Innovationsforum 2016: Die Welt der Roboter

Innovationsforum 2016: Die Welt der Roboter

, aktualisiert 08. September 2016, 15:56 Uhr
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„Die Generation R wächst heran, und sie wird mit den Robotern so arbeiten wie wir mit dem Smartphone.“

von Martin-W. BuchenauQuelle:Handelsblatt Online

Künstliche Intelligenz und Start-up-Kultur: Deutsche Topmanager diskutieren auf dem fünften Innovationsforum von Goethe-Universität und Handelsblatt über bahnbrechende Neuheiten.

FrankfurtStart-ups von gestern sind heute Facebook, Google oder Amazon. Jetzt drängen sich die Internetgiganten in das Feld der etablierten Wirtschaft. Und sie treiben ein Kernthema mit aller Macht voran: künstliche Intelligenz. Die Web-Giganten kaufen sich dafür selbst bei Start-ups ein. Ist die künstliche Intelligenz dem Menschen überlegen? Wie reagieren deutsche Wirtschaftslenker? Wie hält Deutschland bei dem Innovationstempo mit?

Ob Robotik, Handel, Banken, Autoindustrie oder Wirtschaftsprüfung – alle Topmanager, die sich mit Handelsblatt-Herausgeber Gabor Steingart über Innovation austauschten, kooperieren inzwischen mit Start-ups oder beteiligen sich daran. Dazu gehörten Pricewaterhouse-Coopers-Vorständin Petra Justenhoven, Kuka-Chef Till Reuter, Metro-Chef Olaf Koch, Schaeffler-Boss Klaus Rosenfeld sowie Postbank-Chef Frank Strauß.

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„Die Generation R wächst heran, und sie wird mit den Robotern so arbeiten wie wir mit dem Smartphone“, sagt Kuka-Chef Reuter. Er ist überzeugt, dass der Trend zu intelligenten Robotern nicht mehr aufzuhalten ist. Kuka zählt zu den Weltmarktführern der Robotik. Eng arbeitet der Konzern bei der Entwicklung von Software und Sensorik für Roboter, die mit dem Menschen Hand in Hand arbeiten können, auch mit Start-ups zusammen.

Reuters Konzern wird vom chinesischen Hausgerätehersteller Midea übernommen, sobald die Wettbewerbshüter zugestimmt haben. Mehr als 90 Prozent hält Midea dann an Kuka. „Ich habe nicht die Tür aufgemacht für die Chinesen, sondern für Wachstum“, betonte der Kuka-Chef. Die Chinesen sind fest entschlossen, mit der Kuka-Technologie Roboter alltagstauglich zu machen. Reuter sieht eine schrittweise Entwicklung. „Cyber-physische Systeme werden digitale und reale Welt verbinden“, sagt er. Und der Kunde werde zum „Prosumer“, der am Produktionsprozess beteiligt wird. Erste Schritte in die neue Welt hat Kuka bereits getan und kooperiert mit Salesforce, Infosys und Huawei. Reuter sieht bestehende Geschäftsmodelle angegriffen.

Am heftigsten hat es bislang den Handel erwischt, bei dem der US-Onlinehändler Amazon die ganze Branche aufgemischt hat. „Wir hatten 2010 noch eine Diskussion im Haus, ob das Internet eine Modeerscheinung ist. Das ist kein Witz“, räumte Metro-Chef Koch ein. Der Erfolg der großen Konzerne in der Vergangenheit sei Segen und Fluch zugleich. Nur mit Innovationen könne die Branche bestehen. Die Innovation liege ganz stark beim Kunden. So habe die Metro-Tochter Mediamarkt die schnellste Smartphone-Werkstatt im Markt. „Das kann Amazon nicht“, betont Koch. „Unser Kundenkontakt ist ein Vorteil.“

Zu den Metro-Kunden zählt auch die Gastronomie. „Wenn wir von Industrie 4.0 reden, dann müssen wir in der Gastronomie von 1.1 reden“, stellt Koch nüchtern fest. Das liege daran, dass digitale Technologie erstens zu teuer sei und der Gastronom keine Zeit habe. Seit 2012 versucht die Metro, ihren Kunden digital auf die Sprünge zu helfen. Techstars aus Colorado macht seit 2006 nichts anderes, als Firmen aufzubauen. Seit 2015 kooperiert Metro mit den Amerikanern und bastelt an neuen Projekten, eins davon ist Group-Raise, bei dem der Gastronom Kunden anbietet, bei einer Veranstaltung an bestimmten Tagen 20 Prozent von den Einnahmen an eine Schule oder ein Krankenhaus zu spenden. „Das ist in Amerika ein Riesenrenner“, sagt Koch. So könne der Gastronom schwache Zeiten auslasten.

Ähnlich wie beim Handel ist das Geschäftsmodell der Banken besonders durch neue Wettbewerber aus dem Netz bedroht. „Ich fühle mich nicht von Fintechs angegriffen“, sagte Postbank-Chef Strauß und blieb gelassen. „Sie sind eher inspirierend und helfen, den Fokus wieder stärker auf den Kunden zu lenken.“ Gleichwohl sieht der Postbank-Chef seine Branche unter Druck. Die Banken stünden in den nächsten beiden Jahren vor gewaltigen Veränderungen.

Nicht viel anders in der Industrie: Nach einer Studie der Wirtschaftsprüfer von PWC werden weltweit 900 Milliarden Dollar und damit fünf Prozent des Umsatzes von den Unternehmen weltweit investiert, um fit für die vernetzte Industrie 4.0 zu werden. „Der Mittelstand tut sich bei dem Thema nach wie vor schwer“, konstatierte PWC-Vorständin Justenhoven.

„Es gibt Möglichkeiten, Innovation zu fördern, wenn man Transparenz wagt“, sagt der Chef des Automobilzulieferers Schaeffler, Klaus Rosenfeld. Der Wälzlagerhersteller lädt etwa jedes Jahr mehrere Dutzend größere und kleinere Unternehmen an den Firmensitz in Herzogenaurach zum Technologiedialog ein, um sich frei über Lösungen auszutauschen. Der Wille, etwas auszuprobieren, gehöre zur DNA eines langfristig denkenden Familienunternehmens. Auch Fehler seien erlaubt, sofern der gleiche nicht zweimal gemacht werde.

Die Frage eines katholischen Paters aus dem Publikum, ob es auch Dinge gebe, die die Unternehmen bei der digitalen Revolution aus ethischen Gründen nicht machen würden, damit es ihnen nicht ginge wie dem Zauberlehrling, löste an dem Abend in der Goethe-Universität Nachdenken bei den Führungskräften aus. Produkt- und Datensicherheit seien für die Kunden unabdingbar, waren sich die Wirtschaftslenker einig. Aus Goethes Meisterwerk stammt das geflügelte Wort: „Die ich rief, die Geister, werd’ ich nun nicht los.“ Aber Bangemachen galt an diesem Abend nun gar nicht.


Die Gewinner des Goethe-Innovationspreises

RHABDOTEC: Schnelle Pillen

Nicht in Anzügen, sondern in Laborkitteln betraten die Gründer von RhabdoTec die Bühne. Kenan Bozhüyük, Florian Fleischhacker, Darko Kresovic und Felix Wersich heißen die vier Gewinner des diesjährigen Innovationsforums. Für ihr biotechnologisches Verfahren erhielten die vier Wissenschaftler 10 000 Euro Preisgeld. Ihre Idee: Mikroorganismen werden so programmiert, dass sie bestimmte Wirkstoffe produzieren können. Etwa solche, die in Antibiotika sind. Dadurch können neue Wirkstoffe schneller und günstiger hergestellt werden als bisher. „Die aktuellen Methoden der Chemie und der Biotechnologie sind nicht ausreichend“, erklärte Bozhüyük bei der Preisverleihung.

Zwei Pilotprojekte haben die Gründer laut Wersich bereits eingeworben. Dabei gehe es darum, vielversprechende Wirkstoffe weiterzuentwickeln. Die Start-up-Gründer machen den Pharmaunternehmen, mit denen sie zusammenarbeiten, verschiedene Angebote: „Unsere Toolbox kann für die Pharmaunternehmen lizenziert werden, oder sie haben die Möglichkeit, uns die Aufträge zu erteilen, Wirkstoffe zu entwickeln“, so Wersich. Dann erhalte das Unternehmen auch die Herstellungsmethode. „Das heißt, wir integrieren den Bauplan in einen Organismus und der Organismus produziert den neuen Wirkstoff.“

Drei der Preisträger sind seit über drei Jahren wissenschaftliche Mitarbeiter an der Goethe-Universität und promovieren im Fach Biologie. Wersich ist Ingenieur. Die Erfindung der vier Gründer bringt die Pharmaindustrie in großem Stil voran, wenn man Bozhüyük glaubt: „Es wird angenommen, dass ohne eine neue Technologie im Jahr 2050 etwa zehn Millionen Menschen infolge von Antibiotika-Resistenzen sterben könnten.“

LEGALHEAD: Date für Anwälte

„Vor fünf Jahren hatte jeder zweite Student ein Smartphone. Heute besitzt jeder Student zwei mobile Endgeräte.“ Mit diesen Sätzen begann Samuel Ju, Co-Gründer des Start-ups Legalhead, seine Rede bei der Preisverleihung des Innovationsforums. Gemeinsam mit seinen Kollegen Clemens Reichel und Fabian Schebanek belegte er den zweiten Platz.

Die drei Gründer haben eine App entwickelt, die arbeitsuchende Anwälte an Arbeitgeber vermittelt. Klassische Stellenanzeigen seien sehr zeitaufwendig und in der Regel nicht Smartphone-optimiert. Zudem zahlten Unternehmen viel Geld dafür und seien dann meist sehr passiv. Der Erfolg sei sehr schwer messbar.

Die Legalhead-App kommt tatsächlich deutlich pfiffiger daher als klassische Jobportale. Wie bei Dating-Apps können beide Seiten sich das Profil des jeweils anderen ansehen und entscheiden, ob sie miteinander in Kontakt treten wollen. Geben beide einen „Daumen hoch“, kommt der Kontakt zustande. „Wir sind bis zu fünfzig Prozent günstiger als klassische Berater“, erklärt Ju. Seitdem das Start-up im Oktober 2015 losgelegt hat, konnten die Gründer mehr als 30 Kanzleien und Wirtschaftsunternehmen und über tausend Anwälte von sich überzeugen.

Für Bewerber hat Legalhead einen zusätzlichen Anreiz geplant: Das Start-up beteiligt sie mit einem Drittel an der Vermittlungsprovision. Laut Ju sind das zwischen 3 000 und 8 000 Euro. Für die Zukunft hat das Team bereits Expansionspläne: Bald soll es auch „Taxhead“ geben, für Steuerberater und Wirtschaftsprüfer, „Medihead“ für Ärzte und medizinische Fachkräfte sowie „Consulthead“ für Unternehmensberater.

LIME MEDICAL: Helfende Hände

Es sind drei Schüler, die das Start-up LIME medical gegründet haben. Pascal Lindemann, Christian Schorr und Dominic Libanio, der mit 20 Jahren der Älteste von ihnen ist, sieht man ihre Jugend an. Ihr Projekt aber hat es in sich: Sie haben eine Roboterhand entwickelt, mit deren Hilfe Patienten nach einem Unfall ihre Finger trainieren können. Bei dem Wettbewerb „Jugend forscht“ belegten sie damit bereits deutschlandweit den dritten Platz.

Den Gründern zufolge verletzen sich in Deutschland jedes Jahr 240 000 Menschen bei einem Arbeitsunfall an der Hand, 200 000 weitere erleiden einen Schlaganfall, der ihre Hand lähmt. An Therapeuten aber mangelt es. Und selbst wenn Patienten einen fänden, kämen sie schlecht in die Praxis, da sie ja nicht Auto fahren dürften.

Die Roboterhand soll beide Probleme lösen. „Unsere Vision ist es, dass der Patient zu Hause in Ruhe trainieren kann“, so Lindemann. Dazu zieht er das Gerät über seine Hand, das die Finger dann bewegt. Für Knie und Schulter gibt es solche Maschinen bereits. Therapiegeräte für die Hand seien bisher jedoch daran gescheitert, dass sie sich nicht an die verletzten, sensiblen Finger anpassen ließen, sagt Lindemann. Das Modell der Schüler lässt sich aber an verschiedene Handgrößen anpassen. Die Gründer entwickeln auch eine App, mit der der Therapeut die Behandlung künftig aus der Ferne begleiten kann.

Jetzt haben sie beim Innovationsforum den dritten Platz belegt. Was sie aber am meisten freuen dürfte, ist ein Angebot von Kuka-Chef Till Reuter: „Kommt gerne zu Kuka. Die Ideen haben mir sehr gut gefallen. Ich glaube, das sind genau die Sachen, die Deutschland ausmachen, dass wir hier Start-ups nach vorne bringen.“

Quelle:  Handelsblatt Online
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