_

Insolvenz: Arcandor droht der Ausverkauf

von jk/los/dpa/rtr

Ende eines langen Kampfes: Mit dem Insolvenzantrag der Karstadt-Mutter Arcandor droht dem traditionsreichen Handelsunternehmen die Zerschlagung.

Horst Piepenburg (M.) und sein Team Quelle: Michael Dannenmann für WirtschaftsWoche
Horst Piepenburg (M.) und sein Team Quelle: Michael Dannenmann für WirtschaftsWoche

Erst in der Nacht war ein letzter verzweifelter Rettungsversuch für das ums Überleben kämpfende Unternehmen gescheitert. Die dringend benötigten Staatshilfen blieben dem Krisenkonzern schließlich endgültig versagt. Weder gab es grünes Licht für eine Staatsbürgschaft, noch den beantragten Notkredit über 437 Millionen Euro. Auslaufende Kredite in Höhe von insgesamt 710 Millionen Euro zwangen Arcandor-Chef Karl-Gerhard Eick schließlich, den Gang zum Insolvenzrichter für Arcandor sowie die Handelstöchter Karstadt, Quelle und Primondo anzutreten. Betroffen sind rund 43.000 Beschäftigte.

Anzeige

Eick hatte versucht, die Banken, Vermieter und Großaktionäre - die Privatbank Sal. Oppenheim und die Quelle-Erbin Madeleine Schickedanz - zu weiteren Zugeständnissen zu bewegen. Doch letztlich reichte der Bundesregierung das Engagement nicht aus.

Die im MDax notierten Arcandor-Aktien, die vorübergehend vom Handel ausgesetzt waren, befanden sich nach Bekanntgabe der Pleite im freien Fall und verloren am Nachmittag mehr als 33 Prozent auf 71 Cent. Der Konzern könnte noch in diesem Monat aus dem Nebenwerteindex fliegen.

Piepenburg übernimmt das Ruder

In der Essener Zentrale ist jetzt Horst Piepenburg der starke Mann - und weckt große Hoffnungen. Arcandor hat ihn zur Durchführung des Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung zum Generalbevollmächtigten bestellt. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter hat das Amtsgericht Klaus Hubert Görg ernannt. Der Kölner Anwalt spielte eine Schlüsselrolle bei der Insolvenz des Medienunternehmens Kirch und des Bauriesen Philipp Holzmann.

Piepenburg - der kleine, gemütlich wirkende Mann mit dem gewinnenden Lächeln - gilt als einer der ganz Großen in seinem Metier. Seit mehr als 25 arbeitet Piepenburg als Insolvenzverwalter. Seine Kanzlei Piepenburg & Gerling mit Hauptsitz in Düsseldorf hat inzwischen über 1500 Insolvenzen betreut, darunter Großmandate wie Küppersbusch, Babcock Borsig oder MG Rover Deutschland.

In den vergangenen Monaten machte sich Piepenburg einen Namen als Retter von Einzelhandelsunternehmen wie SinnLeffers (3600 Mitarbeiter) und Ihr Platz (8800 Mitarbeiter). Bei der Handelstocher Spar begleitete er den Transfer aus dem interfranzösischen Intermarché-Konzerns in die Edekagruppe.

„Handel liegt ihm“, behauptet ein langjähriger Weggefährte. Piepenburg ist alles andere als ein Totengräber oder Ausbeiner. „Maschinen- und Gründstücke veräußern kann jeder“, behauptet Piepenburg, „Sanieren nicht.“ Piepenburg ist in den vergangenen Jahren immer wieder gegen das Totengräberimage seiner Branche angegangen – vor allem durch seine Rettungsaktionen. Bei Babcock stieg er gleich als Unternehmenschef ein, ebenso bei Ihr Platz.

Rettung durch Insolvenzplan oder Eigenverwaltung gelten daher als sein ureigenstens Metier. Bei langen Verhandlungen mit Banken und Investoren, aber auch der Auftritt auf einer Betriebsversammlungen liegen ihm. „Er ist ehr ein Sanierer als ein Jurist“, sagt ein Manager eines einstigen Pleiteunternehmens über ihn.

18 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 10.06.2009, 18:40 UhrAnonymer Benutzer: Linde

    Es geht doch alles erst mal weiter. Kein Kunde wird allein gelassen - egal, worum es geht.

    Dass die Regierung allerdings Kurzarbeiter-Gelder in immenser Höhe zahlt (und von den Firmen damit ausgenommen wird wie eine Weihnachtsgans) und Arcandor mit "nur" einer bürgschaft im Regen stehen lässt, ist nicht nachvollziehbar; der Handel hat in Deutschland eben keine Lobby. Unsere Politiker sitzen viel lieber in den Aufsichtsräten der Autobauer etc.

    Aber was soll's: Eine insolvenz kann auch Gutes bedeuten - wenn der insolvenzverwalter sein Handwerk versteht ...

  • 10.06.2009, 13:35 UhrAnonymer Benutzer: Anton

    Arcandor / Karstadt : insolvenz ! HRE und andere banken retten! Opel?

    Also lieber die Scheinwelt banken retten, als ein reeles Unternehmer. Unsere Regierung macht sich mit diesem HiN und HER lächerlich!

    Lieber kleine und viele Unternehmen, Freiberufler etc fördern, damit wieder eine Vielfalt in unser Städte kommt, als immer nur die gleichen großen Unternehmen.

  • 10.06.2009, 12:44 UhrAnonymer Benutzer: Kurt

    @razor - Auch komplett ahnungslose Menschen können Firmen und viel Geld erben. ich an Stelle der Eigentümerin würde, wenn ich selbst anscheinend keinen Plan und/oder kein interesse am operativen Geschäft hätte, nicht nochmal ein paar Milliarden damit versenken nochmal auf einen falschen Manager zu setzen. Sie sicher auch nicht. Wenn doch können Sie ja schon mal spenden. Es trifft zwar keine Armen, aber wenn ich bereits so viel Geld verloren hätte wie die Eigentümer wäre ich jetzt auch kuriert.

Alle Kommentare lesen
weitere Fotostrecken

Blogs

Wie HP-Chefin Whitman ihren Mitarbeiter die anstehenden Massenentlassungen erläutert
Wie HP-Chefin Whitman ihren Mitarbeiter die anstehenden Massenentlassungen erläutert

In einer internen Videobotschaft an die HP-Beschäftigten gibt Meg Whitman mehr Details zu dem geplanten Abbau von 27.000...

Das Aktuelle Heft

Wirtschaftswoche

WirtschaftsWoche 21 vom 21.05.2012

iTunes Vorschau - WirtschaftsWoche
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.