
Heißt das, Sie wollen im Hochgeschwindigkeitsverkehr außer in Italien keine anderen Eisenbahngesellschaften in Europa herausfordern? So ist es. Wir haben uns für die Zusammenarbeit entschieden – außer in Italien, weil das Gesetz dort Konkurrenz vorsieht. In Spanien zum Beispiel haben wir ein Kooperationsabkommen mit der dortigen staatlichen Eisenbahngesellschaft Renfe unterzeichnet mit dem Ziel, den grenzüberschreitenden Hochgeschwindigkeitsverkehr gemeinsam zu organisieren. Ich glaube nicht an ein allgemein gültiges Modell, das sich überall anwenden lässt. Wir müssen flexibel und reaktiv sein, um unsere Geschäftspolitik an verschiedene Märkte und Möglichkeiten anpassen zu können.
Die SNCF macht nicht nur in Europa, sondern auch in anderen Regionen der Welt mit ihren Hochgeschwindigkeitszügen mobil. Die Eisenbahn erlebt weltweit eine Renaissance. Es gibt Hochgeschwindigkeitsprojekte in Kalifornien, in Russland und in China, wo bis zu 20.000 Streckenkilometer geplant sind. Die Deutsche Bahn ist ebenfalls sehr aktiv, zum Beispiel in Saudi-Arabien. Argentinien und vielleicht Brasilien haben auch Projekte. Es ist sehr aufregend, mit Japanern, Spaniern und Deutschen im Wettbewerb zu stehen.
Bei allem Streit mit der Deutschen Bahn, generell scheinen Sie deren Strategie nachzueifern und einen Logistikkkonzern zu schaffen. Ist das die richtige Strategie in Krisenzeiten? Unser Vorbild ist die Transport- und Logistiksparte der Deutschen Bahn, DB Schenker. Wir haben bereits einen strategischen Schwenk vollzogen. Unser Logistikgeschäft ist mit Einnahmen von mehr als acht Milliarden Euro in diesem Jahr unser wichtigstes Geschäftsfeld. Vor einigen Wochen haben wir eine riesige Ausschreibung gewonnen: Der Computerkonzern IBM gliedert die Logistik vollständig aus und hat die SNCF-Tochter Géodis als Partner gewählt. Das ist ein Vertrag mit einem Umfang von einer Milliarde Euro pro Jahr, über 15 Jahre und für 54 Länder.
Stellt die Wirtschaftskrise Ihre Wachstumspläne nicht infrage? Die Krise wirkt sich sehr heftig auf den Güterverkehr aus. Hier wird es eine sehr schwierige Phase geben, weil die Transportmengen enorm zurückgehen. Mittel- und langfristig ist das Logistikgeschäft jedoch sehr stabil. Wir werden aber länger brauchen als gedacht, um unsere Ziele zu erreichen. Doch auch in diesen schwierigen Zeiten müssen wir aktiv bleiben. Wir müssen bereit sein für den Aufschwung. Durch den Vertrag mit IBM wächst un-sere Güterverkehrssparte in eine neue Dimension: Der Umsatz wird bis 2011/12 auf mehr als zehn Milliarden Euro steigen. Das unterstreicht aus meiner Sicht die Richtigkeit und Stärke unserer Strategie.
Ihr klassischer Schienengüterverkehr schlittert doch tief in die roten Zahlen. Der eigentliche Erfolg der SNCF beruht fast ausschließlich auf dem Hochgeschwindigkeitsverkehr, der mehr als 90 Prozent zum Konzerngewinn beisteuert. Sie haben recht. Unser Hochgeschwindigkeitszug, der TGV, ist technisch und ökonomisch von einer spektakulären Effizienz. Das spiegelt sich in einer Sitzauslastung von 77 Prozent wider. Unsere Kollegen im Ausland kommen nicht einmal auf 50 Prozent. Aber unsere Stärke ist die Komplementarität der Sparten, und deshalb muss die Einheit der SNCF erhalten bleiben.
Die SNCF wird im kommenden Jahr einen milliardenschweren Großauftrag für Hochgeschwindigkeitszüge ausschreiben. Hat der ICE trotz der Probleme mit den Achsen eine Chance? Der Beste möge gewinnen. Ich muss allerdings den Verkehr zwischen Paris und Frankfurt im Auge behalten. Wir hatten dort 2008 viele Schwierigkeiten mit den eingesetzten ICE. Es gab viele Ausfälle. Wir müssen sehr aufmerksam sein, weil es für uns von großer Bedeutung ist, dass es keine Ausfälle gibt. Ich bin deshalb im Augenblick etwas beunruhigt.














- als Spam melden
- antworten
- als Spam melden
- antworten
- als Spam melden
- antworten
Alle Kommentare lesen09.01.2009, 07:14 UhrAnonymer Benutzer: Christopher-Benjamin Marxen
ich weiß nicht, warum irgendwelche Menschen die sich mit irgendwelchen Kameras neben irgendwelche Schienen stellen oft meinen zu wissen wie der bahnverkehr in Frankreich abläuft. Genauso wenig, irgendwelche vollgefressenen Mehdornis, die sich nur für den (lukrativeren) Güterverkehr interessieren und den Personenverkehr seit Jahren vernachlässigen. Soll Herr Mehdorn doch der SNCF Konkurrenz machen, wenn er dort die deutschen Fahrpreise nimmt, mit dem gleichen "hochkompetenten" Personal an den Start geht und ebenso oft seine Züge Verspätung haben werden, wird er sich noch wünschen den Kooperationsvertrag unterzeichnet zu haben.
Derzeit bekomme ich eine Fahrt mit dem Eurostar ab 20 Euro, ich schätze diesen Zug sehr, er gilt als führender Europas. Sauber. Freundliches, motiviertes Personal das einen immer anlächelt und erstklassige Menüs in der ersten Klasse. Nicht der imbiss-Fraß aus dem Db-Speisewagen. Man möge sich nur mal ansehen, was die Db aus der einstigen Top-bahn Chiltern Railways gemacht hat.
im Güterverkehr mag Herr Mehdorn die Nase vorn haben, aber gegen Airlines hat er doch schon längst verloren. Und mal ehrlich, personalmäßig ist er doch bestens aufgestellt..
ich fahre täglich mit dem metronom und bin jeden Tag aufs neue zufrieden. Erst recht wenn ich die Züge der grade erst neu eingeführten S-bahn nach Stade sehe, die meistens verunreinigt sind, kein Personal an board haben und laufend verspätet.
Leute, fahrt mal nach Frankreich! Fahrt mit diesem wunderbaren Zug namens TGV und ihr werdet begreifen warum die Db ihre Schmutzfinder von ihm lassen soll!
22.12.2008, 07:35 UhrAnonymer Benutzer: Peter
Nicht, dass hier eine falsche Stimmung aufkommt: Deutschland schützt sein Markt sehr wohl in dem es sehr strenge technische Auflagen für bahnfahrzeuge macht, die aber nicht wirklich zu Sicherheit beitragen. Spezielle Forderungen wären da z.b. dass die Fahrzeuge keine Rücksehspiegel haben dürfen und die Steuerwagen mit einer Sandugnsanlage ausgerüstet sein müssen. Weiter fordert Deutschland kürzere bremswege als die restlichen bahnen in Europa, was wiederum nur mit einer sicherheitsrelevanten elektrischen bremse möglich ist.
20.12.2008, 01:08 UhrAnonymer Benutzer: DeuFra2009
Als alter "Hoechster" kann ich mich nur immer wieder über die Arroganz dieser französischen Manager ärgern. Eigentlich noch mehr über die Naivität der deutschen Politiker. Die SNCF macht natürlich die Gesetze nicht, aber der frabzösische Staat greift auch hier massiv zum Vorteil der eigenen industrie ein. Es ist leicht aus einem geschützten Heimatmarkt in einem freien Markt anzugreifen, die finanzielle Last wird im Zweifel im Staatshaushalt versteckt. Es dürften nur Staaten bei ihren Nachbarn aktiv werden, wenn gleiche bedingungen herrschen. Warum ist das in der EU nicht durchsetzbar? Die Mauer ist doch wirklich schon lange weg, oder haben die Unseren das noch nicht verstanden und müssen sich immer noch unserer Stärken schämen? Wie war das doch als Siemens den TGV kaufen wollte?