Internethandel: Ebay im Umbau

Internethandel: Ebay im Umbau

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Ein Mitarbeiter einer Umzugsfirma wartet am Samstag (01.10.2005) an einem provisorischen Lastenaufzug auf die nächste Ladung Umzugsgut für ein neues Gebäude der ebay-Deutschlandzentrale im Europaparc Dreilinden, Ortsteil von Kleinmanchnow. Am Dienstag (04.10.2005) weiht das Unternehmen, das bereits in Kleinmachnow ansässig ist, sein neues Gebäude ein. Hier finden die Mitarbeiter der Kundenbetreuung ihren Platz. ebay war 1995 in San Jose (USA) gegründet worden und ist in den vergangenen zehn Jahren zu einem Branchenriesen gewachsen. Foto: Jan Woitas dpa/lbn (c) dpa - Bildfunk

von Oliver Voß

Ebay streicht den Großteil seiner Stellen in Deutschland. Für die Mitarbeiter wurde nun ein Sozialplan vereinbart. Wie sich die Kürzungen auswirken, muss sich zeigen - zumal das Unternehmen wieder einmal mit seinen Regeln herumdoktert.

Lange war Ebay ein Liebling der Internetnutzer: Auf der Plattform finden sich Schnäppchen und ob Papstgolf oder schwarze Löcher, immer wieder werden kuriose Auktionen zum Gesprächsthema.

Auch in der deutschen Niederlassung des Auktionshauses am Rande Berlins herrschte ein besonderes Flair. Vor dem Hauptgebäude bekommen auf einem hollywoodesken Walk of Fame die erfolgreichsten Verkäufer einen eigenen Stern, dahinter entspannen sich die Mitarbeiter in der Pause auf dem Beachvolleyballplatz. Und auch in den Büros sorgen Sitzsäcke, nerdige Dekospielzeuge und anderer bunter Schnickschnack für ein bisschen Silicon-Valley-Gefühl im brandenburgischen Dreilinden.

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Ebay droht viel know-How zu verlieren

Doch mit der guten Laune ist es lange vorbei. Im vorigen Jahr hatte das Unternehmen angekündigt, den Großteil der Stellen zu streichen. 400 der 630 Ebay-Mitarbeiter müssen gehen, bei den Betroffenen herrscht Unsicherheit über die Zukunft. In der vergangenen Nacht gab es nun eine Einigung zwischen Geschäftsführung und Betriebsrat.

Bis Ende des Monats sollen die Kündigungen ausgesprochen werden und es wurde ein Sozialplan in zweistelliger Millionenhöhe vereinbart. Die gekündigten Beschäftigten erhalten als Abfindung pro Beschäftigungsjahr etwa zwei Monatsgehälter, pro Kind gibt es 2500 Euro extra. Für 100 Mitarbeiter wird eine Transfergesellschaft gegründet, in der ihnen ein Jahr lang 80 Prozent des bisherigen Bezüge gezahlt werden.  

Gestrichen wird vor allem der Kundenservice für nichteuropäische Länder, die verbleibenden Mitarbeiter sollen sich vor allem um die besonders umsatzstarken deutschen Powerseller kümmern. Ein Teil des deutschen Kundenservice wird ebenfalls an externe Dienstleister vergeben.

Die weiterhin von Ebay betreuten Kunden sollen künftig sogar „einen besseren Service“ bekommen, da die Mitarbeiter weniger Kunden betreuen. „Die normalen Kunden erhalten die gleichen Dienstleistungen wie bisher“, verspricht Ebay.

Ob dies tatsächlich eingelöst werden kann, ist fraglich. Der Betriebsrat fürchtet, dass durch den Stellenabbau über Jahre aufgebautes Know-How verloren geht, dass so schnell nicht zu ersetzen sei. Das gilt insbesondere für die etwa 100 Stellen in der Sicherheitsabteilung, die  größtenteils ebenso wegfallen.

Einen Teil der Aufgaben will Ebay künftig zentral aus Dublin erledigen, wo neue Stellen geschaffen werden. In welchem Umfang, will das Unternehmen jedoch noch nicht sagen.

„Der Wanderzirkus geht weiter“

Ebay hatte zehn Millionen Euro an Subventionen bekommen, die Auflagen für die im Gegenzug zu schaffenden Arbeitsplätze sind 2008 ausgelaufen.

Im Gegensatz zur Schließung des Nokia-Werkes in Bochum, wo der CDU-Ministerpräsident Rüttgers öffentlich über „Subventions-Heuschrecken“ schimpfte, blieben die Proteste im rot-rot-regierten Brandenburg verhalten.   

„Ebay hat seinem eigenen Ansehen in unserer Region deutlich geschadet“, erklärt der Brandenburger Arbeitsminister Günter Baaske (SPD). Er hatte sich mit der Unternehmensleitung und dem Betriebsrat getroffen, konnte an den Stellenkürzungen jedoch nichts ändern.   

„Der Wanderzirkus geht weiter“, klagte Detlev Bär, arbeitsmarktpolitischer Sprecher der SPD in Brandenburg. Der Politiker kritisiert vor allem die Verlagerung der Arbeitsplätze an externe Dienstleister. So arbeiten nach Angaben des Betriebsratsvorsitzenden Sascha Korschofski bereits einige Ebay-Mitarbeiter für die Berliner Competence Call Center GmbH (CCC). Dort sollen sie pro Stunde 8,50 Euro statt bislang 13 Euro erhalten.

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