Zukunftsbranchen: Hier haben deutsche Unternehmen die Nase vorn

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Zukunftsbranchen: Hier haben deutsche Unternehmen die Nase vorn

Energiespeicher mit Methangas, Datenwolke, intelligente Häuser, 3-D-Drucker: In welchen Wachstumsbranchen deutsche Unternehmen an vorderster Front stehen – und wo sie dringend loslegen müssten.

Von Rüdiger Kiani-Kress, Michael Kroker, Rebecca Eisert, Nele Hansen, Anke Henrich, Jürgen Rees, Benjamin Reuter

Ginge es rein nach den Ideen, müsste sich Deutschland um seine Zukunft wenig Sorgen machen. Mit 13.321 Patenten haben sich Unternehmen und Bastler 2012 mehr Ideen schützen lassen als Erfinder aus jedem anderen Land Europas. Weltweit landet die Bundesrepublik auf Platz zwei hinter den USA und vor der High-Tech-Hochburg Japan.

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Doch so erfinderisch Deutschlands Ingenieure auch sind: Sie tun sich vergleichsweise schwer damit, ihre Ideen zu marktfähigen Produkte zu machen, und überlassen den wirtschaftlichen Erfolg oft Unternehmen aus dem Ausland. „Die Liste der verpassten Chancen ist kaum kürzer als die der genutzten Gelegenheiten“, lästert IT-Unternehmer Stephan Scholtissek, zuvor Mitteleuropachef der Beratung Accenture.

Das hat leider eine lange Tradition. Obwohl der gebürtige Kurhesse Philipp Reis 1861 die erste funktionierende elektrische Fernsprechverbindung baute, heimste der Schotte Alexander Graham Bell den wirtschaftlichen Erfolg ein mit seiner Bell Telephone Company, dem Vorläufer des weltgrößten Telekomkonzerns AT&T. Rudolf Hell aus Eggmühl bei Regensburg präsentierte 1956 das erste funktionsfähige Faxgerät. Doch weil der Elektroriese Siemens auf den Fernschreiber setzte, nutzten japanische Unternehmen die Technik ebenso wie beim Aachener Andreas Pavel, dessen Mini-Kassettenspieler Stereobelt 1977 Sony als Walkman zum Welterfolg machte.

Jüngster Patzer: Ein Team um den Elektrotechniker Karlheinz Brandenburg entwickelte an einem Fraunhofer-Institut in Erlangen ab 1982 das als MP3 bekannte Verfahren zur Kompression digitaler Audiodaten – heute der Standard für Musik im Internet und digitale Player. Weil es kein umfassendes MP3-Patent gibt, machen das Geschäft vor allem Riesen wie Apple.

Ein Fehler, der US-Unternehmen selten passiert, weiß Matthew Ganz, der vor seinem Job als Boeings Deutschland-Chef die Forschung des Luftfahrtriesen geleitet hat. „Ein Unternehmen muss die Leitungen mit kreativen Ideen füllen und diese Ideen in einem rigorosen Prozess zu Geld machen.“ Die Chance, das Credo des US-Managers umzusetzen und loszulegen, hat nun eine neue Generation von Forschern. „Im Bereich des klassischen Internets, gesellschaftlicher Vernetzung und Mobile Computing ist der Zug zwar abgefahren“, sagt Axel Oppermann, Technologieanalyst bei der Beratung Avispador aus Niestetal bei Kassel. „Doch bei Dingen wie Elektromobilität, intelligenten Stromnetzen oder vernetzter Produktion steht Deutschland gut da.“ Dazu kommen überraschende Felder wie die Logistik und einfachere Good-enough-Produkte für den Massenmarkt.

Damit Neuerern das Schicksal der Walkman- und MP3-Erfinder erspart bleibt, müssen Unternehmen aber nicht nur auf Technik achten, sondern auch auf neue Prozesse und Dienstleistungen. „Damit wir vom Land der Ideen zum Land der Marktumsetzung werden“, so Unternehmer Scholtissek, „muss es ein Umdenken geben: Marke, Design, Lifestyle tragen genauso viel zum Erfolg bei wie Ingenieurskunst.“

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