
Erst in der Nacht war ein letzter verzweifelter Rettungsversuch für das ums Überleben kämpfende Unternehmen gescheitert. Die dringend benötigten Staatshilfen blieben dem Krisenkonzern schließlich endgültig versagt. Weder gab es grünes Licht für eine Staatsbürgschaft, noch den beantragten Notkredit über 437 Millionen Euro. Auslaufende Kredite in Höhe von insgesamt 710 Millionen Euro zwangen Arcandor-Chef Karl-Gerhard Eick schließlich, den Gang zum Insolvenzrichter für Arcandor sowie die Handelstöchter Karstadt, Quelle und Primondo anzutreten. Betroffen sind rund 43.000 Beschäftigte.
Eick hatte versucht, die Banken, Vermieter und Großaktionäre - die Privatbank Sal. Oppenheim und die Quelle-Erbin Madeleine Schickedanz - zu weiteren Zugeständnissen zu bewegen. Doch letztlich reichte der Bundesregierung das Engagement nicht aus.
Die im MDax notierten Arcandor-Aktien, die vorübergehend vom Handel ausgesetzt waren, befanden sich nach Bekanntgabe der Pleite im freien Fall und verloren am Nachmittag mehr als 33 Prozent auf 71 Cent. Der Konzern könnte noch in diesem Monat aus dem Nebenwerteindex fliegen.
Piepenburg übernimmt das Ruder
In der Essener Zentrale ist jetzt Horst Piepenburg der starke Mann - und weckt große Hoffnungen. Arcandor hat ihn zur Durchführung des Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung zum Generalbevollmächtigten bestellt. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter hat das Amtsgericht Klaus Hubert Görg ernannt. Der Kölner Anwalt spielte eine Schlüsselrolle bei der Insolvenz des Medienunternehmens Kirch und des Bauriesen Philipp Holzmann.
Piepenburg - der kleine, gemütlich wirkende Mann mit dem gewinnenden Lächeln - gilt als einer der ganz Großen in seinem Metier. Seit mehr als 25 arbeitet Piepenburg als Insolvenzverwalter. Seine Kanzlei Piepenburg & Gerling mit Hauptsitz in Düsseldorf hat inzwischen über 1500 Insolvenzen betreut, darunter Großmandate wie Küppersbusch, Babcock Borsig oder MG Rover Deutschland.
In den vergangenen Monaten machte sich Piepenburg einen Namen als Retter von Einzelhandelsunternehmen wie SinnLeffers (3600 Mitarbeiter) und Ihr Platz (8800 Mitarbeiter). Bei der Handelstocher Spar begleitete er den Transfer aus dem interfranzösischen Intermarché-Konzerns in die Edekagruppe.
„Handel liegt ihm“, behauptet ein langjähriger Weggefährte. Piepenburg ist alles andere als ein Totengräber oder Ausbeiner. „Maschinen- und Gründstücke veräußern kann jeder“, behauptet Piepenburg, „Sanieren nicht.“ Piepenburg ist in den vergangenen Jahren immer wieder gegen das Totengräberimage seiner Branche angegangen – vor allem durch seine Rettungsaktionen. Bei Babcock stieg er gleich als Unternehmenschef ein, ebenso bei Ihr Platz.
Rettung durch Insolvenzplan oder Eigenverwaltung gelten daher als sein ureigenstens Metier. Bei langen Verhandlungen mit Banken und Investoren, aber auch der Auftritt auf einer Betriebsversammlungen liegen ihm. „Er ist ehr ein Sanierer als ein Jurist“, sagt ein Manager eines einstigen Pleiteunternehmens über ihn.













