Internet-Branche: Icahns eiskaltes Händchen greift nach Yahoo

Internet-Branche: Icahns eiskaltes Händchen greift nach Yahoo

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Nachdenkliche Miene zum Spiel um Yahoo: US-Milliardär Carl Icahn plant, die Unternehmensspitze des Internetriesen anzugreifen

Die Tage für Yahoo-Chef Jerry Yang könnten gezählt sein. Nach der gescheiterten Übernahme durch Microsoft plant nun US-Milliardär Carl Icahn eine Entmachtungskampagne gegen die Konzern-Spitze. Und der US-Investor ist nicht gerade für einen höflichen Umgangston bekannt.

Um die Konzernspitze des Internetriesen Yahoo tobt erneut ein Sturm. Schuld ist nach der gescheiterten Übernahme durch Microsoft laut US-Medienberichten der US-Milliardär Carl Celian Icahn. Der als streitbar verschrieene amerikanische Großinvestor genießt in der Finanzwelt einen zweifelhaften Ruf, nicht nur weil er leidenschaftlich gerne Poker spielt und drei Kasinos in Las Vegas unterhält.  Icahn gibt gern den "Aktionärsaktivisten", vermehrt mit seinen Vorstößen jedoch vor allem das eigene Vermögen. Gewinnen ohne Rücksicht auf Verluste scheint das - sehr erfolgreiche- Lebensmotto des Zockerkönigs zu sein.

Nun hat Icahn sein eiskaltes Händchen nach Yahoo ausgestreckt. Für einen Milliardenbetrag soll er sich mit mehreren Prozent bei Yahoo eingekauft haben, um die Übernahme über den Verwaltungsrat doch noch zu erzwingen. Microsoft hatte vor eineinhalb Wochen ein zuletzt auf 47,5 Milliarden Dollar erhöhtes Kaufangebot für Yahoo zurückgezogen, da sich die Parteien nicht auf einen Preis einigen konnten. Mit seiner Weigerung hatte die Yahoo-Führung eine ganze Reihe von Großaktionären stark verärgert, die deshalb den Magnaten Icahn mit offenen Armen in Empang genommen haben.

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Icahn besitzt  mittlerweile rund 50 Millionen Yahoo-Aktien, was einem Anteil von etwa 3,5 Prozent entspricht. Der Milliardär soll aber bisher von Microsoft noch keine Signale für eine Wiederauflage der Offerte bekommen haben. Die Unternehmen selbst nahmen keine Stellung zu den Berichten. Nicht nur die mißgestimmten Großaktionäre, auch die Börse traut Icahn einiges zu: Die Yahoo-Aktie schoss gestern nach ersten Gerüchten um über fünf Prozent auf mehr als 25,50 Dollar nach oben. Damit notiert sie inzwischen wieder weit über dem Kurs vor dem Microsoft-Angebot Anfang Februar von rund 19 Dollar.

Yahoo-Chef Jerry Yang Quelle: dpa

Yahoo-Chef Jerry Yang verärgert seine Großaktionäre

Bild: dpa

Nun wird spekuliert, ob Icahn es schaffen wird, über den Yahoo-Verwaltungsrat Konzernchef Jerry Yang zu drängen, das Microsoft-Angebot doch noch anzunehmen. Alternativ könnte er eine Mehrheit für Yangs Ablösung suchen. Als unwahrscheinlich gilt, dass Icahn plant, sich mit Hedgefonds zu verbünden. In jedem Fall müsste der unbequeme Investor auf der Hauptversammlung von Yahoo am 3. Juli eigene Vertreter in den Verwaltungsrat wählen lassen - für Icahn ein alter Hut. Bereits im vergangenen Jahr gelang es ihm, den Softwarekonzern Oracle zurück an den Verhandlungstisch zu zwingen, um mit BEA Systems die zuvor abgebrochenen Übernahmegespräche wieder aufzunehmen.

Unterstützung könnte der Investorenrebell auch von anderen Aktionärsaktivisten wie Scott Galloway und seiner Investmentfirma Firebrand Partners erhalten. Galloway zog im April mit Unterstützung des Hedgefonds Harbinger Capital Partners in den Aufsichtsrat der New York Times ein, der dafür eine halbe Milliarde Dollar ausgab, um Einfluss auf das Verlagshaus zu gewinnen. Galloway wollte sich zu dem Bericht nicht äußern. Yahoo lehnte eine Stellungnahme zu Icahns Überlegungen ab. Ein Anwalt, der in früheren Kampagnen mit Icahn zusammengearbeitet hat, räumt dem möglichen Vorstoß des Milliardärs gute Chancen ein, falls Microsoft zu neuen Verhandlungen bereit sei. „Die Erfolgsperspektiven sind ganz ordentlich“, sagte Marc Weingarten, Jurist bei der Kanzlei Schulte, Roth und Zabel. „Yahoo hat eine Menge unzufriedener Aktionäre. Und wenn jemand es schaffen könnte, das Unternehmen zu bewegen, würde ich die Chancen für eine Transaktion recht gut einschätzen.“

Weiteren Support bekommen die aufmüpfigen Anleger von Yahoo-Aktionär Eric Jackson, der sich entgegen früherer Aussagen nun doch gegen eine Entlastung des Direktoriums einsetzen will. Er werde dafür werben, dass die Manager des Internetkonzerns nicht die Rückendeckung der Hauptversammlung bekämen, erklärte Jackson, Chef des Investmentfonds Ironfire Capital, gestern in einer Email an die Nachrichtenagentur Reuters. Jackson lastet der Yahoo-Spitze das Scheitern der Übernahmeverhandlungen mit Microsoft an. Er hatte erklärt, gemeinsam mit einer Gruppe von anderen Anteilsinhabern eine Ablösung des Yahoo-Direktoriums zu prüfen. Im vergangenen Jahr war Jackson maßgeblich am Hinausdrängen des ehemaligen Yahoo-Chefs Terry Semel beteiligt.

Zu Mitarbeitern einer von ihm übernommenen Fluggesellschaft soll der auf Krawall gebürstete Carl Icahn einmal gesagt haben, sie sollten sich, bräuchten sie einen Freund, besser einen Hund anschaffen. Milde von seinem Gegenspieler kann  Yahoo-Chef Jerry Yang also gewiss nicht erwarten.

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