ThemaKonsumgüter

Zigarettenindustrie: Endstation Fünf-Euro-Marke

27. Januar 2013, aktualisiert 27. Januar 2013, 17:25 Uhr
Quelle: Handelsblatt Online

Eigentlich müsste eine Schachtel Zigaretten inzwischen mehr als fünf Euro kosten. Doch die Industrie zahlt aus Angst vor einer Abwanderung der Kunden die höhere Tabaksteuer aus eigener Tasche. Es geht um Psychologie.

Aus Angst vor einer Massenflucht der Raucher hat die deutsche Zigarettenindustrie zum ersten Mal seit Jahren eine Tabaksteuererhöhung nicht an die Kunden weitergereicht. Eigentlich hätte eine Schachtel zum Jahreswechsel zehn Cent teurer werden müssen, denn die dritte Stufe der Tabaksteuererhöhung trat am 1. Januar in Kraft. Doch die Preise blieben praktisch unverändert, Industrie und Handel zahlen die höheren Abgaben an den Staat aus eigener Tasche.

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Hintergrund ist aber nicht Mitgefühl mit den von teuren Kippen geplagten Rauchern: Die drei großen Anbieter Philip Morris (Marlboro), BAT (Lucky Strike) und Reemtsma (West) trauen sich mit den Hauptmarken nicht über eine Preisgrenze. „Die Industrie will nicht höher als fünf Euro pro Schachtel gehen", sagte der Geschäftsführer des Tabakhändlerverbands BTWE, Willy Fischel.

Genau so viel kostet nämlich zurzeit die 19-Zigaretten-Schachtel der wichtigsten Marke in Deutschland, Marlboro. Der Hersteller befürchtet offenbar, dass eine Erhöhung auf 5,10 oder 5,20 Euro die Kunden zur Konkurrenz treibt oder gleich ganz zu Schmuggelzigaretten.

Die übrigen Hersteller liegen mit ihren Marken zwar noch im Preis knapp unter fünf Euro. Sie können aber nicht risikofrei erhöhen, denn ihre Hauptmarken wie West oder Lucky Strike haben nicht die Strahlkraft der Marke Marlboro und sind deshalb traditionell etwas billiger. Mehr als fünf Euro kosten nur eher exotische Marken wie Juno, Reval oder Atika.

Die drei Hersteller selbst lehnen jede Auskunft zu ihrer Preisgestaltung ab: Sie plagt eine tief sitzende Angst vor dem Kartellamt, das in solchen Mitteilungen verkappte Preisabsprachen vermuten könnte.

Nach Schätzungen verzichtet die Branche nun vorerst auf dreistellige Millionenbeträge: Die Steuererhöhung beträgt etwa sechs bis zwölf Cent pro Schachtel, je nach Marke und Größe der Packung. Die Preiserhöhungen müssten deshalb bei 10 oder 20 Cent liegen, denn traditionell steigt der Preis für eine Schachtel in Deutschland immer in Schritten von vollen zehn Cent. So sollen krumme Summen an der Kasse vermieden werden. Bei etwa vier Milliarden verkauften Schachteln pro Jahr beträgt der Umsatzausfall 400 Millionen Euro oder mehr.

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Kommentare | 3Alle Kommentare
  • 28.01.2013, 08:44 Uhrwiwomaxxx

    Der sinkende Zigarettenabsatz ist kein Resultat höheren Gesundheitsbewustseins, sondern konsequentes Ausweichen auf Auslandseinkauf entlang der deutschen Grenze, sowie Schmuggelware. Wer macht das? Menschen, welche diese unverschämte Preistreiberei nicht mitmachen können oder wollen. Die Hatz geht weiter...

  • 28.01.2013, 10:12 Uhrvernuenftiger

    Muss eben das Zollamt auch mal die Endverbraucher kontrollieren und bei Fehlen der Steuerbanderole empfindliche Strafen verhängen, handelt sich schließlich um Steuerhinterziehung.
    Andererseits frage ich mich warum ein Produkt daß seinen Nutzer und Umstehende schädigt und keinerlei objektiven Nutzen hat überhaupt noch vertrieben werden darf.

  • 28.01.2013, 11:39 Uhrmathias

    Vernünftiger
    Ich sehe in Ihrem Kommentar auch nichts Nützliches

    Darf jetzt auch Ihre Daseinsberechtigung bezweifelt werden, und Ihnen
    einen Beseitigungskommando vorbeischicken?

    Aber man muß ja die horenden Steuern begründen.
    Wenn der Staat auf die Zigarettensteuer verzichtet,höre ich das
    Rauchen auf.
    Aber der Raucher muß ja auch die Drogensüchtigen finanzieren
    "Metadon- Entziehungskuren u.a." Maßnahmen die die Krankenkassen
    bezahlen. Und die "Schnapsleichen" nicht zu vergessen.

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