Insolvenz: Karstadt-Mitarbeiter geben sich kämpferisch

Insolvenz: Karstadt-Mitarbeiter geben sich kämpferisch

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Mitarbeiter bilden heute in der Münchner Innenstadt symbolisch eine Menschenkette zwischen einer Karstadt- und einer Kaufhof-Filiale

Der Schock nach dem Insolvenzantrag der Konzernmutter Arcandor sitzt auch heute bei den Karstadt- Mitarbeitern noch tief. In Betriebsversammlungen werden sie am Morgen über die Folgen informiert. In einigen Städten demonstrieren die Beschäftigten aber schon bald wieder für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze.

„Das war ein Nackenschlag. Wir sind zu Tode betrübt“, sagt der Betriebsratschef der Essener Filiale, Detlef Wind, bei einer Kundgebung. Nun gehe es darum, mit allen rechtlichen Optionen so viele Arbeitsplätze wie möglich zu erhalten. „Ich bin 50 Jahre alt, für mich gibt es keine andere Hoffnung mehr, wenn Karstadt schließt“, sagt eine Kollegin, die seit 32 Jahren für das Kaufhaus arbeitet. Mehrere hundert Karstädter bilden in München eine Menschenkette um die Filiale am Hauptbahnhof. Lautstark machen sie ihrem Ärger Luft.

Er richtet sich vor allem gegen das frühere Arcandor-Management um Thomas Middelhoff. So sieht das auch Wolf-Dietrich Weiland, seit 21 Jahren bei Karstadt. Der Verkauf der Immobilien sei der falsche Weg gewesen. Die Häuser hätten für zu viel Geld zurückgemietet werden müssen.

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"Wir sind weiterhin für Sie da"

Seine Kollegin Petra Semper fragt: „Wir haben jahrelang auf Teile des Urlaubsgeldes und auf Weihnachtsgeld verzichtet - für was eigentlich?“ Auf einer Demonstration des Einzelhandels entschuldigt der Betriebsratschef eines Hamburger Karstadt-Hauses, Jürgen Gehring, das Fehlen seiner Kollegen. „Eigentlich wären wir mit Euch auf der Straße gewesen“, sagt er. „Aber wir brauchten Zeit, um innezuhalten und uns neu aufzustellen.“ Dann bricht es aus ihm heraus: „Unternehmen wie Arcandor gehen nicht an maßlosen Lohnerhöhungen zugrunde, sondern an maßlosen Managern, die die Unternehmen in die Scheiße reiten.“

Doch die Mitarbeiter wollten sich nicht kleinkriegen lassen. „Mit uns ist weiter zu rechnen“, sagt Gehring. Das versichern auch die Karstadt-Geschäftsleitungen den Kunden. Während noch am Morgen Plakate in Hamburger Filialen um Verständnis für Betriebsversammlungen werben, heißt es am Mittag auf Info-Säulen: „Vielen Dank für Ihre Unterstützung. Wir sind weiterhin für Sie da. Das Geschäft geht weiter. Ihr Karstadt Team.“ An vielen Standorten wollen die Karstädter die Hoffnung nicht aufgeben.

"Ich kann mir ein Leben ohne Karstadt nicht vorstellen"

„Ich habe zwar Angst um meinen Job und bange, aber ich hoffe auch und bin optimistisch, dass Karstadt Gießen nicht schließt“, sagt eine Verkäuferin, während Tränen ihre Augen füllen. Seit 15 Jahren arbeitet die 39-Jährige in dem Warenhaus mit 420 Vollzeitbeschäftigten. „Ein Leben ohne Karstadt kann ich mir einfach nicht vorstellen.“ So sehen das auch einige Kunden. „Ohne Karstadt geht was vom Lebensgefühl verloren“, sagt ein älterer Herr.

Breites Sortiment

Der 70-Jährige aus Herborn kauft seit Jahrzehnten bei Karstadt ein und schätzt vor allem das breite Sortiment. Auch seine Frau mag sich Gießen ohne Karstadt gar nicht vorstellen: „Eine Stadt ohne Kaufhaus ist tot und verödet.“ Eine andere Kundin sagt: „Hier bekommt man wie nirgendwo anders fast alles in einem Haus.“ Ohne Karstadt würde sie wahrscheinlich mehr im Internet kaufen, sagt die 29-Jährige. Auch in Darmstadt zeigen sich viele Kunden vom Schicksal der Arbeitnehmer betroffen. „Ich finde das alles ganz schrecklich, die Leute tun mir so leid“, sagt Ilse Flath. „Aber man kann auch nicht alles auf den Steuerzahler abwälzen.“

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