Internetwirtschaft: Web-Riesen auf dem Ökotrip

Internetwirtschaft: Web-Riesen auf dem Ökotrip

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The-Dalles-Damm in Oregon

von Thomas Stölzel

Internetunternehmen laufen Gefahr, die Schmuddelkinder der Wirtschaft zu werden. Schon jetzt gibt es Videoportale, die richtige Stromfresser sind. Nun steuern die Konzerne gegen - und werden damit zum Vorbild für andere Branchen.

Die Überwachungskameras an allen Ecken lassen erahnen, dass dieses rot und grau gestrichene, sechsstöckige Gebäude in der Karlsruher Innenstadt kein normales Bürohaus ist. Hinter der Empfangsdame geht es hinab in das Kellergeschoss und durch eine Sicherheitsschleuse, an der sich jedermann elektronisch identifizieren muss. Schließlich gelangt man in einen langen Flur, von dem blaue Stahltüren abgehen. Hinter einer der Türen steckt etwas, was nicht jeder im Keller hat – eine hauseigene Umspannstation, die Starkstrom von 20.000 Volt auf 400 Volt herunterregelt.

Die Anlage, die einen drei mal vier Meter großen Raum füllt, ist existenziell für die Internet-Firma 1&1, zu der beispielsweise die E-Mail-Dienste Web.de und GMX gehören. Hier im Badischen betreibt das Unternehmen, das seinen Hauptsitz im rheinland-pfälzischen Montabaur hat, eines von vier Rechenzentren weltweit. Auf 15.000 Servern lagern E-Mail-Konten, Web-Seiten, ganze Online-Shops. Tag und Nacht brummen die italienischen Hochleistungsklimaanlagen, blasen kalte Luft von unten in die Server-Schränke, um die Festplatten vor dem Hitzetod zu bewahren.

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Insgesamt fressen die Anlagen hier jedes Jahr 43 Gigawattstunden Energie. Das sind zwei Prozent des Karlsruher Stromverbrauchs, so viel wie 1500 Haushalte. Allerdings bezieht 1&1 die Energie nicht vom heimischen Großanbieter und Kernkraftriesen EnBW. Die Stadtwerke kaufen sie eigens für 1&1 von den drei norwegischen Wasserkraftwerken Aura, Hogga und Trollheim. „Das kostet unwesentlich mehr als Kohle- oder Atomstrom“, sagt 1&1-Chef Robert Hoffmann, spare jährlich aber 40.000 Tonnen des klimaschädlichen Kohlendioxids.

Klimaschutz zur Imagepflege

Seit Jahren gelingt es den IT-Bossen, sich von der Rohstoff- und verarbeitenden Industrie als Saubermänner abzuheben. Die Herren über Bits und Bytes nutzen zunehmend den Klimaschutz zur Imagepflege – befinden sich regelrecht im grünen Fieber. Yahoo, Microsoft, Amazon – sie alle geben zurzeit Hunderte Millionen Dollar aus, um sich Ökorechenzentren zu bauen, experimentieren mit alternativen Stromquellen und werden so zur Blaupause auch für andere Industrien.

Der Druck auf die Web-Branche ist groß: Mittelfristig droht ihr, dass die Politik sie in eine Liga mit der Luftfahrtindustrie steckt. Die EU könnte auch diese Branche in den Emissionsrechtehandel einbeziehen. Stammen doch trotz aller grüner Engagements noch immer 50 bis 80 Prozent des in den weltweiten Rechenzentren verbrauchten Stroms aus Kohlekraftwerken.

Hinzu kommt ein ungeheurer Hunger nach Energie, ausgelöst durch die Datenexplosion im Netz. Schon jetzt gibt es mit Videoportalen wie YouTube oder Vimeo richtige Stromfresser im Web. Und einen noch größeren Schub erwartet die Branche vom sogenannten Cloud Computing. Hier speichert der Kunde Daten und Programme nicht mehr auf dem eigenen Rechner, sondern im Internet – auf Anlagen etwa von Microsoft oder der US-Softwareschmiede Salesforce. Die benötigen dazu zusätzliche Rechner und damit immer mehr Strom.

Wasserkraft bevorzugt

Das lässt die Energiekosten der Branche explodieren. „Strom macht bei manchen Rechenzentren 80 Prozent der laufenden Kosten aus“, sagt Markus Eul von der Unternehmensberatung A.T. Kearney. Inzwischen fressen Serverparks bereits zwei Prozent des weltweit erzeugten Stroms. Während in anderen Industrien der Energieverbrauch sinkt, wächst er in den Web-Unternehmen laut Greenpeace jährlich um zwölf Prozent. „Die Rechenleistung der Prozessoren vertausendfachte sich in den letzten elf Jahren, ihre Stromeffizienz stieg nur ums 100-Fache“, berichtet IBM-Chipexperte Bruno Michel. Das sei eine gefährliche Entwicklung.

Auch persönlich machen die Aushängeschilder der Branche auf Grün. Google-Gründer Larry Page baut sich eine Ökovilla aus Recyclingstoffen, sein Partner Sergey Brin investiert in grüne Startups, 1&1-Chef Hoffmann nutzt auch privat Ökostrom, und Napster-Erfinder Sean Parker fährt Elektroauto.

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