Zukunftsstrategie für Siemens: Hoffen auf Joe Kaeser

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Zukunftsstrategie für Siemens: Hoffen auf Joe Kaeser

, aktualisiert 07. November 2013, 07:34 Uhr
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Joe Kaeser - wie will der Siemens-Chef den Technologiekonzern wieder an die Spitze führen?

von Rebecca Eisert und Matthias Kamp

Streichen, zusammenlegen, umbauen. Am Donnerstag stellt Siemens-Chef Kaeser nicht nur die Jahreszahlen vor, sondern auch sein neues Konzept für den kränkelnden Weltkonzern. Erste Weichen sind gestellt.

Ruhe wollte er in den Konzern bringen. Als Joe Kaeser am 1. August das Ruder des Münchener Technologieriesen übernahm – nur eine Woche nach dem wenig rühmlichen Abgang von Peter Löscher – lautete seine erste Botschaft: Es muss endlich Ruhe herrschen im Karton. „Statt uns darüber zu unterhalten, was das nächste Problem bei Siemens ist oder welche Personalie als nächste über den Flurfunk geht, müssen wir unseren Wettbewerbern wieder Angst einflößen“, sagte der Niederbayer, der seines eindrucksvollen Schnurrbarts wegen lange den Spitznamen "Omar Sharif vom Wittelsbacherplatz" (der Konzernadresse der Siemensianer in München) trug. Der Bart ist ab - auch bei Siemens sollen die alten Zöpfe weg - aber ruhiger, nein ruhiger wurde es nicht.

Fast 100 Tage ist Kaeser nun im Amt, und in diesen Wochen hagelte es Negativ-Schlagzeilen: Personalvorstand Brigitte Ederer ging, nachdem Betriebsräte gegen sie aufbegehrten. Gesamtbetriebsratschef Lothar Adler, der den Weggang Ederers forciert hatte, geriet mit seinem üppigen Jahresgehalt von 300.000 Euro ins Visier. Aufsichtsrat Ackermann schmiss mehr oder weniger beleidigt hin, weil er mit der Art und Weise, wie sich Siemens Löschers entledigte, nicht einverstanden war. Von Ruhe und Frieden bislang keine Spur.

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Am Donnerstag dann ein erstes Aufatmen: Siemens hat sein zuvor bereits zweimal abgesenktes Gewinnziel für das Geschäftsjahr 2012/13 geschafft. Der Gewinn aus fortgeführten Geschäften liegt bei rund 4,2 Milliarden Euro - und damit rund 200 Millionen Euro über der selbstgesteckten Marke. Der Umsatz ging verglichen mit dem Vorjahr leicht um ein Prozent auf 75,9 Milliarden zurück. „Mit einem soliden vierten Quartal haben wir ein bewegtes Geschäftsjahr 2013 abgeschlossen“, sagte Kaeser laut Mitteilung. „Nun blicken wir nach vorne und konzentrieren uns auf die Maßnahmen zur angestrebten Ergebnisverbesserung, die wir konsequent und besonnen umsetzen“, sagte er.

Wo Siemens den Anschluss verpasst hat

  • Telefonie

    Nach jahrelangen Verlusten verkaufte Siemens das Handygeschäft an die später in die Pleite geschlitterte BenQ. Die Heimtelefone wurden ins selbstständige Unternehmen Gigaset ausgelagert.

  • Netzwerke

    Weil Siemens bei der Technologie für Kommunikationsnetzwerke hoffnungslos hinterherhinkte, schob man das Geschäft in das Joint-Venture NSN ab, das Nokia jetzt komplett übernimmt.

  • Computer

    Auch im einst großen IT-Geschäft geriet Siemens ins Hintertreffen und verkaufte: Die Hardware ging an den japanischen Partner Fujitsu, die IT-Dienstleistungen an die französische Atos.

  • Halbleiter

    Im Jahr 2000 brachte Siemens seine Chipaktivitäten als Infineon an die Börse; passive Bauelemente wie Transistoren wurden als Epcos abgespalten. Sie gehören heute TDK aus Japan.

  • Lichttechnik

    Weil Siemens den anhaltenden Preisdruck und die notwendigen Investitionen nicht allein stemmen wollte, ging die Lichttochter Osram Anfang Juli an die Börse.

Cluster-Struktur abgeschafft

Wie verhält es sich mit Kaesers zweiter Ankündigung? „Die Dinge, die nicht so gut gelungen sind, müssen korrigiert und verbessert werden. Nicht durch viel Reden, sondern durch harte Arbeit“, hatte er unmittelbar nach seinem Amtsantritt verkündet. Er werde nicht versuchen, Siemens neu zu erfinden, „das sei auch gar nicht nötig“ tönte er. Die Hoffnung, dass Kaeser am Donnerstag dennoch mit einem Zukunftskonzept aufwartet, das den Namen auch verdient sind groß. Einige Weichen hat Kaeser bereits gestellt.

Die Cluster-Struktur, die Löscher eingeführt hatte, wird abgeschafft, verkündete Siemens Mitte Oktober. Mehrere Länder waren zu einer Gruppe (Cluster) gebündelt worden, damit soll Schluss sein. Kaeser verspricht sich von der Abschaffung wieder mehr Nähe zu den jeweiligen Märkten. „Wir machen Siemens damit einfacher und stärken deutlich unsere Regionen.“ Durch die Neuorganisation entfällt einen organisatorische Ebene.

Die für Siemens nach Geschäftsvolumen und Wachstumsperspektiven wichtigsten Ländern sollen künftig direkt an die vier Vorstände berichten, die für die Sektoren Energy, Healthcare, Industry und Infrastructure& Cities verantwortlich sind. Siemens-Beobachter halten das für einen guten Schritt. Bei den Kunden habe oft Verwirrung geherrscht, wer denn nun eigentlich wofür zuständig sei.

Intern spricht der ehemalige Finanzvorstand offen über gravierende Probleme im Kundenkontakt: "Kunden beschweren sich, weil häufig vier oder fünf Vertriebskollegen mit ebenso vielen verschiedenen Aussagen bei ihnen aufschlagen", zitiert das Nachrichtenmagazin Focus Kaeser aus einen internen Ansprache. Außerdem dauere es oft ewig, bis Fragen zufriedenstellend beantwortet würden. Die von Siemens erhobenen Werte über Zufriedenheit mit Vertrieb und Service würden sich seit drei Jahren verschlechtern, berichtet das Magazin weiter.

Grafik "Das Siemens-Weltreich"

Umsatz nach Regionen und Ländern (zum Vergrößern bitte anklicken)

Fokus Auslandsmärkte

Kaeser will offensichtlich im Vertrieb allgemein, besonders aber im Auslandsgeschäft aufräumen: Direktere Wege, klarere Kommunikation, ein besserer Draht zu den Kunden vor Ort. Damit stellt sich Kaeser einem Brennpunkt, denn Siemens macht 85 Prozent seines Umsatzes im Ausland. In den großen Wachstumsmärkten wie China schrumpften Umsatz und Auftragseingang aber zuletzt, während Konkurrent GE zweistellig zulegen konnte. Die Aussichten auf gigantische Umsätze waren wohl zu verlockend: Beim boomenden Zuggeschäft im Reich der Mitte akzeptierte Siemens alle Konditionen der kommunistischen Kader und züchtete sich so am Ende seine eigenen Wettbewerber heran. Das Ergebnis: Mit Zügen ist für Siemens in China kaum noch Geld zu verdienen.

In den USA verkauft Siemens erfolgreich Gas- und Kohlekraftwerke, Probleme gibt es dagegen im Windkraftgeschäft. Die USA haben ihre Beihilfen für die grünen Energieformen gekürzt, das setzt alle Hersteller unter Druck. Doch Siemens kämpft zudem mit technischen Problemen. Beschädigte Rotorblätter kosteten der Konzern im 3. Quartal rund 100 Millionen Dollar – und einen nicht zu beziffernden Imageverlust.

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