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Insolventer Versandriese: Die große Quelle-Rettungsshow

von Henryk Hielscher

Proteste der Belegschaft, stundenlange Sitzungen, dann ein Millionen-Kredit in letzter Minute - am Überlebenskampf des taumelnden Versandriesen Quelle lassen sich die Auswirkungen des Wahlkampfs auf die Wirtschaft besichtigen. Unternehmerische Belange rücken in den Hintergrund.

Fahnen des Versandunternehmens Quelle: AP
Fahnen des Versandunternehmens Quelle: Das Gezerre um die Rettung des Versandriesen entwickelt sich zum Schlagabtausch zwischen Bayerns Ministerpräsident Seehofer und Bundeswirtschaftsminister Guttenberg Quelle: AP
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Die Rollen sind klar verteilt: Der eine gibt den ordnungspolitischen Gralshüter, der jeden Cent der Steuerzahler mit Verve verteidigt. Der andere spielt den Retter von Nürnberg und Fürth, der unermüdlich um den Erhalt Tausender Arbeitsplätze im Freistaat Bayern kämpft. Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg und sein Parteifreund, Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer, lieferten sich in den vergangenen Tagen einen nahezu bühnenreifen Kampf um die Rettung des Versandriesen Quelle.

Auch nach der Entscheidung der Bundesregierung und der Länder Sachsen und Bayern, Quelle einen Kredit über 50 Millionen Euro zu gewähren, der vorerst das Überleben des Versandhauses sichert, fetzen sich die beiden CSU-Granden weiter.

Hin und Her zwischen Seehofer und zu Guttenberg

Jüngster Höhepunkt: Der Ablauf der Kreditentscheidung sei ein "Trauerspiel", frotzelte Seehofer heute in Richtung Berlin. Alle Fakten hätten seit Tagen auf dem Tisch gelegen. Zuvor hatte zu Guttenberg mit einem Seitenhieb auf Seehofer einen "sorgsamen Umgang mit Steuermitteln" angemahnt.

So geht es seit Wochen. Schon Mitte Juni hatte Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer den Retter gemimt. Der Freistaat werde sich an einer Bund-Länder-Bürgschaft über 50 Millionen Euro mit 21 Millionen beteiligen, versprach Seehofer. Mit dem Bundeswirtschaftsministerium, in dem sein Parteifreund Karl-Theodor zu Guttenberg waltet, habe er schon gesprochen.

Das Gespräch muss recht einseitig verlaufen sein. Ein paar Tage später lehnte jedenfalls der gemeinsame Bürgschaftsausschuss von Bund und Ländern eine Bürgschaft für Quelle ab. Damit blieb nur noch die Chance auf einen so genannten Massekredit, bei dem der Geldgeber ganz oben auf der Gläubigerliste steht. Doch jetzt schaltete zu Guttenberg auf stur und forderte weitere Sicherheiten für den Kredit.

Neue Querelen-Runde im Winter?

Dabei sind Massekredite eigentlich ein verbreitetes Instrument, um den Geschäftsbetrieb einer insolventen Firma sicherzustellen. Durch die privilegierte Stellung des Gläubigers sind die finanziellen Risiken recht überschaubar, weshalb sich der Eindruck kaum vermeiden lässt, der Bundeswirtschaftsminister wollte vor allem sein Hardliner-Profil in Sachen Staatshilfen schärfen. Auch Bundesfinanzminister Peer Steinbrück nutzte die Chance, sich in der Rolle des gestrengen Bewahrers von Staatsvermögen zu üben.

Zwar lenkten die Bundesminister letztlich ein, doch spätestens im Winter könnte das Gezerre erneut beginnen. Denn die operativen Probleme der Versandsparte Primondo sind mit Liquiditätsspritzen allein nicht zu lösen.

Die Kernmarke Quelle kommt zu muffig und altbacken daher und die Zuwächse im Internet reichen nicht aus, um die Einbrüche im Kataloggeschäft abzufangen. Auch wenn sich der Konzern noch dagegen sträubt, scheint absehbar, dass Primondo aufgespalten wird. Der Hamburger Otto-Konzern hat bereits Interesse an einzelnen Spezialversendern angemeldet. Und auch für die Online- und Auslandsaktivitäten von Quelle könnten sich Investoren finden. Dass allerdings der gedruckte Katalog in seiner heutigen Form überlebt, wird immer unwahrscheinlicher.

7 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 01.07.2009, 20:21 UhrAnonymer Benutzer: Argus

    Nur Theater - keine Rettung
    Wenn eine Firma noch nicht einmal den Druck eines simplen Katalogs bezahlen kann, womit will sie dann bei den Produzenten und Lieferanten die darin angepriesenen Waren bezahlen ?
    Muss der Staat dann auch das (vor)finanzieren ? Es bleibt zu hoffen, dass Seehofer nach der Münchener Landesbankpleite noch genügend Geld dafür übrig hat. Und ist etwa OPEL schon "gerettet" ?
    Was uns die ach so honorigen Herren mit Dame da in berlin vorgegaukelt haben, ist keinen Pfifferling wert und dient nur zur imagepolitur vor der bT-Wahl. Nichts von all dem, was die Politik - nicht nur in berlin -absondert, ist wahr und schon überhaupt nicht wahrhaftig.

  • 01.07.2009, 12:05 UhrAnonymer Benutzer: Frau F.

    Die wunderbare Headline "Die große Quelle-Rettungsshow" trifft den Nagel auf den Kopf. Die Finanzspritze ist kaum mehr als eine vom Steuerzahler getragene Sterbehilfe. Als enttäuschte und genervte Quelle-Kundin kann ich das bestätigen, was viele Experten sagen. Quelle ist kein sanierungsfähiges Unternehmen. Schlechte Ware, noch schlechterer Service und total lustloses Personal. Niemand braucht ein solches Unternehmen!

  • 01.07.2009, 10:09 UhrAnonymer Benutzer: Realist

    wielange wird die CSU noch mit dem Sozi Seehofer in den eigenen Reihen leben wollen? Der Steuerzahler will nicht marode Unternehmen (Opel, Karstadt, Quelle) über ein paar Monate helfen. Das müssen die Sozialromantiker endlich akzeptieren!!

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