Insolventer Verwalter : Wie ein Insolvenzverwalter selbst Pleite ging

Insolventer Verwalter : Wie ein Insolvenzverwalter selbst Pleite ging

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Reuss

Schlecht gewirtschaftet oder Geld veruntreut? Ein hessischer Verwalter schlitterte selbst in die Pleite.

An seinen ersten Fall 1981 kann sich Bernd Reuss genau erinnern. Kurz nachdem das Amtsgericht Alsfeld den Juristen zum Insolvenzverwalter über einen mittelständischen Betrieb bestellt hatte, meldete sich der zuständige Rechtspfleger bei ihm und fragte: „Hast du schon einmal Konkursordnung gemacht?“ Wenig später folgte eine Basiseinweisung: „Du fährst einfach hin und sagst, dass dich das Amtsgericht schickt“ und „dass du ein Zimmer, ein Telefon und einen Kaffee wünschst“, erinnerte sich Reuss vor einiger Zeit im Fachmagazin „InDat-Report“. Der Auftritt im Pleite-Betrieb gelang. „Die Leute“, so Reuss, „haben dort fast einen Bückling vor Ehrfurcht gemacht.“

Inzwischen hat Reuss selbst erfahren, wie es ist, wenn der Insolvenzverwalter im eigenen Unternehmen aufschlägt: Im Januar wurde bekannt, dass er Insolvenz anmelden musste. Der renommierte Frankfurter Jurist Ottmar Hermann darf sich nun um Reuss, dessen Kanzlei und um zahlreiche weitere Unternehmen kümmern, an denen der insolvente Verwalter beteiligt war.

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Der 58-jährige Reuss war in Hessen eine etablierte Größe. Seit jenem ersten Verfahren 1981 betreute er eine Vielzahl gestrauchelter Unternehmen, darunter 2001 den Telefonanbieter Teldafax. „Der Fall Reuss hat die Branche verblüfft“, sagt Ferdinand Kießner, Leiter des Geschäftsbereichs Insolvenzverwaltung der Kanzlei Schultze & Braun mit Sitz im badischen Achern. Reuss „galt lange Zeit als erfolgreicher Kollege“. Von einer Villa im hessischen Friedberg aus bearbeitete Reuss seine Verfahren. Aus den Lautsprechern im Wartezimmer säuselte leise Musik. Und für seine 50 Angestellten mietete Tischtennisfan Reuss gelegentlich gar eine Sporthalle zum gemeinsamen Spiel an.

Staatsanwalt ermittelt

Doch hinter der schmucken Fassade brodelte es offenbar schon länger. Wichtige Mitarbeiter verließen die Kanzlei. Die Auftragslage sei nicht allzu üppig gewesen, heißt es in der Branche. Zudem hatte sich Reuss ein wahres Unternehmensgeflecht zugelegt, das finanziert werden musste, was spätestens Weihnachten 2010 nicht mehr gelang. Reuss meldete als Privatperson sowie für sieben seiner Gesellschaften – darunter eine Factoring-Firma und eine Beteiligungsgesellschaft – Insolvenz an.

Die Vielzahl an Beteiligungen verwundert – nicht nur im Fall Reuss. Immer wieder geraten Verwalter in den Verdacht, eigene Gesellschaften gezielt mit Aufträgen zu versorgen. „Unser Ehrenkodex besteht darin, dass wir keine Interessenkollision zulassen“, betonte Reuss dagegen im „InDat-Report“. Inzwischen ermittelt die Staatsanwaltschaft Gießen nach einer Selbstanzeige wegen des Verdachts der Untreue gegen Reuss. Die von Reuss betreuten Verfahren wurden mittlerweile an andere Insolvenzverwalter übertragen, die ebenfalls prüfen, ob es Unregelmäßigkeiten gab, Reuss also Gesellschaftsvermögen zweckentfremdet hat. Reuss selbst will sich zu dem laufenden Verfahren nicht äußern.

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