Abwehr von Cyberangriffen: "Wir brauchen mehr Sicherheitsprodukte"

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InterviewAbwehr von Cyberangriffen: "Wir brauchen mehr Sicherheitsprodukte"

von Jürgen Berke

Cornelia Rogall-Grothe, Vorsitzende des Nationalen Cybersicherheitsrates, will Cyberangriffe durch heimische Produkte in lebenswichtigen Infrastrukturen abwehren.

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Carolina Rogall-Grothe

Wirtschaftswoche: Frau Rogall-Grothe, die Bundesregierung will Unternehmen besser vor Cyberangriffen schützen. Für hochsensible Bereiche wie Strom- und Telekommunikationsnetze empfehlen Sie, stärker als bisher IT-Systeme und Produkte von Herstellern aus Deutschland oder Europa zu kaufen, die als vertrauenswürdig gelten. Was versprechen Sie sich von diesem Vorstoß?

Rogall-Grothe: Für den Wirtschaftsstandort Deutschland ist sehr wichtig, dass wir unsere technische Souveränität erhalten. In Deutschland traditionell starke Industriezweige wie der Maschinenbau wachsen immer enger mit der Informationstechnik zusammen. Deswegen benötigen wir eigenes IT-Know-how. Das gilt auch für besonders sensible und schutzbedürftige staatliche Stellen, die dem Geheimschutz unterliegen – und für lebenswichtige Infrastrukturen wie Strom- und Telekommunikationsnetze. Dort sollten Behörden und Unternehmen verstärkt vertrauenswürdige Produkte von Herstellern aus Deutschland oder Europa einsetzen.

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In den neuen Sicherheitsanforderungen für Telekommunikationsnetze hat die Bundesnetzagentur erstmals den Passus aufgenommen, dass die Betreiber auf den Einsatz von Einrichtungen vertrauenswürdiger Hersteller achten sollten. Bislang gab es solch eine Vorschrift nicht. Dürfen Netzbetreiber jetzt nicht mehr bei chinesischen Ausrüstern einkaufen?

Die Unternehmen sollten sich bei der Beschaffung von ITK-Produkten für den Einsatz in öffentlichen Telekommunikationsnetzen jedenfalls auch Gedanken über die Vertrauenswürdigkeit der Hersteller dieser Produkte machen und diese – neben den Fragen der technischen Reife und der Kosten – in die Auftragsvergabeentscheidung mit einbeziehen.

Zur Person

  • Cornelia Rogall-Grothe

    Rogall-Grothe, 63, ist seit 2010 Staatssekretärin im Bundesinnenministerium und koordiniert als Beauftragte der Bundes- regierung die IT-Anschaffungen. Die Juristin begann 1977 als Referentin im Ministerium und leitet seit Mai 2011 als Vorsitzende den Nationalen Cybersicherheitsrat.

Bei wichtigen Komponenten im Internet wie Computerchips, Betriebssystemen und Vermittlungsanlagen sind ausländische Anbieter Marktführer. Wie wollen Sie deren Vormachtstellung aufbrechen?

Bei Sicherheitschips gehören deutsche Unternehmen bereits mit zu den Marktführern. Wir wollen auch bei anderen Komponenten auf der globalen Ebene mitspielen. Deshalb diskutieren wir, welchen Beitrag der Staat leisten kann. Wir haben eine freie Wirtschaftsordnung. Trotzdem müssen wir uns geeignete Maßnahmen überlegen, wie der Staat die Industrie dabei unterstützen kann, sich in puncto IT-Sicherheit robust aufzustellen und dabei das in Deutschland vorhandene Potenzial zu nutzen.

Welche Sicherheitsrisiken schlummern denn in Produkten ausländischer Anbieter? Hinter vorgehaltener Hand warnen Sicherheitsbehörden, dass ausländische Geheimdienste gut getarnte Hintertüren in die Software einbauen, die zur Spionage und Sabotage genutzt werden können.

Die Hintertüren sind sicher ein Problem, das wir im Blick haben müssen. Gut getarnte Hintertüren in Hardware, Software und ganzen IT-Systemen sind mit vertretbarem Aufwand kaum auffindbar. Aber genauso wichtig ist für uns die 100-prozentige Verfügbarkeit der Produkte. In einigen Staaten gibt es Ausfuhrkontrollen, ein Export der wichtigen Komponenten zum Betrieb einer kritischen Infrastruktur könnte also unterbunden werden. Die Produkte oder wichtige Ersatzteile wären dann nicht mehr lieferbar.

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