Zerschlagung verhindert: ABB lässt aufmüpfige Investoren abblitzen

Zerschlagung verhindert: ABB lässt aufmüpfige Investoren abblitzen

, aktualisiert 04. Oktober 2016, 17:27 Uhr
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ABB will sich nicht von seiner Stomnetzsparte trennen – die Investoren haben die Kraftprobe mit der Konzernführung vorerst verloren.

von Ozan DemircanQuelle:Handelsblatt Online

ABB-Chef Ulrich Spiesshofer will die Stromnetzsparte behalten und widersetzt sich damit den Zerschlagungswünschen von Aktionären. Stattdessen will er die Kosten senken und neue Kooperationen vorantreiben.

ZürichWer soll in einem börsennotierten Konzern das Sagen haben: das Management oder die Investoren? Der Vorstandschef des Schweizer Elektrokonzerns ABB, Ulrich Spiesshofer, hat diese Frage am Dienstag eindeutig beantwortet – und die Forderung nach einer Zerschlagung, die einige einflussreiche Investoren erhoben hatten, brüsk zurückgewiesen.

Vor allem die schwedische Investmentgesellschaft Cevian hatte gefordert, dass sich der Konkurrent des Siemens-Konzerns von seiner Stromnetzsparte trennt. Dazu wird es aber nicht kommen, wie Spiesshofer nun bekanntgab. Stattdessen kündigte der deutsche Chef des Schweizer Unternehmens eine Reihe Kooperationen an, um das Geschäft mit Kraftwerken, Stromleitungen und Industrielösungen zu beleben.

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Am interessantesten ist dabei eine Kooperation mit Microsoft, um im Bereich Industrie 4.0 voranzukommen. Die beiden neuen Partner wollen „die digitale Transformation in Kundensegmenten wie beispielsweise Robotik, Schifffahrt und Häfen, Elektrofahrzeuge und erneuerbare Energien vorantreiben“, heißt es in einer Pressemitteilung vom Dienstag. Microsoft-Chef Satya Nadella kündigte an, Industriekunden eine Cloud anbieten zu wollen. Die Vernetzung der Großindustrie rückt damit einen Schritt näher.

Um die Investoren zu besänftigen, gab ABB-Chef Spiesshofer außerdem bekannt, die Kosten zu senken. In der Verwaltung sollen 1,3 Milliarden US-Dollar eingespart werden. So soll die Gewinnspanne auch langfristig bei elf bis 16 Prozent bleiben. Des Weiteren plant ABB bis 2019 Aktien im Wert von bis zu drei Milliarden US-Dollar zurückzukaufen, um den Kurs anzukurbeln.

Der schwedische Investor Cevian, der über fünf Prozent der ABB-Anteile hält, hatte in den vergangenen Monaten vehement gefordert, die Stromnetzsparte abzuspalten und als unabhängiges Unternehmen an die Börse zu bringen. Und er gibt noch nicht auf. „Wir denken, dass das eine unglückliche Entscheidung ist“, sagten die Co-Chefs Lars Försberg und Christer Gardell. Aus ihrer Sicht betrage das Kurspotenzial der ABB-Aktie im Falle einer Abspaltung der Stromnetzsparte rund 35 Franken, verglichen mit aktuell 22 Franken. Gardell nannte ABB eine „Kollektion von Top-Geschäftseinheiten, die seit Jahren von der Konglomeratsstruktur an ihrer Performance gehindert werden.“

Das Kalkül solcher Investoren läuft oft nach demselben Muster ab. Mit viel Geld werden Stimmrechte gekauft, um die Aufspaltung zu fordern und Gewinne einzustreichen. Auch in Deutschland hatten Investoren schon wiederholt versucht, Kasse zu machen, sind aber auch häufig beim Management abgeblitzt. Im Jahr 2011 forderten Aktionäre der Deutschen Post die Abspaltung des schrumpfenden Briefgeschäfts. Sie verwiesen auf den niederländischen Konkurrenten TNT, der zuvor schon eine entsprechende Abspaltung durchgezogen hatte. Doch Post-Chef Frank Appel stellte sich am Ende dagegen.

Cevian selbst scheiterte zuletzt beim Stahlriesen Thyssen-Krupp. Dort halten die Schweden über 15 Prozent und haben mehrmals gefordert, profitable Bereiche wie die Aufzugssparte abzustoßen. Kurz vor der Hauptversammlung des Konzerns kündigte Cevian schließlich sogar an, Pläne für eine Dividende „angesichts der finanziellen Lage“ nicht zu unterstützen. Thyssen-Krupp-Chefaufseher Ulrich Lehner war pikiert – und ließ Vorstandschef Heinrich Hiesinger anschließend auf der Versammlung ausrichten, der Konzern werde „auch nicht ansatzweise“ zerschlagen.

Quelle:  Handelsblatt Online
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