Investoren-Tour: Schott Solar: Goldesel an die Börse

KommentarInvestoren-Tour: Schott Solar: Goldesel an die Börse

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Es kommentiert WirtschaftsWoche-Redakteur Mark Böschen

Wer trotz des aktuellen Börsensturms einen Börsengang plant, ist entweder wagemutig bis tollkühn - oder hat sehr gute Verkaufsargumente. "Mut ist uns nicht fremd", sagte Schott-Solar-Chef Martin Heming heute zum Start seiner Werbetour bei Investoren für den Handelsbeginn am 19. September. Ein Kommentar von WirtschaftsWoche-Redakteur Mark Böschen.

Das zeige der Einstieg des Glasherstellers Schott in das Solargeschäft im Jahr 2001, als Energie noch nicht das Investorenthema Nummer eins war und ein Faß Öl nicht wie heute mehr als 100 Dollar, sondern unter 20 Dollar kostete. Mutig auch, dass Schott auf Solarthermie setzte, eine damals auch verglichen mit Solarzellen exotische Technik. Heute ist Schott einer von nur zwei Anbietern von Glasröhren, in denen bei solchen Sonnenwärmekraftwerken das Licht in Energie umgewandelt wird. Die Ebitda-Marge liegt hier mangels Konkurrenz bei 30 Prozent. Kein Wunder, das die Konsortialanalysten von Schotts Goldesel sprechen.

Noch macht Solarthermie aber nur ein Sechstel des Umsatzes aus. Den Rest bringen Solarzellen. Hier könnten Anleger fragen: "Noch ein Photovoltaik-Hersteller, warum das denn?", räumte Heming ein. Der TecDax bietet bereits viel Auswahl für Investoren, und Schotts Zellproduktion litt bis vergangenes Jahr darunter, dass die Firma nicht ausreichende Mengen des Vorprodukts Silizium gesichert hatte. Im vergangenen Quartal lag die Ebitda-Marge hier endlich bei in der Branche erwarteten 20 Prozent, dank besserer Siliziumversorgung soll das so bleiben, ließ Schott durchblicken.

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Allerdings erwarten Analysten 2009 aufgrund des branchenweiten Kapazitätsausbaus einen Preisrutsch bei Solarmodulen von zwanzig Prozent, was die Marge gleich wieder drücken könnte. Um Anleger zu locken, muss Schott einen kräftigen Bewertungsrabatt zu Konkurrenten wie Solarworld bieten, die Deutsche Bank erwartet in einer Studie 20 Prozent Abschlag zu diesem Börsenrivalen. Rabatt ist auch gefragt, weil die Konzernmutter Schott AG die Mehrheit behalten will und daher anders als bei mancher Solaraktie die kurstreibende Übernahmefantasie fehlt.

Auf einen Kursprung wie bei Ersol nach dem Einstieg von Schott kann kein Anleger hoffen. Das Debüt soll bis zu 690 Millionen Euro für Schott Solar und die Konzernmutter Schott AG einbringen. Es ist bedauerlich, dass die Solartochter nicht die gesamte Kapitalerhöhung von rund 500 Millionen Euro behalten darf, sondern ein Drittel davon zur Rückzahlung einer Dahrlehens an die Mutter verwenden soll. Das verengt den Raum für Investitionen - und läßt keinen Platz für Rückschläge, etwa beim Ausbau der Siliziumversorgung. Dass Schott den Start trotz des Börsensturms schafft, ist dennoch wahrscheinlich. Denn außer Mut hat das Management auch einige Kaufargumente vorzuweisen.

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