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Internetriese: Reisebuchungen: Der neue Arm der Krake Google

von Rüdiger Kiani-Kreß

Der Suchriese Google füllt mit dem geplanten Kauf der Spezialisten für Flugtarifdaten ITA zunächst nur eine seiner letzten weißen Stellen. Vom direkten Reiseverkauf will Google aber die Finger lassen. Doch der Schwur gilt nur so lange, wie der Flugverkauf weniger bringt als das bisherige Geschäft. Ein Kommentar von Rüdiger Kiani-Kress

Google-Schriftzug im Quelle: AP
Google-Schriftzug im Hauptquartier in Mountain View, Kalifornien Quelle: AP

Sensationen sehen anders aus. Als Google gestern Abend den Kauf des Spezialisten für Flugtarifdaten ITA verkündete, war das im Grund nur die Bestätigung eines Gerüchts, dass in Fachkreisen bereits seit Monaten kursierte. Trotzdem überschlugen sich die Meldungen, Google werde nun zu einer Art Super-Reisebüro. Schließlich hat  ITA nach Meinung von Fachmagazinen wie der fvw die wohl beste Suchabfrage für Flugtarife.

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Google hat eine Rolle als Urlaubsmacher zwar sofort zurückgewiesen. Trotzdem sorgte das umgehend für pure Angst bei allen anderen Reisevermittlern. Denn der Finanzkraft und der Allgegenwart des Suchriesen hat keiner der bisherigen Reiseanbieter etwas entgegenzusetzen: nicht die Reisebüros und letztlich auch die Fluglinien.

Doch für den Schritt ist es noch zu früh. Zum einen hat Google bisher den Onlinehandel weitgehend gemieden. Dazu ist der Überflieger in seinen neuen Feldern bisher weitem nicht so stark wie im Suchgeschäft. „Google hat in den letzten Jahren Produkte in vielen Bereichen gestartet, ohne die existierenden Marktteilnehmer zu verdrängen“, sagt Christian Saller, Chef der Metasuchmschine Swoodoo und Managing Director KAYAK.com Deutschland und verweist auf Google Mail, das Handy-Betriebssystem Android oder die Google-Produktsuche Froogle.

Google Travel würde Kerngeschäft Werbung schädigen

Viel wichtiger jedoch: ein neues Google Travel wäre derzeit ein Fehler für den Suchriesen. Denn Reisebüros sind wie der ganze Einzelhandel mit ihren mageren Renditen meilenweit von den gewohnten Google-Margen entfernt. Selbst wenn Google das mit seiner Masse deutlich verbessert, verdient der Reisebereich vorerst wohl nie so viel wie das Kerngeschäft Onlinewerbung über sogenannte Adwords. Bei dieser Google-Dienstleistung lassen es sich Unternehmen einiges kosten, wenn ihre Werbung bei bestimmten Suchbegriffen neben der Ergebnisliste auftaucht.

Dieses Geschäft würde Google zumindest schmälern, wenn nicht gar gefährden, wenn das Unternehmen direkt die Flüge vermittelt. Denn warum sollten die heutigem Touristikunternehmen oder Reise-Vermittler weiter für die Werbung zahlen, wenn Google die Kundschaft direkt zum billigsten Anbieter führt? Das wiederum würde Google deutlich spüren. Denn die Reisebranche bringt – zusammen mit dem Einzelhandel – den meisten Umsatz bei den Adwords. Angeblich setzt Google hier mehr um als das weltgrößte Reisebüro Expedia mit seinen knapp drei Milliarden Dollar Jahresumsatz. 

Darum wird Google vorläufig mit der ITA-Software nur eine seiner letzten weißen Stellen im Suchgeschäft schließen: den Reisebereich. Hier hat Google zwar mit Angeboten wie den Landkarten von Google Maps oder gezielter örtlicher Suche schon vieles eingemeindet und sich zur praktisch unverzichtbaren Informationsquelle für alle Reisenden gemacht. Dank Google kann sich jeder an seinem Reiseziel deutlich besser zurecht finden. Nur für die beste Anreise mussten Touristen bisher die Google-Welt vorzeitig verlassen.

Neue Suchfunktionen sollen Reisewillige bei Google halten

Das soll sich ändern. Künftig führt Google bei Fernweh schneller und präziser zu den Reisewebseiten. Der Deal erlaubt Google, neue Suchwerkzeuge, mit denen die Nutzer bessere Informationen schneller finden“, heißt es bei Google. Und das soll nur den Anfang sein. Google und ITA wollen zusammen neue Suchfunktionen entwickeln, etwa Flüge nicht nur nach dem Ziel, sondern auch nach der Entfernung oder der Reisezeit zu suchen.

Damit könnte sich der 700 Millionen Euro teure Zukauf am Ende rechnen, weil eine bessere Suche natürlich mehr Kunden und damit mehr Werbeumsätze bringt. Und je besser es läuft, umso stärker wird Google zu einer Metasuchmaschine und bekommt von den Reiseseiten eine Vermittlungsprovision, wenn ein weiter geleiteter Kunde einen Flug bucht. Zum dritten aber macht das Reisegeschäft Google bei seiner größten Stärke noch besser: dem Sammeln von Informationen. Durch den neuen Arm kennt die Datenkrake die Kundschaft und ihre Bedürfnisse künftig noch besser – und kann das entsprechend vermarkten.

Aber egal wie gut das läuft – am Ende bleibt die Versuchung, eben doch ins Reisegeschäft einzusteigen. Spätestens wenn die Bedeutung der Werbung sinkt oder weniger stark wächst und die Provisionen steigen, dürfte Google seine Strategie sehr schnell und sehr gründlich wechseln.

3 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 04.07.2010, 01:34 UhrAnonymer Benutzer: Peterson

    Es ist doch schade wenn kleinere StartUps mit guten ideen loslegen und fangen grosse zu ärgern, letzlich werden Sie dann aufgefressen, gekauft von den Grossen, leider!

  • 04.07.2010, 01:24 UhrAnonymer Benutzer: Leonardo

    Würde mir wünschen mehr Kinkurenz bei den Suchmaschinen!

  • 03.07.2010, 15:14 UhrAnonymer Benutzer: Libero

    bei den vielen - teilw. klitzekleinen und kaum beleumundeten - internetunernehmen die Kondome, Reisen, Elektrogeräte u.ä. Kram verticken und van die viele Menschen frwiwillig bankdaten weiter geben, regt sich kein Mensch auf. Sobald aber Firmen wie GOOLGE, MiCROSOFT & Co. irgendetwas auf die beine stellen, regen sich die selbsternannten Verbraucherblockwarte.... . Ach ich vergaß APPLE... doch das sind die Guten. Die zwingen dem Nutzer Plattformen und geschlossene Systeme auf, wollen 1000€ für ein besseres Telephon und haben auch sonst Narrenfreiheit. Der Unterschied ist nur, daß die Medienvertreter, die sich so bereitwillig auf alle anderen stürzen, hier plötzlich nicht mehr so ganz unvoreingenommen sind. Schließlich sind sie Teil des korrupten Systems und Konsumjunkies obendrein.

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