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Infineon-Chef: Ulrich Schumacher - Eine (fast) weiße Weste

von Joachim Hofer Quelle: Handelsblatt Online

Die Zeit der Verunsicherung ist für Ulrich Schumacher vorbei. Endlich, wird er sich wohl denken. Der Prozess gegen den früheren Infineon-Chef steht vor der Einstellung. Sowohl Staatsanwaltschaft als auch Verteidigung erklärten sich am Landgericht München dazu bereit, das Verfahren zu beenden.

Da hat Ulrich Schumacher gut lachen. Der Prozess gegen hin wird bald eingestellt. Quelle: dpa Quelle: handelsblatt.com
Da hat Ulrich Schumacher gut lachen. Der Prozess gegen hin wird bald eingestellt. Quelle: dpa Quelle: handelsblatt.com

MÜNCHEN. Es ist Viertel vor drei an diesem außergewöhnlich warmen Montag Ende Oktober. Ulrich Schumacher plaudert mit seinen beiden Anwälten entspannt vor dem Eingang des Münchener Landgerichts. "Es wird Zeit, dass ich mal wieder schaue, was in China passiert", flachst der groß gewachsene Manager und lacht. Schumacher ist anzusehen, dass ihm soeben eine tonnenschwere Last von den Schultern gefallen ist.

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Seinen Arbeitsplatz in Schanghai hat der ehemalige Vorstandsvorsitzende des Halbleiterherstellers Infineon schon länger nicht mehr gesehen. Seit sechs Wochen steht der Chef der chinesischen Chipfabrik Grace in der bayerischen Landeshauptstadt vor Gericht, die Staatsanwaltschaft München wirft ihm Bestechlichkeit, Untreue und Steuerhinterziehung vor.

Seit heute steht fest: Der 51-Jährige wird allenfalls wegen Steuerhinterziehung zur Verantwortung gezogen. Dabei geht es um 11 000 Euro. Alle anderen Delikte konnten ihm die Strafverfolger nicht nachweisen, obwohl sie Dutzende Zeugen aufgefahren haben. Nach einer kurzen Besprechung gestern um die Mittagszeit haben sich Verteidiger und Staatsanwaltschaft auf eine Einstellung des Verfahrens geeinigt, am Mittwoch wird das Gericht die Hintergründe erläutern. Der Hauptvorwurf der Bestechlichkeit sei in dem Prozess nicht nachgewiesen worden, unterstrich der Vorsitzende Richter Peter Noll. "Das kriegen Sie von uns schwarz auf weiß, Herr Schumacher", sagte der Jurist.

Zuvor war mit dem Aufsichtsratschef von Infineon, Max Dietrich Kley, der letzte prominente Zeuge aufgetreten. Doch auch der 69-Jährige belastete Schumacher nicht. Der ehemalige Finanzvorstand von BASF schilderte zwar ausführlich die Turbulenzen, die im Frühjahr 2004 zum Rauswurf von Schumacher bei Infineon geführt haben. Die Trennung hätte aber nichts mit Bestechungsvorwürfen gegen den Unternehmersohn aus dem Rheinland zu tun gehabt. Vielmehr sei es darum gegangen, "möglichst schnell einen handlungsfähigen Vorstand zu bekommen", so Kley. Damals hatten die drei Vorstandskollegen Schumachers in einem Brief an Kley schwere Vorwürfe gegen ihren Vorsitzenden erhoben. Dabei ging es etwa um den selbstherrlichen Führungsstil von Schumacher. Die Anschuldigungen waren für Kley Grund genug, dem langjährigen Unternehmensführer den Stuhl vor die Tür zu setzen.

So wie Kley war es auch bei allen anderen Zeugen: Sie gaben einen tiefen Einblick ins Innenleben des größten deutschen Chipkonzerns und schilderten mitunter haargenau, wie Schumacher sein Hobby, das Rennfahren, mit Firmeninteressen verquickt hat. Dass Schumacher aber Geld von dem Sponsoringvermittler Udo Schneider annahm, wie dies die Staatsanwaltschaft behauptet hatte, das bestätigte nur einer: Udo Schneider selbst.

Schneider, der bereits wegen Bestechung hinter Gittern saß, hatte zu Prozessbeginn ausgesagt, er habe Schumacher immer wieder vier - bis sechsstellige Summen für seine Motorsportleidenschaft zukommen lassen. Schumacher selbst hat die Vorwürfe von Anfang an vehement bestritten. Im Laufe des Verfahrens waren die Zweifel an der Glaubwürdigkeit Schneiders mit jedem Tag gewachsen, so dass Richter Noll schon vergangene Woche andeutete, dass es zu einer Verurteilung wegen Bestechlichkeit wohl kaum reichen werde.

Schumacher war einst einer der profiliertesten deutschen Manager, bekam hierzulande nach dem plötzlichen Abgang bei Infineon jedoch kein Bein mehr auf den Boden. Vor zwei Jahren heuerte der Ingenieur schließlich in China an, wo er seither einen kleineren Chiphersteller führt. Die letzten Monate musste sich der Manager mit dem kurzgeschorenen Haupt aber mehr mit den Vorwürfen gegen ihn beschäftigen als mit seiner Arbeit im fernen Schanghai.

Jetzt wird Schumacher wohl mit einer Geldauflage davonkommen. Dabei geht es darum, dass er seinem Bruder Rennwagen überlassen und dafür Rechnungen ausgestellt hat - die Einnahmen aber nicht versteuert wurden.

Die Strafe wird Schumacher wohl verschmerzen können. Denn mit dem Urteil sind vermutlich auch die Chancen gestiegen, doch noch den zweiten Teil seiner Abfindung von Infineon zu bekommen, den der Konzern bislang zurückhält. Dabei geht es immerhin um rund 2,6 Mio. Euro.

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