300 Millionen Dollar: Warum ein saudischer Prinz bei Twitter einsteigt

300 Millionen Dollar: Warum ein saudischer Prinz bei Twitter einsteigt

, aktualisiert 19. Dezember 2011, 12:05 Uhr
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Der saudiarabische Milliardär Alwalid bin Talal beteiligt sich am schnellwachsenden Kurznachrichtendienst Twitter.

von Stephan DörnerQuelle:Handelsblatt Online

Im Gegensatz zu anderen Facebook-Konkurrenten bleibt Twitter für Investoren attraktiv. Nun steigt der saudische Prinz Alwaleed Bin Talal beim Kurznachrichtendienst ein. Warum sich Twitter gegen Facebook behaupten kann.

DüsseldorfDer Kurznachrichtendienst Twitter erhält eine weitere Finanzspritze: Diesmal investiert der saudische Prinz Alwaleed Bin Talal 300 Millionen Dollar in den Social-Media-Dienst. Wie viel Prozent von Twitter sich der Prinz mit diesem Geld sicherte, ist unbekannt. Unter Berücksichtung der jüngsten Daten von Analysten zum aktuellen Wert von Twitter in Höhe von acht Milliarden Dollar entspricht diese Beteiligung knapp 3,8 Prozent. Beim letzten Verkauf von Anteilen des nicht börsennotierten Unternehmens war Twitter mit rund 8,4 Milliarden Dollar bewertet worden.

Das ist viel Geld für das 2006 gegründete Unternehmen, das nach Schätzungen von Branchenexperten 2011 einen Gewinn zwischen 100 und 110 Millionen Dollar erreichen wird. Lange war der Kurznachrichtendienst bei Investoren beliebt, ohne überhaupt ein Geschäftsmodell vorweisen zu können.

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Prinz Alwaleed zählt zu den reichsten Menschen der Welt. Das Magazin „Forbes“ führt ihn in seiner aktuellen Rangliste auf Platz 26 mit einem geschätzten Vermögen von knapp 20 Milliarden Dollar. Er ist auch an diversen großen US-Unternehmen wie General Motors oder Apple beteiligt.

Mit dem Ankauf baut der umtriebige Prinz sein Standbein in der Medienbranche aus. Der Neffe des saudischen Königs hält über seine Kingdom Holding bereits sieben Prozent an News Corp und plant die Gründung eines eigenen Kabelsenders.


Kingdom-Aktien legen zu

Die Aktien von Kingdom Holding legten mehr als sieben Prozent zu. Analyst Hescham Tuffaha begrüßte den Anteilskauf: „Die Technologiebranche gehörte in den vergangenen drei Jahren zu einem der wenigen Sektoren, der deutliche Umsatzgewinne verzeichnet hat. Deswegen ist Twitter eine gute Ergänzung zum diversifizierten Portfolio von Kingdom.“

Erst im August erhielt Twitter frisches Geld durch den russischen Investor Mail.ru (früher Digital Sky Technologies DST). Das Unternehmen beteiligte sich mit 400 Millionen Dollar, berichtete das „Wall Street Journal“ unter Berufung auf eingeweihte Personen. Twitter bestätigte die neue Finanzierungsrunde, nicht aber die Höhe des Investments.

Unternehmen versuchen den Twitter-„Buzz“ zu nutzen

Die Nutzung des Twitter-Dienstes ist kostenlos, doch das Unternehmen nutzt seit einiger Zeit die zentrale Rolle, die es für die Verbreitung von Trend im Netz spielt. Worüber viel gezwitschert wird bei Twitter, das taucht rechts in den „Trending Topics“ auf. Einen Platz unter den begehrten Twitter-Themen können sich Unternehmen seit April 2010 kaufen – durch „Promoted Tweets“. Die Hoffnung der Unternehmen ist dabei, dass sie damit nicht nur auf Twitter wahrgenommen werden, sondern auch eine Diskussion über ihr Produkt in Gang setzen – und damit von der Macht des sozialen Mediums profitieren. Oft genug funktioniert das auch, zumindest wenn es sich um ein Produkt handelt, das unter Twitter-Nutzern auf Interesse stößt.

Für 2012 erwarten die Analysten von eMarketer aufgrund neuer Werbeformen sogar einen Gewinnsprung auf 250 Millionen Dollar. Damit würde Twitter die Nummer zwei im Social Web – noch weit hinter Facebook aber vor dem einst mächtigen MySpace-Netzwerk.


Twitter überlebt im Social Web dank Nische

Anders als andere soziale Netzwerke wie StudiVZ oder MySpace, die beständig Nutzer verlieren, kann sich Twitter neben dem dominanten Dienst Facebook behaupten, da es überwiegend zu einem anderen Zweck genutzt wird. Während Facebook seinen Nutzern vor allem erlaubt, sich mit Freunden auszutauschen, wird Twitter eher als Nachrichtenfilter genutzt. Anders als bei Facebook gibt es keine Freundschaften, sondern Abonnements – und die beruhen nicht auf Gegenseitigkeit. Jeder Nutzer wählt frei aus, die Nachrichten welcher anderen Nutzer er abonniert, ohne, dass diese seine Nachrichten abonnieren müssen.

Schlüssel zum Verständnis des Nachrichten-Netzwerks sind dabei die „Retweets“, das Wiederholen von Nachrichten anderer. Durch Retweets werden vor allem solche Kurznachrichten weitergetragen, die den Nutzern interessant, nützlich oder witzig erscheinen. Somit dient Twitter als eine Art natürliche Auslese für Nachrichten: Was vielen wichtig erscheint, wird häufig retweetet und verbreitet sich so in Windeseile. Die Mehrzahl der Nachrichten, die User für unwichtig halten, verhallen dagegen fast ungelesen im Strom der Millionen von Twitter-Nachrichten, die täglich durch das Netz rauschen. Sie werden ausschließlich bei denjenigen angezeigt, welche die Nachrichten Autors direkt abonniert haben.

Twitter wächst immer noch kräftig. Die Zahl der täglichen Mitteilungen stieg laut Unternehmensangaben von August innerhalb von einem Jahr von rund 60 Millionen auf 200 Millionen Nachrichten bei rund 100 Millionen Nutzern. Damit spielt Twitter immer noch in einer anderen Liga als das bei Investoren mit rund 50 Milliarden Dollar bewertete Facebook. Allerdings gelten bei Twitter aktive Nutzer als besonders interessiert, informiert und vernetzt. Wer sie erreicht, beeinflusst zu großen Teilen klassische „Opinion Leader“.

Mit Material von Reuters

Quelle:  Handelsblatt Online
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