Wirtschaftskriminalität: Große Angst vor Datenklau

Wirtschaftskriminalität: Große Angst vor Datenklau

von Jürgen Berke

Der Wirtschaftsprüfer KPMG schlägt Alarm: Unternehmen fühlen sich zwar gut gewappnet - sind aber auf Cyberangriffe immer noch schlecht vorbereitet.

Sind deutsche Unternehmen ein Eldorado und Selbstbedienungsladen für Kriminelle aller Art? Wer sich den aktuellen Report der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG zur Lage der Wirtschaftskriminalität in Deutschland durchliest, könnte fast den Eindruck gewinnen.

Viele Unternehmenschefs sehen offenbar weitgehend tatenlos zu, wie Ganoven und Diebe ihre Firma im großen Stil ausrauben. Den durch kriminelle Handlungen wie Diebstahl, Unterschlagung, Betrug und Untreue entstandenen Gesamtschaden beziffern die KPMG-Experten inzwischen auf 80 Milliarden Euro. Das erklärt der bei der KPMG für den Bereich Forensic zuständige Partner Alexander Geschonneck.

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Jedes dritte Unternehmen in Deutschland sei demnach in den vergangenen zwei Jahren Opfer von Wirtschaftskriminellen geworden. Bei den Großunternehmen ist sogar jedes zweite betroffen.

Hohe Dunkelziffer

Dabei stehen den Unternehmen die großen Raubzüge von Datendieben und Cyberkriminellen offenbar erst noch bevor. 87 Prozent der vom Marktforschungsunternehmen TNS Emnid repräsentativ befragten Unternehmen befürchten, dass sie in den kommenden Jahren Opfer von Datendiebstählen oder Datenmissbrauch werden.

Damit bekommt der Datendiebstahl die mit Abstand höchste Risikoeinschätzung. Fast zwei Drittel gehen sogar davon aus, dass das Risiko, Opfer eines Datendelikts zu werden, in Zukunft noch steigen wird.

Risikoeinschätzung und Betroffenheit von Wirtschaftskriminalität

  • Diebstahl und Unterschlagung

    Betroffenheit 2014: 63 Prozent

    Risikoeinschätzung 2014: 54 Prozent (Hoch/Sehr hoch)

    Betroffenheit 2012: 74 Prozent (Unternehmen mit mehr als 50 Mitarbeitern)

    Risikoeinschätzung 2012: 54 Prozent (Hoch/Sehr hoch; Unternehmen mit mehr als 50 Mitarbeitern)

    Quelle: KPMG

  • Betrug und Untreue

    Betroffenheit 2014: 54 Prozent

    Risikoeinschätzung 2014: 49 Prozent (Hoch/Sehr hoch)

    Betroffenheit 2012: 60 Prozent (Unternehmen mit mehr als 50 Mitarbeitern)

    Risikoeinschätzung 2012: 54 Prozent (Hoch/Sehr hoch; Unternehmen mit mehr als 50 Mitarbeitern)

    Quelle: KPMG

  • Datendiebstahl/ Datenmissbrauch

    Betroffenheit 2014: 30 Prozent

    Risikoeinschätzung 2014: 87 Prozent (Hoch/Sehr hoch)

    Betroffenheit 2012: 24 Prozent (Unternehmen mit mehr als 50 Mitarbeitern)

    Risikoeinschätzung 2012: 83 Prozent (Hoch/Sehr hoch; Unternehmen mit mehr als 50 Mitarbeitern)

    Quelle: KPMG

  • Korruption

    Betroffenheit 2014: 22 Prozent

    Risikoeinschätzung 2014: 52 Prozent (Hoch/Sehr hoch)

    Betroffenheit 2012: 20 Prozent (Unternehmen mit mehr als 50 Mitarbeitern)

    Risikoeinschätzung 2012: 57 Prozent (Hoch/Sehr hoch; Unternehmen mit mehr als 50 Mitarbeitern)

    Quelle: KPMG

  • Verletzung von Schutz- und Urheberrechten

    Betroffenheit 2014: 20 Prozent

    Risikoeinschätzung 2014: 78 Prozent (Hoch/Sehr hoch)

    Betroffenheit 2012: 18 Prozent (Unternehmen mit mehr als 50 Mitarbeitern)

    Risikoeinschätzung 2012: 78 Prozent (Hoch/Sehr hoch; Unternehmen mit mehr als 50 Mitarbeitern)

    Quelle: KPMG

  • Verrat von Geschäfts- und Betriebsgeheimnissen

    Betroffenheit 2014: 19 Prozent

    Risikoeinschätzung 2014: 69 Prozent (Hoch/Sehr hoch)

    Betroffenheit 2012: 22 Prozent (Unternehmen mit mehr als 50 Mitarbeitern)

    Risikoeinschätzung 2012: 63 Prozent (Hoch/Sehr hoch; Unternehmen mit mehr als 50 Mitarbeitern)

    Quelle: KPMG

  • Kartellrechtsverstöße

    Betroffenheit 2014: 14 Prozent

    Risikoeinschätzung 2014: 41 Prozent (Hoch/Sehr hoch)

    Betroffenheit 2012: 10 Prozent (Unternehmen mit mehr als 50 Mitarbeitern)

    Risikoeinschätzung 2012: 43 Prozent (Hoch/Sehr hoch; Unternehmen mit mehr als 50 Mitarbeitern)

    Quelle: KPMG

  • Geldwäsche

    Betroffenheit 2014: 4 Prozent

    Risikoeinschätzung 2014: 32 Prozent (Hoch/Sehr hoch)

    Betroffenheit 2012: 8 Prozent (Unternehmen mit mehr als 50 Mitarbeitern)

    Risikoeinschätzung 2012: 31 Prozent (Hoch/Sehr hoch; Unternehmen mit mehr als 50 Mitarbeitern)

    Quelle: KPMG

  • Manipulation von jahresabschlussrelevanten Informationen

    Betroffenheit 2014: 3 Prozent

    Risikoeinschätzung 2014: 25 Prozent (Hoch/Sehr hoch)

    Betroffenheit 2012: 4 Prozent (Unternehmen mit mehr als 50 Mitarbeitern)

    Risikoeinschätzung 2012: 32 Prozent (Hoch/Sehr hoch; Unternehmen mit mehr als 50 Mitarbeitern)

    Quelle: KPMG

Tatsächlich betroffen war in den vergangenen beiden Jahren aber nur jedes dritte Unternehmen. Allerdings fehlt vielen Firmenchefs noch der Überblick über die komplexen, meist computergesteuerten Prozesse und Abläufe. Kontrollmechanismen, die Cyberangriffe sofort erkennen, setzen ohnehin derzeit nur ganz wenige Unternehmen ein.

„Die Dunkelziffer ist gerade bei daten- und technikbezogenen Deliktarten oftmals höher als die betroffenen Unternehmen ahnen“, sagt KPMG-Partner Geschonneck.

Selbst die Unternehmen, die schon Opfer eines Cyberangriffs wurden, tun sich schwer damit, die Taten im vollen Umfang aufzudecken und die Täter zu ermitteln. „Angesichts des komplexen Zusammenspiels von juristischen und technischen Aspekten, die bei Datenschutzdelikten und Geheimnisverrat eine Rolle spielen, erwarte ich hier in der Zukunft einen vermehrten Einsatz externer Spezialisten“, erklärt die auf Forensic spezialisierte KPMG-Partnerin Barbara Scheben.

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Das größte Problem der Unternehmen sei nach Ansicht der KPMG, dass sie ihre eigenen Sicherheitsvorkehrungen falsch einschätzen. Trotz der hohen Schäden glaubt 85 Prozent der Unternehmen, dass sie gegen kriminelle Handlungen „gut“ oder „sehr gut“ geschützt sind.

Auf die Idee, die Prävention im Unternehmen zu verbessern und dort die Investitionen aufzustocken, kommen jedenfalls nur ganz wenige Unternehmen. Lediglich elf Prozent der Unternehmen sind bereit, 50.000 Euro und mehr für externe Unterstützung auszugeben.

Die meisten Unternehmen, warnt die KPMG, lassen das ökonomische Prinzip außer Acht. Mit vergleichsweise geringen Ausgaben für das Implementieren von Präventivmaßnahmen lasse sich das Schadenpotenzial schon deutlich senken. „Die vermiedenen Schäden dürften die Kosten mehr als kompensieren“, heißt es in dem Report. „Derartige Investitionen sind von hohem Wert und zahlen sich auf Dauer aus.“

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