Insolvente Warenhauskette: Warum der Karstadt-Verkauf an Triton zu scheitern droht

Insolvente Warenhauskette: Warum der Karstadt-Verkauf an Triton zu scheitern droht

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Karstadt-Mitarbeiter protestieren in Duisburg

von Henryk Hielscher und Cornelius Welp

Kurz vor Ablauf der Angebotsfrist bringt sich ein weiterer Karstadt-Interessent in Stellung. Der Verkauf an den aussichtsreichsten Bieter, den Finanzinvestor Triton, droht aber an renitenten Stadträten, knappen Fristen und einer Gewerkschaft auf Konfrontationskurs zu scheitern.

Für einen kurzen Moment sollte die deutsche Warenhauswelt noch einmal in Ordnung sein. Zur Eröffnung des umgebauten Karstadt-Sporthauses in der Stuttgarter Königstraße am Donnerstag sollte das Publikum Golfschläger schwingen und Wanderschuhe erproben, sich an der Burger-Bar laben oder einfach am Glücksrad drehen, um einen Musikspieler zu gewinnen.

„Kranke Flächen“

Allein, die triste Realität lässt sich auch in dem frisch renovierten Haus nicht lange ausblenden. Die Stuttgarter Eröffnung könnte der letzte Festakt in der 129-jährigen Geschichte von Karstadt sein. Denn in der kommenden Woche entscheidet sich das Schicksal des insolventen Traditionsunternehmens.

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Bis zum 28. Mai muss dem Insolvenzverwalter ein unterschriebener Kaufvertrag für Karstadt vorliegen. Doch just vor dem großen Warenhaus-Finale türmen sich neue Hindernisse auf. Einige Städte mit Karstadt-Filialen wie Dresden und Duisburg hatten den Verzicht der Karstadt-Gläubiger auf einen Großteil ihrer Forderungen im Rahmen des Insolvenzplans als „Sanierungsgewinn“ interpretiert, auf den Gewerbesteuer zu zahlen sei. Auf diese Phantomsteuer wollen einige Stadträte nicht verzichten. Zudem droht der zurzeit einzige Investor mit dem Abbruch der Verhandlungen, und die Gewerkschaft Verdi geht auf Konfrontationskurs. Einige hätten schlicht „den Knall überhört“, klagt ein Karstadt-Manager aus der Essener Zentrale.

Dabei schien endlich alles in geordneten Bahnen zu verlaufen, als die Insolvenzverwaltung vor rund einem Monat die Beteiligungsgesellschaft Triton als Investor präsentierte. Dass sich überhaupt ein Kaufkandidat gefunden hatte, galt in der Branche als kleine Sensation. Sechs Interessenten, darunter die US-Finanzinvestoren Blackstone und Apollo, hatten die Karstadt-Bücher durchleuchtet – bis auf Triton aber alle abgewinkt.

Die deutsch-schwedische Private-Equity-Gesellschaft hatte bei Investoren gerade 2,5 Milliarden Euro eingesammelt. Auch Karstadt würde ins Portfolio passen, befand das Investment-Komitee von Triton. Karstadt soll saniert und nach einigen Jahren weiterverkauft werden.

Am 24. April skizzierte Triton-Manager Johannes Maret dem Karstadt-Gläubigerausschuss, wie das gelingen soll. Das Fazit des knapp zweistündigen Vortrags: Die bisherigen Zugeständnisse der Karstadt-Mitarbeiter und Vermieter reichten bei Weitem nicht aus. Spätestens in drei Jahren, wenn ein vereinbarter Lohnverzicht der Mitarbeiter ausläuft, werde die Sanierung verpuffen. Karstadt würde laut Triton-Prognosen dann wieder Millionenverluste schreiben (siehe Grafik auf der nächsten Seite). Ohne weitere Einschnitte führe der Weg daher „erneut in die Krise“, heißt es in den vertraulichen Präsentationsunterlagen, die der WirtschaftsWoche vorliegen.

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