Insolvenz: Arcandors letztes Gefecht

Insolvenz: Arcandors letztes Gefecht

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Arcandor: Insolvenzverwalter Görg greift durch

Arcandor-Chef Karl-Gerhard Eick will den insolventen Handelsriesen zusammenhalten – und stößt auf Widerstand. Die Zerlegung ist kaum zu stoppen.

Um das segensreiche Wirken der Unternehmensberatung Roland Berger zu studieren, lohnt derzeit ein Blick nach Essen. Dort residiert der insolvente Handelskonzern Arcandor, vormals KarstadtQuelle. „Karstadt saniert Roland Berger“, spottete die Beraterzunft schon vor fünf Jahren, als die Berger-Truppe während der ersten großen KarstadtQuelle-Krise ein Gutachten über das damalige Rettungskonzept präsentierte. Das Papier fiel so erfreulich aus, dass die Banken weiter Kredit gaben und Roland Berger dem Unternehmen fortan zur Seite stehen durfte – ein gut bezahlter, obschon unbefriedigender Job. Denn all die mühsam ausgetüftelten Visionen landeten spätestens mit dem Insolvenzantrag des Handels- und Touristikkonzerns im Papierkorb.

Ein ähnliches Schicksal prophezeien Insider auch der jüngsten Rettungsidee der Berater. Gemeinsam mit Konzernchef Karl-Gerhard Eick haben sie das Konzept für eine „integrierte Multichannel-Handelsorganisation“ erdacht. Auf Deutsch: Die Warenhaustochter Karstadt und der Versandableger Primondo mit dem Flaggschiff Quelle sollen verschmolzen werden, um die Kosten zu senken. Einkauf und IT, die bisher weitgehend unabhängig operieren, würden dann zentral gesteuert. Die Idee klingt vernünftig. Sie kommt nur zehn Jahre zu spät.

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Karstadt und Quelle sind nie richtig zusammengewachsen

Schon 1999 fusionierten Karstadt und Quelle, seither sind die Konzernteile nie zusammengewachsen. Die Idee, dies nun im Rahmen eines Insolvenzplanverfahrens zu stemmen, wird in der Branche als „Hirngespinst“ abgetan – und löst auch im Konzern heftige Abstoßungsreaktionen aus. Die Chefs der Konzerntöchter Karstadt und Primondo würden sich vehement gegen Eicks Pläne sträuben, heißt es intern. Kein Wunder: Das Warenhausgeschäft und der Versandhandel werden in Eicks Modell zu reinen Vertriebskanälen degradiert – ohne Einkaufs- und Sortimentshoheit. Zudem dürfte der Umbau Unsummen verschlingen: Auf mindestens 200 Millionen Euro frisches Kapital taxieren Arcandor-Leute den Finanzbedarf.

Doch woher soll das Geld kommen? Eick hofft auf Großaktionärin Madeleine Schickedanz. Doch die Milliardärin a. D. tat jüngst per Interview kund, sich allenfalls noch eine Pizza beim Italiener um die Ecke zu leisten und sich mit „500 bis 600 Euro im Monat“ zu bescheiden. Bei den Gesellschaftern der Privatbank Sal. Oppenheim sind die Verhältnisse nicht gar so prekär, doch auch Oppenheim muss sparen (siehe WirtschaftsWoche 29/2009).

Die Kölner Bankiers hatten zwar vor der Arcandor-Insolvenz versprochen, sich im Rahmen einer Kapitalerhöhung mit 25 Millionen Euro an der Sanierung zu beteiligen und für weitere 75 Millionen Euro externe Investoren aufzutreiben. Als Eicks Generalbevollmächtigter, der Düsseldorfer Insolvenzexperte Horst Piepenburg, vor wenigen Tagen von der Bank allerdings eine verbindliche Zusage für die insgesamt 100 Millionen Euro einforderte, kam es zum Eklat. Sal. Oppenheim weigerte sich, die Erklärung abzugeben, Piepenburg legte sein Amt nieder. Dass nun doch noch Geld fließt, ist unwahrscheinlich.

„Der Abgang Piepenburgs ist kein gutes Zeichen für die Sanierungsfähigkeit des Konzerns“, sagt Insolvenzexperte Reinhard Willemsen von der Luther Rechtsanwaltsgesellschaft in München. „Ich fürchte, dass es letztlich auf eine Zerschlagung von Arcandor hinausläuft.“ Denn Piepenburgs Rückzug erschüttert auch Eicks Position. Bisher bildete das Duo Eick/Piepenburg ein markantes Gegengewicht zur eigentlichen Schlüsselfigur, dem vorläufigen Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg. Nun wird Görg, der sich eher im Hintergrund hielt, „stärker durchgreifen“, heißt es im Arcandor-Umfeld. Denn dem Pleiteprofi graue es vor „unternehmerischen Abenteuern“, er werde sich nicht von Eick die Insolvenzstrategie diktieren lassen.

Als Alternative zu Eicks Plan diskutiert der Vorstand offenbar die Aufspaltung des Konzerns in zwei separate Blöcke – Karstadt und Primondo. Getrennt hätten die Sparten bessere Verwertungschancen. Eine Managementholding namens Arcandor wäre dann jedoch schlicht überflüssig – ebenso wie ein Teil der Vorstands. Als ungewiss gilt insbesondere der Verbleib von Arnold Mattschull, der den gemeinsamen Einkauf von Karstadt und Quelle aufbauen sollte, und von Zvezdana Seeger. Eick hatte sie ins Unternehmen geholt, um eine Verwertungsgesellschaft für Arcandor-Randgeschäfte zu steuern. Nun steht der komplette Laden zur Disposition.

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