_

Irak: Erdöl: Sabotage im Norden

von HANS JAKOB GINSBURG

Ein Vierteljahr nach dem Irakkrieg ist der Ölpreis auf den Weltmärkten natürlich nicht mehr so hoch wie zur Zeit der Nervosität vor Kriegsausbruch, aber doch wieder viel höher als in den euphorischen Wochen seit dem Fall von Bagdad.

dpa
Die irakischen Ölanlagen sind veraltet.

In Ceyhan tut sich endlich wieder was.Seit vergangenem Sonntag laufen Tanker den Hafen des türkischen Mittelmeerstädtchens an und bunkern irakisches Erdöl. Käufer der ersten viereinhalb Millionen Barrel sind der türkische Raffineriebetreiber Tupras und die spanischen Energiekonzerne Cepsa und Repsol. Ceyhan ist der Endpunkt der großen irakischen Pipeline nach Europa, durch die Öl wieder fließen soll wie vor Beginn des Irakkrieges im März. Das aber ist noch ganz unklar. Noch im Mai glaubten Optimisten, mit dem Kriegsende müsse viel mehr Öl auf den Markt kommen – ernst gemeinte Schätzungen sahen den Ölpreis bis auf sechs Dollar für das Fass fallen. In den ersten Wochen nach Kriegsende fiel der Ölpreis tatsächlich – bis deutlich wurde, wie weit der Weg zu halbwegs sicheren Verhältnissen im Irak noch ist. Paul Bremer, der Chef der amerikanischen Zivilverwaltung in Bagdad, spricht unwillig von „Plünderern und Saboteuren“, die „gezielte Angriffe auf Ölproduktion und Stromleitungen“ unternähmen, versucht aber immer noch, den Optimisten Argumente zu liefern. „Der Irak sollte in der zweiten Jahreshälfte Erdöl im Wert über fünf Milliarden Dollar exportieren“, versichert George W. Bushs Mann in Bagdad. Produktionsrückgang durch Kriegsschäden Rechnet man nach, wären das bei einem Erdölpreis von 25 Dollar für das Barrel aber nur 1,1 Millionen Barrel pro Tag. Keine wirkliche Verbesserung: In den letzten Monaten unter Saddam Hussein wurden täglich zwei Millionen exportiert. Derzeit beläuft sich die irakische Produktion auf ungefähr 750 000 Barrel täglich. Der Rückgang hat mit Organisationsproblemen nach dem Regimewechsel zu tun, aber vor allem mit Zerstörungen: durch amerikanische Angriffe während des Krieges wie durch Beschädigungen in der Nachkriegsphase. Nicht nur durch Plünderer: Vor zwei Wochen unterbrachen zwei gleichzeitige Explosionen den noch spärlichen Ölfluss auf der Pipeline nach Ceyhan, am Wochenende wurde die Pipeline nach Syrien schwer beschädigt. „Sabotage“, erklärt North Oil, das irakische Staatsunternehmen, dem die Ölförderung rund um Mosul und Kirkuk untersteht. Weil in den vergangenen zwei Wochen nördlich von Bagdad US-Soldaten und Irakis fast jeden Tag aufeinander schossen, hält niemand den Öltransport Richtung Türkei oder Syrien noch für sicher. Einen Ausweg Richtung Südirak hat die North Oil nicht. Die so genannte Strategische Pipeline zwischen den Ölfeldern im nordirakischen Kurdistan und im südlichen Sumpfgebiet bei Basra ist seit dem Krieg praktisch unbrauchbar. Eine zentrale Pumpstation an der Pipeline ist während des Krieges bei einem amerikanischen Luftangriff zerstört worden, klagt Adil al-Qazzaz, Generalmanager von North Oil. Nach seiner Ansicht wird es darum mindestens 2004 werden, bis das Öl aus den Feldern bei Kirkuk und Mosul auch wieder über Mina al-Bakr exportiert werden kann, den einzigen Seehafen des Landes. Solange bleibt nur der unsichere Weg zum Mittelmeer.

Anzeige
weitere Fotostrecken

Blogs

Was die Bahn bewegte: Rückblick auf die Woche 21
Was die Bahn bewegte: Rückblick auf die Woche 21

Viel passiert ist nicht. Die nachrichtenarme Zeit haben Institutionen und Verbände genutzt, um auf den desolaten Zustand...

    Folgen Sie uns im Social Web

Das Aktuelle Heft

Wirtschaftswoche

WirtschaftsWoche 21 vom 18.05.2013

iTunes Vorschau - WirtschaftsWoche

WirtschaftsWoche Shop

Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.