Zerschlagung: Für Hochtief ist die Siesta zu Ende

Zerschlagung: Für Hochtief ist die Siesta zu Ende

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Ferngesteuert aus Madrid - Die Hochtief-Bau- und-Europasparte baut 700 Stellen ab

von Harald Schumacher, Anne Grüttner

Eine Zerschlagung des deutschen Bauriesen durch die spanische Mutter ACS ist erst in einigen Jahren zu erwarten. Die Aufräumarbeiten inklusive Jobabbau aber beginnen sofort.

Schon bei der Begrüßung lauern interkulturelle Fettnäpfchen. Nichts ahnende Mitarbeiter nennen den neuen Chef des Essener Baukonzerns Hochtief Herr, Señor oder Mr. Verdes – so, wie ihn auch die Medien hierzulande meist bezeichnen. Das ist aber falsch. Denn Marcelino Fernández Verdes trägt zwar wie viele Spanier als zweiten Nachnamen den seiner Mutter. Der wird aber im Alltag und bei Begegnungen normalerweise nicht genannt. Nur der väterliche Name – Fernández – wird benutzt. Die Anrede Herr, Señor oder Mr. Fernández wäre also richtig und bei offiziellen Anlässen schon mal die förmliche Langversion Fernández Verdes. Nur eins geht nicht: ihn Herrn Verdes zu nennen.

So etwas sollte man spätestens jetzt wissen in der Konzernzentrale gegenüber der Essener Oper. Fernández sitzt zwar schon seit sieben Monaten im Hochtief-Vorstand. Doch seit kurzem ist der 57-Jährige hier nun oberster Chef. Bisher bekamen ihn die Führungskräfte selten zu Gesicht. „Der war für uns bis jetzt kaum präsent“, sagt ein hochrangiger Hochtiefler, berichtet aber von einem Termin in Fernández’ Büro: „Da saß eine Sprachlehrerin und lernte mit ihm Deutsch.“ Daran arbeite er noch und mache „täglich Fortschritte“, lobt sich der Bauingenieur, der in der armen Bergbauregion Asturien aufwuchs, in Barcelona studierte und seit 25 Jahren dem ACS-Tycoon und Real-Madrid-Präsidenten Florentino Pérez dient.

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Einer Zerschlagung von Hochtief steht rechtlich nicht viel im Wege. Quelle: dpa

Fernández führt nun den größten deutschen Baukonzern. Den erst im Mai 2011 als Chef eingesetzten Frank Stieler – der im kleinen Kreis gesagt hat: „Ich wäre gerne geblieben“ – zwang die spanische Konzernmutter ACS Ende November zum Amtsverzicht und ersetzte ihn durch Pérez’ Vertrauten. Stieler wird mit rund fünf Millionen Euro Abfindung entschädigt.

In der deutschen Bauindustrie und an den großen Hochtief-Standorten in Essen, Hamburg, Berlin, München und im Rhein-Main-Gebiet grassiert nun mehr noch als bei der feindlichen Übernahme vor anderthalb Jahren die Angst vor der Zerschlagung. Dafür spricht vor allem die schlechte Finanzlage von ACS – bei Hochtief schlummern Werte, die Pérez gut brauchen könnte. Dass die Zerschlagung schnell kommt, ist allerdings unwahrscheinlich. Dagegen spricht, dass ACS zurzeit keine guten Preise erhoffen kann – und die Tatsache, dass Pérez seine Gläubigerbanken offenbar zumindest bis 2014 ruhigstellen konnte.

Weitgehender Freibrief

Kompetente Kronzeugen für die Zerschlagungsthese lassen sich derzeit leichter finden als Optimisten, die glauben, dass Pérez Hochtief und ACS tatsächlich als größten europäischen Baukonzern zusammenhalten und weiterentwickeln will.

Der seit Langem in Spanien tätige deutsche Unternehmensberater und frühere Direktor des inzwischen untergegangenen Baukonzerns Philipp Holzmann, Dieter Mittelmann, kennt den Finanzjongleur seit seinen Anfängen: „Pérez sucht wie andere große Investoren einen guten Mix aus Investment- und Risikoperspektive und hat nicht wirklich Interesse, ACS mithilfe von Hochtief weiter auszubauen. Das Ziel war eigentlich immer, Hochtief zu zerschlagen, um die Perlen zu verkaufen.“

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