Interview mit Rewe-Vorstandsmitglied Sanktjohanser: "Gegessen wird immer"

Interview mit Rewe-Vorstandsmitglied Sanktjohanser: "Gegessen wird immer"

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Josef Sanktjohanser, Einzelhandels-Präsident

Der Einzelhandels-Präsident Josef Sanktjohanser sieht seine Branche als Stimmungsaufheller mit klarer Botschaft.

WirtschaftsWoche: Herr Sanktjohanser, in der vergangenen Woche hat der Handel die Preise von Milch und anderen Nahrungsmitteln drastisch gesenkt. Sind die Zeiten teurer Lebensmittel vorbei?

Josef Sanktjohanser: Zumindest werden die Lebensmittelpreise nicht mehr so stark steigen wie in den vergangenen Monaten. Getreide und andere Agrarrohstoffe sind wieder billiger geworden und auch die Energiekosten sinken. Ich sehe also keine Gründe dafür, warum die Hersteller mehr Geld verlangen sollten.

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Die Nahrungsmittelindustrie sieht das anders. Bauernpräsident Gerd Sonnleitner spricht nach dem Rückgang der Milchpreise sogar von „Erpressung“ und vergleicht die Händler mit „gewissenlosen Bankern“.

Der Einzelhandel ist nicht für die strukturellen Probleme seiner Vorstufen verantwortlich. Die Bauern müssen sich an die eigene Nase fassen. Sie produzieren zuviel Milch, während der Absatz angesichts der hohen Preise zurückgegangen war. Mit den Preissenkungen kurbelt der Handel die Nachfrage wieder an. Im Übrigen stöhnt die Industrie immer recht lautstark, wenn es um die Preisentwicklung geht.

Das Standardargument lautet dann, der Handel würde mit seiner Nachfragemacht die Hersteller auspressen. Aber das ist falsch. Unsere Unternehmen geben einen Großteil der Preisvorteile an die Endkunden weiter. Damit wird der Handel mehr denn je der Stimmungsaufheller in der Bevölkerung mit der klaren Botschaft: Wir lassen zu hohe Preise nicht zu.

Das Signal wird kaum ausreichen, um das wichtige Weihnachtsgeschäft zu retten. Die Finanzkrise und die Sorge um die Konjunktur dämpfen die Einkaufslust der Konsumenten.

Natürlich wird die Krise auch den Konsum treffen - die Frage ist nur wann. Für das Weihnachtsgeschäft bleiben wir noch relativ optimistisch. Die Arbeitslosenzahlen sind gesunken, dieses Jahr zahlen viele Arbeitgeber wieder Weihnachtsgeld, die Einkommen sind gestiegen und an den Tankstellen müssen die Leute weniger ausgeben. Das alles schafft Freiräume, um Weihnachten Geld auszugeben.

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