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Interview Martin Blessing: „Die europäische Politik hat ihre Versprechen nicht erfüllt“

von Sven Afhüppe und Nicole Bastian und Yasmin Osman Quelle: Handelsblatt Online

Commerzbank-Chef Martin Blessing erklärt im Interview, warum Nationalstaaten Souveränität abgeben sollten, wie der Euro gerettet werden kann - und dass er nicht immer ein deutscher Purist ist.

Der Vorstandsvorsitzende der Quelle: dpa
Der Vorstandsvorsitzende der Commerzbank AG, Martin Blessing, spricht am Dienstag (06.09.2011) auf der «Handelsblatt»-Tagung «Banken im Umbruch» im Marriott-Hotel in Frankfurt am Main. Blessing warnte bei der Tagung vor einer schnellen Einführung von gemeinsamen europäischen Anleihen. Foto: Fredrik von Erichsen dpa/lhe (c) dpa - Bildfunk Quelle: dpa

Handelsblatt: Herr Blessing, nach einer aktuellen Meinungsumfrage haben nur noch 17 Prozent der Deutschen Vertrauen in den Euro. Gehören Sie zur Minderheit der Optimisten oder zur Mehrheit?

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Martin Blessing: Ich glaube, dass der Euro und die europäische Integration richtig sind. Wir müssen jetzt nur daran arbeiten, um die Geburtsfehler des Euros glattzuziehen.

Sind Sie so optimistisch, dass Sie ein Auseinanderbrechen der Euro-Zone oder den Austritt einzelner Mitgliedstaaten ausschließen würden?

Das halte ich weder für die wahrscheinlichste noch für die sinnvollste Option. Das heißt nicht, dass es ausgeschlossen ist. Notwendig ist, die ungelösten Probleme der Währungsunion in den Griff zu bekommen.

Was muss die Politik tun?

Vor der Einführung des Euros diskutierten die Regierungschefs in Europa, ob erst die Politische Union und dann der Euro kommen soll oder umgekehrt. Man hat sich dafür entschieden, mit dem Euro zu beginnen und hat das Thema Politische Union schleifen lassen. Nun sehen wir, dass eine Währung mit 17 Haushaltspolitiken nicht funktioniert. Da haben wir dann zwei Möglichkeiten: Entweder harmonisieren wir unsere Fiskalpolitik, oder wir sagen, der Euro war ein interessantes Experiment, das aber nicht funktioniert hat. Dann sollte man ihn besser früher als später abwickeln. Ich halte es aber für richtig, Europa weiter zusammenzuschweißen.

Aber wie realistisch ist es, dass die nationalen Regierungen in den nächsten Jahren so viele Kompetenzen abgeben und am Ende kaum mehr was zu sagen haben?

Fiskalunion bedeutet ja nicht, dass nationale Regierungen nichts mehr zu sagen hätten. Der hessische oder bayerische Finanzminister kann über sein Budget schließlich auch verfügen – und eine Kommune in einem gewissen Rahmen ebenso. Es kann einer Kommune, die nicht ökonomisch wirtschaftet, aber passieren, dass sie unter eine Art Zwangsverwaltung gestellt wird. Solche Eingriffe müsste es in Europa dann auch geben.

Und wenn die Bürger das nicht wollen?

Dann müssen die Leute auch so ehrlich sein und sagen, dass sie die einheitliche Währung nicht wollen. Die aktuelle Debatte in Deutschland ist doch weder offen noch fair. Wir wollen den Kuchen essen und ihn gleichzeitig behalten. Wir wollen den Euro, aber wir wollen seine Konsequenzen nicht. In Italien und Spanien läuft es genauso: Alle sagen, der Euro hat riesige Vorteile, aber die Nachteile wie Haushaltsdisziplin will man nicht in Kauf nehmen. Das geht aber nicht.

Können Sie nachvollziehen, dass viele Deutschen Sorge haben, dass die Belastungen für diese europäische Idee für sie als Steuerzahler unüberschaubar werden?

Ich verstehe die Sorgen. Aber man muss sich umgekehrt auch die Frage stellen, wie groß die Not sein wird, wenn die Währung auseinanderbricht – und ob wir diese Folgen überhaupt richtig verstehen. Natürlich sind die Probleme komplex, aber sie sind nicht verschwunden, wenn man sich die Hände vor die Augen hält.

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13 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 07.09.2011, 01:13 UhrAnonymer Benutzer: mathias

    Wie bLÖD das deutsche Volk ist, erkenne ich daran das:

    Die Commerzbank immer noch Kunden hat !!!!

    WiWO überschlägt sich Heute mit Personen, die eine DiKTATUR
    einführen wollen.
    bessing, Fehrenbach

  • 07.09.2011, 00:03 UhrAnonymer Benutzer: @Bock als Gärtner

    Sehr schöner Kommentar. Wie heißt es so schön: Wer im Glashaus sitzt sollte nicht mit Steinen werfen.

  • 06.09.2011, 22:56 UhrAnonymer Benutzer: Bock als Gärtner erteilt "Ratschläge" - irre!

    Ackermann, blessing und Kameraden unterweisen wieder in Gesprächsforen die Politik in der wahren Rettungs- und Subventionslehre der banken!
    Commerzbank: vom Steuerzahler beim börsengesamtwert der Coba und Dresdner von damals 3-4 Mrd Euro für 25 Mrd Euro rausgekauft (nur 25%-Anteil), d.h. 25-30x über börsenwert die bunkenbudde dem Steuerzahler markt-, gesetzes- und verfassungswidrig und ungefragt dazu ans bein gebunden! Und dann Futterlücke noch aufreissen und aufs Leben mit "kleinen EURO-Nachteilen" dreist hinweisen, wo DE-Außenüberschuss in die EWR bestenfalls 40% von 140 Mrd. bRUTTO beträgt und "WiR" dafür mit allen "Rettungsfazilitäten", -paketen, ELA-Liquiditätsüberweisungen, bei EZbs wertlos eingetauschten AbS-immo-CDOs, und sonst noch was auf eigenen lt OECD 2011 bereits 87% biP noch fast gute billion bewürgbaren "NUR-Garantien" inzwischen von der Regierung mit Zinseszins aufgebrummt bekamen, das ich echt der Gipfel der Frechheit! Genauso dreist wie heutige Ackermann-Unterweisung der Staatsregierungen über das gefälligst weiter eigenkapitallose Daseinberechtigung der EU-banken, "sonst beule"!

    Wann werden solche "fachfreien" feisten "Authisten" auch mal für die laufend angerichteten Steuergräber ohne Wiedersehn nach Recht und Gesetz vor Kadi zitiert, wie jeder Otto Normalbürger auch, statt ihnen noch mit Mio. leistungsfreien boni den "Ring zu weiten" und medial bühne für ihre Staatsbürger- und "Politikprimat-"verhöhnung weiter zu bieten???!!!

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