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Internet: Googles Erfolg wird zum Bumerang

von Matthias Hohensee

In den ersten 100 Tagen als Google-Chef hat Konzerngründer Larry Page den Web-Giganten wachgerüttelt. Doch die eigentlichen Probleme kommen erst noch. Ausgerechnet der Erfolg von Google Plus könnte zum Bumerang werden.

Google-Zentrale in Mountain View Quelle: LAIF/Redux/Eros Hoagland
Google-Zentrale in Mountain View Quelle: LAIF/Redux/Eros Hoagland

Mark Zuckerberg mag elf Jahre jünger sein als Google-Chef Larry Page. Trotzdem ist er bereits mit allen Wassern gewaschen. Den Start von Google Plus, dem neuen sozialen Netzwerk seines Wettbewerbers, konterte der Facebook-Gründer mit einem geschickten Ablenkungsmanöver. „Wir haben bereits 750 Millionen Nutzer“, sagt Zuckerberg. „Wir sind jetzt bei sozialen Netzwerken in der Phase, wo die Mitglieder stärker engagiert werden müssen.“

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Zuckerbergs Botschaft war klar. Facebook sollte als Unternehmen dastehen, das deutlich weiter sei als Google. Zur Untermalung ersetzte der 27-Jährige sein skeptisch-verschrecktes Konterfei, das er anfangs in Google Plus gestellt hatte, durch ein Foto, auf dem er souverän grinst.

Google wird 2011 beim Umsatz 30 Milliarden Dollar überspringen
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Doch Zuckerberg kann nicht verdecken, dass Google ihn an einer empfindlichen Stelle trifft. Denn die Szene beeindruckt, dass Google Plus die Nutzer leichter vor der Außenwelt abschirmt, wenn sie das möchten. Der US-Zukunftsforscher Paul Saffo ist zudem von der Bedienerfreundlichkeit und der Optik von Google Plus begeistert. „Facebook ist im Vergleich dazu wie Microsoft“, sagt die Silicon-Valley-Größe und meint damit die immer etwas umständliche Benutzerführung der Programme des Softwaregiganten.

Saffos Fazit: „Google hat unerwartet wieder frischen Wind in das von Facebook dominierte Geschäft mit sozialen Netzwerken gebracht.“

Google Plus ist nicht die einzige Attacke, mit der Konzernchef und Firmengründer Page kürzlich für Aufsehen sorgte. Anfang vergangener Woche kündigte Google gemeinsam mit dem südkoreanischen Hersteller Iriver den ersten E-Reader an, der direkt mit Googles eigenem Buchladen verknüpft ist. Das Lesegerät Story HD ist seit Sonntag, dem 17. Juli, in den USA für 139 Dollar erhältlich und kostet damit genauso viel wie das Konkurrenzprodukt Kindle von Amazon. Wann das Gerät nach Deutschland kommt, steht noch nicht fest.

Seit 100 Tagen sitzt der Gründer der weltgrößten Internet-Suchmaschine nun wieder an der Spitze des Unternehmens – und hat in der kurzen Zeit etwas geschafft, was dem 38-jährigen introvertierten Informatiker nur wenige zutrauten. Page rüttelte in etwas mehr als drei Monaten den behäbig wirkenden Internet-Giganten kräftig auf. Er heuerte Tausende Mitarbeiter an, stockte das Entwicklungsbudget auf, kaufte Startups auf und verdoppelte den Wagniskapitalfonds.

Google hat über 36 Milliarden Dollar auf der hohen Kante
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Wo immer etwas passierte, reagierte Page. Nachdem der Schnäppchen-Vermarkter Groupon eine Übernahme von Google ausschlug, startete er mit Google Offers ein Konkurrenzangebot. Er stellte wenig genutzte Angebote wie die Informationsportale Google Health und Google Powermeter ein und organisierte das Management neu, um die Verantwortlichkeiten klarer zu verteilen. Und er richtete die geballte Programmierkraft des Web-Giganten neu aus, indem er die Prämien für die Mitarbeiter an die Erfolge im Geschäft rund um die sozialen Netzwerke koppelte.

„Google ist damit zweifellos flotter geworden“, sagt der Silicon-Valley-Investor Georges Harik, einer der ersten Google-Mitarbeiter. „Google wird mit Larry an der Spitze noch ambitioniertere Projekte in Angriff nehmen.“

Und auch Zukunftsforscher Saffo ist optimistisch: „Wie bei Apple und Facebook ist nun bei Google wieder ein Gründer am Ruder.“ Der könne in der Regel die Mitarbeiter „schneller begeistern als ein angestellter Manager“.

Aufsichtsbehörden gegen Google

Google erhöht die Zahl der Mitarbeiter stetig
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Die Bewährungsproben stehen Page aber noch ins Haus. Zwar läuft die Google-Maschinerie dank der Dominanz im Internet-Anzeigengeschäft wie geölt. Doch der Erfolg kostet immer mehr Geld. Analysten der US-Investmentbank Morgan Stanley kritisieren die hohen Investitionen, die auf die Gewinnmarge drücken könnten, und stuften die Google-Aktie unlängst herab.

Zum Problem könnte für Page ausgerechnet ein möglicher Erfolg von Google Plus werden. Denn mit einem eigenen sozialen Netzwerk würde auch Google bekommen, was Facebook dem sechs Jahre älteren Rivalen voraus hat: Informationen über Internet-Nutzer, über deren Freunde, Bekannte, Arbeitgeber und Kaufgewohnheiten. Ähnlich wie Facebook könnte Google dann noch gezielter Internet-Anzeigenkampagnen fahren und Nutzer direkt erreichen. Das würde die Dominanz bei der Stichwortsuche im Internet, wo Google im Mai in den USA laut dem Marktforschungsunternehmen Comscore auf einen Marktanteil von 65 Prozent (Deutschland: 94 Prozent), kommt, weiter erhöhen – mit gefährlichen Folgen.

Denn schon jetzt sind die Aufsichtsbehörden in den USA und Europa über die Dominanz von Google besorgt. Die Federal Trade Commission (FTC) hat bereits eine Untersuchung eingeleitet, die klären soll, ob der Internet-Gigant seine eigenen Produkte übermäßig herauskehrt und zu viel Wissen über seine Nutzer angehäuft hat. In Europa gehen Wettbewerbshüter der Frage nach, ob Google Konkurrenten im Suchgeschäft bewusst torpediert und deren Anzeigenkunden eingeschüchtert hat.

Damit erinnert Google an Microsoft Ende der Neunzigerjahre, als der Softwaregigant seinen Internet-Browser direkt ins Betriebssystem Windows integrieren wollte, um sein Monopol als Einfallstor ins Internet zu etablieren. Um gut Wetter zu machen, gab Google kürzlich den Widerstand auf, vor dem US-Senat Rechenschaft über seine Geschäftspraktiken ablegen zu müssen. Die Aufgabe hat nun Pages langjähriger Vorgänger Eric Schmidt übernommen, der dem Verwaltungsrat vorsteht.

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Generell stehen die Praktiken von Internet-Unternehmen künftig stärker auf dem Prüfstand als bisher. Zu viel ließen die Behörden in jüngster Zeit durchgehen, um nicht in den Verdacht zu geraten, Innovation zu bremsen. Nun müssen Page, Zuckerberg & Co. mit Gegenwind rechnen. Die Bundesregierung in Berlin etwa sammelt derzeit Material über Facebook für eine eventuelle Klage wegen Missachtung des Verbraucherschutzes.

Google muss mit immer höheren Betriebsausgaben leben
Google muss mit immer höheren Betriebsausgaben leben

Was dabei inzwischen möglich ist, zeigt die Mobilfunkgesellschaft Orange. Die Tochtergesellschaft von France Télécom stellte ein Foto mit Besuchern des Musikfestivals im britischen Glastonbury 2010 plus Banner von Facebook auf ihre Web-Site. Dabei sind unzählige Männer und Frauen mit einem Button versehen, der mithilfe der Facebook-Gesichtserkennung den Namen der Person verrät – Rasterfahndung pur per Internet.

Selbst wenn es Page gelingen sollte, mit Google Plus Verbraucher- und Datenschützer zu besänftigen: Sein größtes Augenmerk muss nun dem Kampf um die generelle Vormacht im Internet gelten. Denn jetzt klären sich die Lager im Silicon Valley.

Bündnis gegen Google

Immer enger wird der Schulterschluss von Facebook mit Microsoft, dem Erzkonkurrenten von Google. Zwar ist der größte Softwarekonzern der Welt nur minimal an Facebook beteiligt. Dafür arbeitet Zuckerberg immer enger mit Microsoft zusammen, nutzt dessen Suchexpertise und Anzeigendistribution. Gerade hat Facebook die Möglichkeit zur Videokonferenz via Internet in Kooperation mit Skype freigeschaltet. Die Internet-Telefongesellschaft soll jedoch von Microsoft für 8,5 Milliarden Dollar übernommen werden. „Microsoft ist ein stabiler und verlässlicher Partner“, lobt Zuckerberg.

Der Coup ist nicht der einzige von Microsoft-Chef Steve Ballmer in jüngster Zeit. So hat Microsoft gerade zusammen mit Apple, dem Blackberry-Hersteller Research in Motion, Sony und Ericsson für 4,5 Milliarden Dollar die Patente des ehemaligen Internet-Pioniers Nortel Networks erworben – und Google sowie dem US-Chipriesen Intel weggeschnappt.

Mit den rund 6000 Nortel-Patenten hätte Google-Chef Page besser im Poker um erforderliche Patente für sein mobiles Betriebssystem Android dagestanden. Denn das derzeit am schnellsten wachsende Smartphone-Betriebssystem wird sowohl von Apple als auch von der US-Softwareschmiede Oracle sowie von Microsoft in die Mangel genommen. Page oder seine Partner werden nicht umhinkommen, für Android Lizenzgelder zahlen zu müssen.

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Paradox: Dass sich mit Microsoft, Apple und Research in Motion drei Smartphone-Giganten gegen das derzeit populärste Smartphone-Betriebssystem Android verbünden, bringt Page in eine ungewöhnliche Lage. Zum ersten Mal könnte er, der wegen seiner Marktmacht am Pranger steht, selber die Hilfe der Wettbewerbshüter dringend gebrauchen.

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1 KommentarAlle Kommentare lesen
  • 21.07.2011, 13:44 UhrDenk doch mal nach

    Wer glaubt denn wirklich die Zuckerberg Geschichte? Da kommt mal so einfach ein Student her und haut einen Milliardenkonzern raus. Einen Film gibt's auch schon wo uns genau gezeigt wird was "wirklich" geschah. Seid doch nicht so naiv. Zuckerberg ist nur ein weiteres Maskottchen, um von den Leuten im Hintergrund abzulenken.

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