Investmentprofis mit Problemen: Goldman Sachs ist in Deutschland angeschlagen

Investmentprofis mit Problemen: Goldman Sachs ist in Deutschland angeschlagen

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Wo Goldman Sachs in Deutschland als Berater engagiert war (Auswahl)

Während Goldman Sachs wieder mit Milliardengewinnen glänzt , wirkt der Primus in Deutschland verletztlich. Das Team ist geschrumpft, bei einigen Deals ist die Bank außen vor. Die Konkurrenz wittert Morgenluft.

Auch wenn der Commerzbank-Turm noch ein wenig höher ist: Das Büro von Alexander Dibelius dürfte in Frankfurt immer noch das mit der besten Aussicht sein. Im 60. Stock des Messeturms hat der 49-jährige Deutschland-Statthalter von Goldman Sachs nicht nur kilometerweite Sicht über die Stadtgrenzen hinaus. Er hat auch alle wichtigen Konkurrenten im Blick – bis hin zu Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann.

Hier, in der deutschen Kommando-Zentrale der US-Großbank, dürfte ein Gutteil der hiesigen Konzernlenker und Spitzenpolitiker irgendwann schon mal angerufen haben.

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Beim geplanten Einstieg des Emirats Katar beim Sportwagenbauer Porsche zog Goldman Sachs die Strippen.Goldman Sachs beteiligte sich Ende vergangenen Jahres am Rettungsschirm für die BayernLB.Der Münchner Dax-Konzern MAN, der Anfang des Jahres seine Tochter Ferrostaal an einen Investor aus Abu Dhabi verkaufte, hatte Goldman Sachs auf Käufersuche geschickt.Bei den Vorbereitungen für den abgesagten Börsengang der Deutschen Bahn im vergangenen Herbst gehörte Goldman Sachs zu den sogenannten Globalen Koordinatoren.Auch beim Albtraum der deutschen Fusionsgeschichte, der Übernahme des US-Konkurrenten Chrysler durch Daimler im Jahr 1998, die 2007 nach Milliardenverlusten scheiterte, hatte Goldman Sachs die Finger im Spiel.

Doch wie in den USA, so sind die Goldmänner auch in Deutschland nicht mehr das, was sie vor der Finanzkrise waren. In den vergangenen zwei Jahren hat sich gezeigt, dass auch der langjährige Branchenprimus verletzlich ist. Die Zahl der Goldman-Sachs-Investmentbanker in Deutschland sei seit 2007 von über 70 auf rund 60 gesunken, heißt es in Branchenkreisen. In den Ranglisten der Banken, die bei Unternehmensfusionen und -zukäufen am erfolgreichsten mitmischten, ist Goldman Sachs in Deutschland in diesem Jahr zurückgefallen.

Manche Kunden sind stark auf Dibelius fixiert

Tatsächlich fällt auf, dass Goldman Sachs bei einigen großen Deals nicht mit von der Partie ist. So läuft die Zerschlagung des ehemaligen Imperiums des verstorbenen Pharmaunternehmers Adolf Merckle ohne die einstigen Marktführer. Auch beim Verkauf von Opel an einen Investor ist nur Konkurrenz beteiligt.

Experten sehen einen möglichen Grund dafür in der Konstellation des einen oder anderen Falles. Vor allem wenn die beteiligten Konzerne hoch verschuldet sind, bestehen die kreditgebenden Banken offenbar darauf, selbst nach Käufern zu suchen und ihre Darlehensnehmer zu beraten, statt das Geschäft Wettbewerbern zu überlassen.

Ein weiteres Problem, unter dem Goldman Sachs in Deutschland leidet, ist die allgemeine Flaute auf dem Private-Equity-Markt, also dem Geschäft, in dem sich Finanzinvestoren an Unternehmen beteiligen mit dem Ziel, sie beispielsweise nach einer Restrukturierung wieder teurer verkaufen zu können. Goldman Sachs hat in Deutschland sowohl selbst investiert als auch viele Investoren beraten sowie mit Finanzierungen versorgt.

Zudem haben sich die eigenen Beteiligungen nicht immer glorreich entwickelt. So ging etwa der Modelleisenbahnbauer Märklin insolvent, den Goldman gemeinsam mit dem britischen Finanzinvestor Kingsbridge besaß. Beim Staplerhersteller Kion, den Goldman 2006 gemeinsam mit dem Finanzinvestor KKR übernommen hatte, müssen die Investoren wegen starker Auftragsrückgänge einen dreistelligen Millionenbetrag nachschießen.

Schon wittert der eine oder andere Konkurrent Morgenluft und hofft, sich vor allem im Beratungsgeschäft bei Übernahmen und Fusionen ein größeres Stück vom Kuchen herausschneiden zu können. „Ich glaube, dass im Augenblick Banken, die nicht nur beraten und Finanzierungen organisieren, sondern auch selbst große Kredite zur Verfügung stellen, einen Vorteil haben“, sagt ein langjähriger Branchenkenner.

Kritiker merken auch an, dass das Unternehmen stark – möglicherweise zu stark – auf Dibelius ausgerichtet sei. Manche Kunden wollten nur mit ihm arbeiten. Der 49-Jährige macht zwar keine Anstalten, seinen Stuhl zu räumen. Dennoch fragen sich viele, wer ihm eines Tages einmal nachfolgen soll. Immerhin hat Dibelius vor wenigen Tagen mit dem 43-jährigen Philip Holzer einen offiziellen Stellvertreter ernannt.

Dass Goldman Sachs in absehbarer Zeit schwer unter die Räder kommt, glaubt allerdings auch in Frankfurt niemand. „Machen wir uns nichts vor“, sagt ein Top-Investmentbanker eines Konkurrenten. „Wenn die für einen Deal noch Verstärkung brauchen, dann fliegen sie halt ein paar zusätzliche Leute aus New York oder London ein.“

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