Industrieregion Nürnberg: Wie Nürnberg die Quelle-Pleite verkraften wird

Industrieregion Nürnberg: Wie Nürnberg die Quelle-Pleite verkraften wird

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Gerd Schmelzer

von Christian Schlesiger, Lothar Schnitzler, Henryk Hielscher, Rüdiger Kiani-Kreß und Peter Steinkirchner

Quelle pleite, Grundig platt, AEG dezimiert – die Industrieregion Nürnberg wird trotz des Desasters um den Versandhandelsriesen nicht zum Armenhaus. Die Unternehmen in Franken haben den Niedergang alter Traditionsfirmen bisher noch immer wettgemacht. Warum nicht auch diesmal?

Als am Dienstag vor zwei Wochen die grausige Nachricht die Stadt erschüttert, steht Gerd Schmelzer am Fenster seines Büros in der sechsten Etage und hat das Epizentrum fest im Blick: die gigantische Versandhalle von Quelle, genau gegenüber, auf der anderen Seite der Fürther Straße, das größte Areal, das der Versandhandelsriese in Nürnberg unterhält.

„Eine Tragödie“ sei das für die rund 4500 Mitarbeiter, sagt Schmelzer, als sich die Pleite des Unternehmens durch Radio und Fernsehen verbreitet, „ein Schock für die ganz Stadt“. Wie ein „wund geschossener Dinosaurier“ habe der viertgrößte Arbeitgeber am Ort in den vergangenen Wochen vor sich hinvegetiert, jetzt sei „das Tier verreckt“.

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Perfekte Lage

Doch seit einigen Tagen ändert sich Schmelzers Stimmung. Je öfter der 58-jährige Immobilienunternehmer von seinem Büro auf das Katastrophengebiet schaut, umso deutlicher spürt er dieses Kribbeln, investieren zu wollen. „Die Lage ist doch perfekt“, schwärmt Schmelzer fast. Sicher, alleine würde er den Wiederbelebungsversuch nicht wagen, aber mit den richtigen Partnern und einem handfesten Konzept, ließe „sich die Kiste schon zum Laufen bringen“, ist Schmelzer überzeugt: „Es reizt mich schon.“

Landauf, landab beweinen Reporter und Feuilletonisten das Aus von Quelle, den Tod des kiloschweren Katalogs – und damit das vermeintliche Siechtum einer der ältesten deutschen Wirtschaftsregionen mit rund 1,7 Millionen Einwohnern. Wenn schon Industrie in Nürnberg, so scheint es, dann gibt es sie allenfalls noch hinter den dicken Mauern des Germanischen Nationalmuseums, Abteilung mittelalterlicher Hausrat. Was bleibt, so der Eindruck, sind Bundesagentur für Arbeit, Lebkuchen und Bratwurst.

Top Noten für Nürnberg

Doch für Pessimismus an der Pegnitz gibt es eigentlich keinen Anlass. Männer wie Schmelzer sind alles andere als Spinner. Die Unternehmen in und um Nürnberg herum haben sich im Schatten ihrer Wettbewerber in Glamour-Städten wie München, Hamburg, Frankfurt und Düsseldorf in den vergangenen Jahren vielmehr als überaus erfolgreiche Maschinen des wirtschaftlichen Wandels erwiesen.

Im jüngsten Städteranking der WirtschaftsWoche stieg die Frankenmetropole binnen eines Jahres vom 13. auf den 7. Rang — Top-Noten gab es für Wirtschaftsstruktur, Arbeitsmarkt und Standortqualität. Die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätze legte von 2003 bis 2008 um 3,9 Prozent zu, die Arbeitslosenquote fiel um knapp die Hälfte auf 5 Prozent — bundesweit nur knapp hinter den Boomregionen München und Stuttgart. Der Anteil der Industriebeschäftigten liegt inzwischen bei nur noch 37 Prozent, der der Dienstleister bei 63. Vor einem Vierteljahrhundert war das Verhältnis umgekehrt.

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