Interview: Lidl-Chef Gehrig: „Wir haben gut damit gelebt, unterschätzt zu werden“ - Seite 4

Interview: Lidl-Chef Gehrig: „Wir haben gut damit gelebt, unterschätzt zu werden“

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Wie sieht es mit China aus? Gehrig: Dort haben wir noch Bedenken. Auch in Kanada haben wir unsere Pläne vor einem Jahr wieder auf Eis gelegt. Skeptisch sind wir außerdem, ob sich ein Engagement in der Türkei rechnet. Dort gibt es immer noch große politische Unsicherheiten. Werden Sie so Ihren Rivalen Aldi jemals einholen? Gehrig: In Europa sind wir heute schon größer als Aldi. Wir orientieren uns mittlerweile eher an anderen Segmenten als an Aldi. Aldi hat den Discountmarkt gut besetzt mit seinen Eigenmarken. Wir bieten lieber eine gute Mischung aus Markenartikeln und Eigenmarken. Mehr Eigenmarken wollen wir bei Lidl gar nicht. Sie setzen jetzt auf Service-Qualität und stellen dafür zusätzlich 1 500 Mitarbeiter ein. Ist der Preis nicht mehr das entscheidende Kriterium? Gehrig: Der Kunde hat heute einen anderen Anspruch. Der billige Preis ist ohnehin selbstverständlich in Deutschland. Wir sind nun an dem Punkt, wo wir sehen, er will wieder etwas mehr – etwa schneller an der Kasse abgewickelt werden oder ein vielfältigeres Sortiment. Passen dazu auch die Fahrkarten, die man nach Angaben der Bahn demnächst bei Ihnen kaufen kann? Gehrig: Davon wissen wir noch nichts . . . Ist Ihr Ziel überhaupt noch Preisführerschaft? Gehrig: Wir freuen uns, dass man Lidl im gleichen Atemzug mit Aldi nennt. Aber wir wollen keine Preisführerschaft, die zu Lasten der Qualität geht. Wir sind längst kein reiner Discounter mehr. Unter Managern sind Blackberrys derzeit der Renner. Wann kaufen Sie sich einen? Niemals. Taschenkalender und Radiergummi sind schneller als jeder Organizer. Und wenn ich sehe, wie viel Zeit manche mit dem Sichten ihrer Mails verbringen, kann ich nur sagen: Ihr werdet doch nicht fürs Sortieren bezahlt! Dafür habt ihr doch ein Sekretariat! Das Gespräch führten Joachim Dorfs und Christoph Schlautmann.

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