Infineon: Vom Pleitekandidaten zum Dax-Rückkehrer

Infineon: Vom Pleitekandidaten zum Dax-Rückkehrer

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von Michael Kroker

Vom Pleitekandidaten zum Dax-Rückkehrer: Das Blitzcomeback des Chipherstellers Infineon ist eine der Überraschungen des Jahres. Wie die Wende gelang und wie es jetzt weitergeht.

Dass Höhen und Tiefen im Leben oft nah beieinander liegen, weiß wohl kaum jemand so genau wie Peter Bauer. Am 3. Dezember 2008 gibt der noch ziemlich frische Chef des Halbleiterherstellers Infineon einen Verlust bekannt, der mal eben doppelt so hoch ist wie allgemein erwartet. Binnen Stunden stürzt der Kurs der Aktie als erster Dax-Wert überhaupt unter einen Euro. Infineon fliegt aus dem Index. Der Chiphersteller, so die Befürchtung vieler Investoren, ist ein sicherer Pleitekandidat.

Doch inmitten der Wirtschaftskrise hat sich das Blatt überraschend schnell gewendet: In der bisher bedrohlichsten der zahlreichen Unternehmenskrisen hat das Management mit Banken, Investoren und dem Staat verhandelt, die Kosten gedrückt und sich letztlich durch den Umbau seiner Finanzen wieder auf die Füße gestellt. Prompt hat sich der Aktienkurs verzehnfacht, an diesem Montag kehrt die Aktie in die Eliteliga der Börse zurück. Doch das operative Geschäft bleibt schwierig. „Wir können mit der aktuellen Lage noch nicht zufrieden sein“, sagt Vorstandschef Bauer.

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Auf dem absteigenden Ast

Im Vergleich zum Dezember 2008 sieht die Lage heute allerdings geradezu rosig aus. Damals werden Bauer und sein Finanzchef Marco Schröter auf einer Investorenkonferenz in London mit Fragen bombardiert. Sorgen machen vor allem Anleihen in Höhe von 700 Millionen Euro, die im Sommer 2010 auslaufen. Insgesamt muss Infineon bis Ende 2010 bis zu einer Milliarde Euro auftreiben.

Eine baldige Pleite scheint realistisch, in den kommenden Monaten geht es immer weiter bergab. Die Mehrheitsbeteiligung Qimonda geht in die Insolvenz, das Management prüft Staatshilfen, die Aktie fällt erst aus dem Dax und im März dann auf 39 Cent. Infineon ist an der Börse nur noch ein Fünftel des Betrages wert, mit dem allein Vermögensgegenstände wie Fabriken in den Büchern stehen.

Handlungsoptionen mit Haken

„Der Markt ging davon aus, dass das Konkursrisiko bei mindestens 50 Prozent lag“, sagt Roland Sand, Managing Director bei der Credit Suisse, die im Auftrag von Infineon eine Lösung suchen sollte. Es gibt nicht viel, was für Infineon spricht: Der Technologiekonzern hat noch rund 700 Millionen Euro in der Kasse und außerdem schon im Juni 2008 ein umfassendes Sparprogramm gestartet.

Zwar gibt es Handlungsoptionen, doch alle sind mit Haken versehen: Wer kauft eine Geschäftssparte und zahlt einen angemessenen Preis? Hat ein Antrag auf Staatshilfe Aussicht auf Erfolg, und verbaut man sich damit andere Lösungen? Eine Kapitalerhöhung scheint unmöglich, weil der Kurs der Aktie deutlich unter dem Nennwert von zwei Euro liegt. Doch unterhalb des Nennwertes darf eine AG keine neuen Aktien ausgeben.

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