Internet: Unister kämpft mit Neidern und Wettbewerbern

Internet: Unister kämpft mit Neidern und Wettbewerbern

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Unister-Chef Wagner. In acht Jahren schaffte er es vom Startup-Gründer zum Unternehmer mit 700 Mitarbeitern.

von Christian Schlesiger

Thomas Wagner, Chef des Leipziger Unternehmens Unister, ist ein Internet-Star. Nun klagen Wettbewerber gegen seine Geschäftsmethoden. Ihm ist das egal.

Die Schlacht entschied Thomas Wagner für sich. Die Stadt Leipzig verlangte, dass sich die neue Firmenzentrale von Unister in der Goethestraße in das Stadtbild „einfügen“ müsse. Deshalb wollte die Verwaltung nur zehn Etagen genehmigen, Wagner verlangte aber zwölf. Erst als der Unternehmenschef mit Fortzug aus der Sachsen-Metropole drohte, gaben die Stadtoberen klein bei. Die Baugenehmigung könnte nun „in wenigen Wochen vorliegen“, freut sich Wagner. Das Gebäude bekommt zwölf Stockwerke — die oberen zwei werden nach hinten versetzt.

Wagner, gerade erst 32 Jahre alt, ist mit seiner Firmengruppe Unister Holding wichtig für Leipzig, das wissen auch die Vertreter der Stadt. An diesem verregneten Vormittag im Mai trägt er lila Pulli, Jeans und weiße Turnschuhe — er könnte als Student der Leipziger Uni durchgehen. Doch Wagner ist Chef eines kleinen Firmen-Imperiums, das er sich in acht Jahren aufgebaut hat. Er setzt mehrere Hundert Millionen Euro um und beschäftigt 700 Mitarbeiter. Wagner ist Deutschlands derzeit erfolgreichster Internet-Unternehmer. Wie ein Krake im Netz geht er mit Online-Portalen auf Kundenfang. Er verkauft Reisen, vermittelt Versicherungen, ermöglicht Auktionen und betreibt Nachrichtenseiten. Wettbewerber sind aufgebracht: Die einen schäumen wegen seines Geschäftsmodells, andere beneiden ihn wegen seines Erfolgs.

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Ein Dorn im Auge ist den Konkurrenten vor -allem Wagners Reisegeschäft. Der Sachse verkauft über Web-Seiten wie ab-in-den-urlaub.de, reisen.de und -fluege.de Pauschalreisen, Last-Minute-Flüge, Hotelzimmer und schloss mit allen großen Reiseveranstaltern Provisionsverträge ab. Im Barfußgässchen 11 in Leipzig klebt das Konterfei von Fußballstar und Werbeträger Michael Ballack übermannshoch an den Schaufenstern des einzigen Unister-Reisebüros. Im Hinterzimmer nehmen Reisekaufleute die Buchungen an — und es läuft gigantisch.

Gewinn bleibt geheim

Das Fachmagazin FVW schätzt den über die Unister-Portale vermittelten Reise-umsatz 2008 auf 330 Millionen Euro. Für 2009 gehen die Experten von 460 Millionen Euro aus, so eine bisher unveröffentlichte Prognose. Unister-Chef Wagner selbst schweigt sich über Umsatz und Gewinn aus. Doch jede Buchung einer TUI-, Alltours- oder FTI-Reise bringt ihm bis zu zwölf Prozent Provision. Für Thomas Cook gehört die Seite inzwischen zu den fünf wichtigsten Vertriebskanälen im Netz. Unister ist „hinter Expedia die klare Nummer zwei unter den deutschen Online-Reisebüros“, sagt FVW-Experte Dirk Rogl.

Den Erfolg verdankt Wagner einem respektlosen bis hinterhältigen Geschäftsmodell. Wagner entschied sich, Domains aufzubauen, die regelrechte Allerweltsnamen wie reisen.de, auto.de oder geld.de besitzen. Im Internet-Geschäft wirkt das wie ein Staubsauger. Viele Nutzer suchen Kredite, Gebrauchtwagen oder Elektronik, indem sie bei Google allgemein gehaltene Suchbegriffe eingeben. Dadurch stehen Wagners Domains oft an vorderster Stelle der Sucherergebnisse.

Verstärkt wird dieser Effekt dadurch, dass Unister auch spezielle Unterseiten anlegt, die in ihren Internet-Adressen (URL) etwa Begriffe von aktuellen Nachrichten enthalten. Wer im April zu Zeiten des Tarifstreits bei der Lufthansa nach „Streik Kabinenpersonal“ googelte oder während des Bürgerkriegs in Thailand im Mai „Bangkok Reisewarnung“ eingab, fand in den vorderen Trefferlisten auch Seiten wie ab-in-den-urlaub.de.

Tabus kennt Wagner offenbar nicht. Auch fremde Marken nutzt der Unister-Chef zum eigenen Vorteil. So generierte er URL-Seiten wie ab-in-den-urlaub.de/angebote/opodo und zog Urlaubssuchende auf seine Seite, die bei Google nach Reisen des Wettbewerbers suchten, also etwa „Opodo Angebote“ eingaben.

Suchmaschinenoptimierung heißen solche Tricks, und sie sind die Seele von Unister. Das Unternehmen ist „absolut Google-optimiert“, sagt FVW-Experte Rogl. „Niemand sonst in der Reiseindustrie arbeitet so eng und intim mit der Suchmaschine.“ Die Zugriffe auf die Unister-Domains bestätigen die erfolgreiche Strategie. Allein ab-in-den-urlaub.de kam im Monat April auf weit mehr als eine Million Besucher (siehe Grafik).

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