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Infiineon-Chef Bauer: Von der Übergangslösung zum Heilsbringer

von Joachim Hofer Quelle: Handelsblatt Online

Als Peter Bauer den Chefposten bei Infineon übernahm, galt er nur als Zwischenlösung. Doch mit vielen Einschnitten reformierte er den Chip-Hersteller und verhalf ihm zum Erfolg. Jetzt gibt er den Job auf – unfreiwillig.

Peter Bauer muss den Posten als Vorstandsvorsitzender aufgeben. Er leidet an Osteoporose. Quelle: dapd
Peter Bauer muss den Posten als Vorstandsvorsitzender aufgeben. Er leidet an Osteoporose. Quelle: dapd

MünchenEr hat genau nachgezählt: 17-mal habe er als Chef die Quartalszahlen präsentiert, sagte Infineon-Chef Peter Bauer gestern in einer Telefonkonferenz mit Analysten.

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Ein 18. Mal wird es nicht geben. Die nächsten Ergebnisse im November wird Reinhard Ploss vorstellen. Der war bisher für die Technik in dem Konzern zuständig und ist der designierte Nachfolger von Bauer an der Spitze der ehemaligen Siemens-Tochter. Bauer hört zum Ende des Geschäftsjahrs am 30. September auf.

Es ist nicht so, dass der 52-jährige Münchener freiwillig geht. Er hätte gerne noch bewiesen, dass sich der von ihm eingeleitete Umbau des einst hochdefizitären Unternehmens langfristig auszahlt.

Doch sein Körper will nicht mehr. Der begeisterte Sportler leidet an Osteoporose, einer Knochenkrankheit. So kann der drahtige Mann die kräftezehrenden Reisen rund um die Erde nicht länger durchstehen. Deshalb entschloss er sich, seinen Job aufzugeben und sich darauf zu konzentrieren, gesund zu werden.

Doch aus einem macht Bauer keinen Hehl: Es ärgert ihn, dass er abtreten muss. Denn er hinterlässt ein unvollendetes Werk. Den Anlegern hatte er versprochen, über einen vollen Konjunkturzyklus in der schwankungsanfälligen Chipbranche hinweg eine operative Marge von 15 Prozent einzufahren. Die vergangenen zwei Jahre waren für die Industrie gut, da lag er darüber. Nun ist der Abschwung da, und es wird sich zeigen, ob Bauer Infineon wirklich wetterfest gemacht hat.

Der verheiratete Vater zweier Kinder wird die Entwicklung vom Herbst an nur noch von seinem Reihenhaus im Münchener Stadtteil Nymphenburg verfolgen können.

Bislang kann er mit sich zufrieden sein. Zahlreiche Analysten verabschiedeten sich von Bauer gestern mit einigen persönlichen Worten, ehe sie aufs Geschäftliche zu sprechen kamen. Und Bauer setzte noch einmal Akzente: „Wo wir sparen können, sparen wir jetzt“, erläuterte er. Denn Umsatz und Ergebnis würden sich derzeit nicht so entwickeln wie geplant.


Eigentlich schon am Anfang angezählt

Bauer hat sich in seinen vier Jahren an der Spitze des ehemals so skandalträchtigen Konzerns viel Respekt erarbeitet. Dabei hatte er einen holprigen Start. Erst fahndete der damalige Aufsichtsratschef Max Dietrich Kley monatelang nach einem Nachfolger für den glücklosen Vorstandschef Wolfgang Ziebart. Als sich für den Höllenjob niemand fand, beförderte Kley schließlich Bauer. Allerdings machte er ihn nicht zum Vorsitzenden, sondern nur zum Sprecher des Vorstands.

Gleich zu Anfang galt Peter Bauer schon als angezählt. Sofort hieß es, der Ingenieur sei nur eine Übergangslösung. Kaum jemand traute dem Manager damals zu, dass er den angeschlagenen Chipanbieter wieder auf die Beine bringen würde. Denn Bauer war schon so lange in dem Unternehmen an führender Stelle tätig, dass von ihm kaum eine aussichtsreiche Strategie erwartet wurde. Doch die Kritiker hatten sich getäuscht. Bauer hat aus einem Pleitekandidaten ein finanzstarkes Unternehmen gemacht. Er hat Tausende Stellen gestrichen, sich von wenig profitablen Teilen getrennt und die Firma auf einige ausgewählte Wachstumsbereiche wie das Auto- und Industriegeschäft konzentriert.

Mitarbeiter beschreiben ihn als einen Manager, der auch auf die Meinung anderer Wert legt. Zudem könne er sich gut verkaufen. Bauer schillert nicht, und der Schnurrbart wirkt ein wenig wie aus der Zeit gefallen. Aber Bauer strahlt unaufgeregte und profunde Fachkenntnis aus.

Mit den Jahren ist Bauer zwangsweise ein Experte in Sachen Osteoporose geworden. Es ist die Art von Wissen, die er in nächster Zeit wohl am meisten braucht.

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