagung oder Diebstahl machen mit 34 Prozent den größten Teil der kriminellen Handlungen aus, danach folgen Verstöße gegen das Patent- und Markenrecht (zehn Prozent) sowie Kartell- und Korruptionsfälle (jeweils sechs Prozent). Insbesondere bei den Korruptions- und Kartelldelikten wird eine weit höhere Dunkelziffer vermutet: so glauben 25 Prozent der Befragten, dass sie aufgrund von Korruption mindestens ein Auftrag an einen Konkurrenten verloren haben.

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Durchschnittlich betragen die unmittelbaren, wirtschaftlichen Schäden der Wirtschaftskriminalität pro Unternehmen rund 3,2 Millionen Euro. Besonders ärgerlich sind allerdings Wettbewerbsdelikte, die pro betroffenem Unternehmen im Durchschnitt 20 Millionen Euro Schaden verursachen. Genau wie bei Korruptionsvorfällen entstehen bei Wettbewerbsdelikten neben den materiellen Schäden auch gravierende Imageverluste (24 Prozent), Störungen von Geschäftsbeziehungen (40 Prozent) und hohe juristische Kosten (65 Prozent).

In einer Zusatzbefragung von 250 Unternehmen wurde außerdem deutlich, dass deutsche Firmen seit dem NSA-Enthüllungsskandal weitaus besorgter über das Risiko der Industriespionage denken. Jedes vierte Unternehmen schätzt diese Gefahr höher ein als vor Edward Snowdens Enthüllungen und 15 Prozent ziehen seitdem sogar in Erwägung zu europäischen IT-Dienstleistern zu wechseln – aus Angst vor Zugriffen amerikanischer und britischer Geheimdienste. Die tatsächliche Zahl von nachgewiesenen Datendiebstählen (fünf Prozent) ist allerdings deutlich geringer als die konkreten Verdachte der Befragten (15 Prozent).

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