Wolfgang Eder: Voestalpine-Chef sieht die Stahlindustrie bedroht

InterviewWolfgang Eder: Voestalpine-Chef sieht die Stahlindustrie bedroht

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Der Generaldirektor und Vorstandsvorsitzende der Voestalpine AG, Wolfgang Eder.

von Florian Zerfaß und Matthias Kamp

Wolfgang Eder, Chef des österreichischen Stahlkonzerns und ThyssenKrupp-Konkurrenten Voestalpine, befürchtet den Niedergang der europäischen Stahlindustrie - und gibt der Politik die Schuld daran.

Herr Eder, die EU-Kommission will die Rechte zum CO2-Ausstoß verteuern. Wann machen Sie Ihre Hochöfen in Österreich dicht?

Wir gehen davon aus, dass die Grundsatzentscheidungen in der EU zur Umwelt-, Klima- und Energiepolitik in den kommenden zwei, drei Jahren fallen. Dieses Zeitfenster werden wir nutzen, um unsere Standortentscheidungen zu treffen.

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Das klingt nach knallharter Drohung.

Von Drohung kann keine Rede sein. Wir werden alles tun, um so viel Kapazität wie möglich hier in Österreich zu erhalten. Unsere Mitarbeiter und deren Know-how sind unser entscheidendes Kapital. Aber wenn die Politik uns durch Rahmenbedingungen, die uns die Konkurrenzfähigkeit rauben, zum Gehen zwingt, dann müssen wir uns entsprechend aufstellen.

Welche Standorte stehen zur Disposition?

Wir unterziehen gerade alle fünf Hochöfen in Linz und Donawitz einer Generalüberholung. Das wird in dieser Form das letzte Mal sein. Dann laufen sie im Durchschnitt noch rund zehn Jahre. Was dann bleibt oder technologisch folgt, hängt von den Rahmenbedingungen ab.

Zur Person

  • Wolfgang Eder

    Wolfgang Eder, 63, lenkt seit 2004 Voestalpine und steht noch bis Oktober dem Weltstahlverband vor.

Sie investieren in die Eisenerzverarbeitung in den USA und planen ein Edelstahlwerk in China. War es das langfristig mit Europa?

Wenn die Großreparaturen abgeschlossen sind, werden wir bis zur Klarheit über die Langfristbedingungen in Europa in die Stahlproduktion nur das investieren, was zur Erhaltung nötig ist, mehr nicht. Zur Umwelt- und Energieproblematik kommen noch Überkapazitäten in Europa und Unmengen subventionierten Billigstahls aus China...

... mit welchen Folgen?

Mangels Konkurrenzfähigkeit bei einfachen Stählen werden wir in Europa bis 2030 eine massive Reduktion der Stahlerzeugung sehen. Mir tut das im Herzen weh. Europa war 250 Jahre der Taktgeber der technologischen Entwicklung im Stahl. Jetzt ist es zum ersten Mal so, dass unsere asiatischen Konkurrenten mehr in Innovationen investieren als die europäische Stahlindustrie. Wir haben in Europa Umweltkosten, Energiekosten, Personalkosten, Infrastrukturkosten und Steuern, die höher sind als in so gut wie allen anderen Teilen der Welt. Voestalpine betreibt die wahrscheinlich emissionsärmsten Hochöfen weltweit, dennoch zahlen wir als einziges Stahlunternehmen in Europa schon seit 2008 für CO2-Zertifikate, im Durchschnitt jedes Jahr rund zwölf Millionen Euro – eine eigenartige politische Logik.

Voestalpine ist der rentabelste Stahlerzeuger Europas und hat zuletzt fast 600 Millionen Euro netto verdient. Da sollen zwölf Millionen Euro fürs Klima nicht drin sein?

Sie dürfen nicht den Konzerngewinn zugrunde legen, der neben der Stahlerzeugung auch noch spezialisierte Divisionen der Stahlverarbeitung umfasst, zum Beispiel für die Automobil- und Luftfahrtindustrie oder die Bahninfrastruktur. Die Stahlerzeugung alleine trägt deutlich weniger als 200 Millionen Euro zum Gewinn bei...

Stahlkocher im Aufwind Voestalpine profitiert von Geschäften mit Autobranche

Arcelor Mittal hatte bereits gute Zahlen vorgelegt. Auch der österreichische Stahlkocher Voestalpine konnte seinen Gewinn steigern. Die Geschäfte mit der Autobranche florieren, der Energiesektor schwächelt allerdings.

Voestalpine macht gute Geschäfte mit der Autoindustrie. Quelle: REUTERS

... auch dann tun zwölf Millionen Euro fürs Klima doch nicht weh.

Das ist ja nur der Anfang. Wenn der Preis für die CO2-Zertifikate so steigt wie von der EU-Kommission gewünscht, kommen wir schon bald auf 60 Millionen Euro im Jahr. Und nach 2020 wären es bei einem angenommenen Zertifikatspreis von 30 Euro je Tonne CO2 bis zu 200 Millionen Euro. Das wäre dann mehr fürs Klima, als wir mit der Stahlerzeugung Gewinn machen. Das versuchen wir gerade der Politik zu erklären.

Warum senken Sie nicht den CO2-Ausstoß?

Natürlich versuchen wir das, aber technologisch stoßen wir an Grenzen. Die Stahlindustrie ist nicht in der Lage, in absehbarer Zeit CO2-frei zu werden. Man kann die Emissionen vielleicht noch um einige Prozente reduzieren. Aber um Größenordnungen von 30 bis 40 Prozent zu erreichen, die den Anstieg der Zertifikatspreise wettmachen, braucht es noch mindestens 15 Jahre Forschung. Ich ärgere mich, wenn Vertreter der Stahlindustrie den Eindruck erwecken, man könne in den kommenden drei Jahren riesige Fortschritte bei der CO2-Reduktion erzielen. Das ist vorerst alles Utopie.

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