Innovative Modelle: Der Biedermann Ford wird sexy

Innovative Modelle: Der Biedermann Ford wird sexy

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Ford und VW

von Martin Seiwert

Der schon oft angezählte US-Autohersteller Ford verblüfft die Börsianer mit starken Geschäftszahlen, überzeugt Kunden mit neuen Modellen und kommt jetzt Volkswagen in die Quere: Für die Wolfsburger wird es immer schwerer, auf dem Schlüsselmarkt USA Boden gutzumachen.

Freitagmorgen in Detroit. Ford-Chef Alan Mulally hat in einer Telefonkonferenz die Geschäftsergebnisse des zweiten Quartals präsentiert. Nun können die Analysten Mulallys Zahlenwerk auf Lücken und Unstimmigkeiten abklopfen. Der Vertreter der Investmentbank Goldman Sachs ergreift als Erster das Wort. „Glückwunsch!“, sagt er. „Glückwunsch, Alan Mulally, zu diesen Zahlen.“

Das ungewöhnliche Lob am Morgen des 23. Juli markiert einen Wendepunkt in der Geschichte der Ford Motor Company. Eine Ikone der US-Industrie – um ein Haar durch falsche Modellpolitik, drückende Pensionslasten und die Finanzkrise in den Ruin getrieben – ist wieder da, stark und angriffslustig wie lange nicht mehr. Im zweiten Quartal verbuchte Ford erneut einen Milliardengewinn. Und der Absatz in den USA legte im ersten Halbjahr mit 28 Prozent fast doppelt so stark zu wie der Gesamtmarkt.

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Ausländische Konkurrenten, die nach der Insolvenz von General Motors (GM) und Chrysler die Autoindustrie in den USA schon fast abgehakt hatten und auf freie Fahrt hofften, müssen nun erkennen: An Ford ziehen sie nicht so schnell vorbei.

Entscheidender US-Markt

Vor allem für Volkswagen – nach Toyota und GM derzeit drittgrößter Autohersteller – könnte der Ford-Konzern, der auf Platz vier der Weltrangliste lauert, zum Problem werden. VW will, so steht es in der „Strategie 2018“ von Konzernchef Martin Winterkorn, in acht Jahren Toyota als Weltmarktführer ablösen. Das geht aber nur, wenn VW und Audi im US-Markt ihren Jahresabsatz von jetzt 300.000 auf über eine Million Fahrzeuge mehr als verdreifachen – und wenn VW dort endlich Geld verdient. Abgesehen von Audi bringen die US-Aktivitäten dem Konzern bisher nur Verluste.

Ändern soll das ein neues Werk in Chattanooga/Tennessee, wo von Ende des Jahres an ein Passat-Ableger vom Band laufen wird. Hinzu kommt der speziell für den US-Markt konzipierte, gerade öffentlich vorgestellte Kompaktwagen Jetta. Kostenpunkt der US-Offensive: rund vier Milliarden Dollar plus weitere Milliarden für den Ausbau der Produktion in Mexiko.

„Der US-Markt ist das kritische Element der VW-Strategie, der Stolperstein“, sagt Christoph Stürmer, Autoexperte der US-Marktforschung und -Beratung IHS Global Insight. „Dort entscheidet sich, ob VW es an die Spitze schafft oder nicht.“

Hürde für VW

Ausgerechnet der schon so oft angezählte Autoriese Ford könnte sich nun als unüberwindbare Hürde für VW entpuppen. In den kommenden Jahren, so das Ergebnis der Merrill-Lynch-Studie „Car Wars“, werde der erstarkte Ford-Konzern zu den größten Gewinnern in den USA gehören, könnte von heute 17 auf mehr als 20 Prozent Marktanteil wachsen. Für europäische Marken wie VW sehen die Merrill-Lynch-Experten „null Prozent Marktanteilswachstum bis 2013“.

Mit qualitativ immer besseren Autos könnte Ford jene Kunden gewinnen, auf die VW es abgesehen hat. Scheitern die Wolfsburger mit ihren ambitionierten Wachstumsplänen in den USA, hat sich Winterkorns „Strategie 2018“ erledigt.

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