Intrigenspiel: Infineon außer Kontrolle

Intrigenspiel: Infineon außer Kontrolle

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Infineon-Chef Wolfgang Ziebart Ende 2004 vor dem Logo seiner Firma.

Déjà-vu-Erlebnis in Bayern: Infineon-Chef Wolfgang Ziebart stürzt über eine Intrige – mitangezettelt vom Vorstandskollegen Peter Bauer?

Als Infineon-Chef Wolfgang Ziebart Mitte Mai erstmals von seiner angeblich bevorstehenden Demission erfuhr, war er gerade auf Dienstreise; zunächst in den USA, danach bis vergangenes Wochenende in Taiwan. Offenbar dank gezielter Indiskretionen war ein Konflikt zwischen Infineon-Aufsichtsratschef Max Dietrich Kley und Ziebart an die Öffentlichkeit gedrungen; demnach suche Kley bereits nach einem Nachfolger und wolle den spätestens auf einer außerordentlichen Aufsichtsratssitzung am 31. Mai präsentieren.

Die Vorgänge passen gut in die Geschichte des Münchner Chipkonzerns: Als Ziebart-Vorgänger Ulrich Schumacher Anfang 2004 aus dem Unternehmen gedrängt wurde, weilte auch er gerade im Ausland. Drei damalige Vorstandskollegen hatten sich gegen ihn verbündet, Kley ließ eine außerordentliche Aufsichtsratssitzung anberaumen, auf der Schumacher dann seinen Hut nehmen musste.

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Auch dieses Mal sei das Hauptmotiv für das plötzliche Hochkochen des Skandals eine Intrige im Vorstand, wie die WirtschaftsWoche aus unternehmensnahen Quellen erfuhr. Demnach habe Peter Bauer, seit der Gründung von Infineon 1999 im Vorstand und zuletzt für die Automobilsparte verantwortlich, in den vergangenen Wochen intern massiv gegen Ziebart gewettert und für seine eigene Inthronisierung als Nachfolger geworben. Infineon wollte sich dazu auf Anfrage nicht äußern.

Als Ziebart von der Stimmungsmache gegen ihn Wind bekam, soll er von Aufsichtsratschef Kley verlangt haben, der möge den Störenfried ruhigstellen. Doch Kley hielt still, Bauer gilt als einer seiner Gefolgsleute. „Das hat Bauer offenbar als heimliche Rückendeckung verstanden“, sagt ein Insider. „Jedenfalls drang der angebliche Zwist zwischen Kley und Ziebart danach an die Öffentlichkeit.“ Weder Infineon noch Kley wollten zu diesen Vorgängen auf Anfrage einen Kommentar abgeben.

Auffällig ist, dass Bauer überhaupt in den Medien als möglicher Ziebart-Nachfolger gehandelt wurde, denn er galt bei vergangenen Vorstandsrevirements nie als Anwärter auf den Chefsessel. Ob Bauer nun aufsteigt, ist zwar noch nicht ausgemacht. Ziebarts Sturz scheint dagegen kaum noch aufzuhalten. Die außerordentliche Hauptversammlung Ende Mai findet statt.

Direkt nach dem Beginn des Skandals bestritt Kley vehement und unter Androhung rechtlicher Schritte, selbst die Quelle der Indiskretion zu sein. Laut Informationen aus dem Infineon-Aufsichtsrat ergäbe ein derartiges Vorgehen durch Kley auch gar keinen Sinn. So habe es in der Tat Meinungsverschiedenheiten zwischen Kley und Ziebart über die Strategie von Infineon gegeben. Doch diese sollten zum Wohle des Unternehmens gerade nicht in die Öffentlichkeit getragen werden.

Daher gab es gut informierten Kreisen zufolge zwischen Kley und Ziebart eine Art Gentlemen’s Agreement in Sachen Vorstandsvorsitz. Ziebart, dessen Vertrag Ende 2009 ausläuft, sollte so lange Chef bleiben, bis ein Nachfolger gefunden sei. Dieser gleitende Übergang sollte bis Ende dieses Jahres abgeschlossen sein und Ziebart dann gesichtswahrend aus dem Unternehmen ausscheiden – vor allem auch deshalb, um Infineon eine neuerliche quälende Führungsdiskussion zu ersparen und ein Machtvakuum zu verhindern.

Diese Taktik ist nicht aufgegangen. Wieder einmal macht Infineon als Intigrantenstadl von sich reden. Schon das Ausscheiden Schumachers 2004 ging mit einer medialer Schlammschlacht einher. Und 2007 prägte die Affäre um Finanzvorstand Rüdiger Günther, der nach nur drei Monaten geschasst wurde, das Bild von Infineon.

Nun gerät auch Aufsichtsratschef Kley unter Druck. Er agiere, so beklagen manche Aufsichtsräte, inzwischen völlig eigenmächtig und bar jeder sonstigen Kontrolle. „Das gesamte Unternehmen“, sagt ein Aufsichtsrat von der Arbeitnehmerseite, „ist gelähmt – wieder einmal.“

Die Unzufriedenheit mit Kley hat auch auf die Kapitalseite übergegriffen. Zwei Mitglieder der Arbeitgeberbank haben sich bereits bei Anwälten erkundigt, wie sie Kley loswerden könnten, heißt es. Dazu müsste freilich eigens eine Hauptversammlung einberufen werden, auf der drei Viertel der Stimmberechtigten gegen Kley votieren – zu aufwendig, damit unrealistisch. Immerhin könnten die Infineon-Kontrolleure ihn mit einer Zwei-Drittel-Mehrheit vom Chefsessel des Aufsichtsrats kippen; er bliebe dann freilich Mitglied des Gremiums.

Wieder eine Infineon-Aufsichtsratssitzung also, die Spannung pur verspricht.

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