Acer: "Der Wettbewerb ist brutal"

Acer: "Der Wettbewerb ist brutal"

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Acer-Europa-Chef Ahrens: Die magische Grenze beim Ultrabook ist 599 Dollar.

Der neue Europa-Chef des taiwanesischen PC-Herstellers Acer will Marktanteile zurückgewinnen – aber nicht um jeden Preis. Er hofft auf einen Boom bei Ultrabooks und will kostenlose Cloud-Dienste anbieten.

WirtschaftsWoche: Herr Ahrens, Acer hat im vergangenen Jahr in Europa nach Jahren profitablen Wachstums Marktanteile verloren und ist in die Miesen gerutscht. Wie konnte das passieren?

Oliver Ahrens: Wir sind jahrelang mit Volldampf gewachsen und haben den Markt Ende 2010 und Anfang 2011 zu optimistisch eingeschätzt. Die überschüssigen Geräte standen bei den Händlern und mussten abverkauft werden, was den Vertrieb neuer Ware behindert hat. Zudem ist 2011 auch noch der PC Markt in Europa geschrumpft. Beide Faktoren haben uns in die von Ihnen erwähnte mißliche Lage gebracht.

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Was ist Ihr wichtigstes Ziel als neuer Europa-Chef?

Natürlich die Marktanteile zurückzuholen. Allerdings nicht um jeden Preis, sondern auf profitablem Weg über innovative Produkte und neue Technologie. Derzeit haben wir laut dem Marktforschungsunternehmen Gartner rund siebzehn Prozent Markanteil in Europa bei Notebooks und PCs. Ziel ist es, diesen auf mindestens 25 Prozent zu steigern.

Wie wollen Sie Marktanteile zurückerobern?

Zunächst mal müssen wir hier in Europa Strukturen und Prozesse schaffen, die profitables Wachstum ermöglichen.

Was heißt das genau?

Wir müssen lernen, die aktuelle Marktsituation besser zu nutzen. Wie viele Produkte sind im Handel? Was wird abverkauft? Die Zeiten des ewigen Marktwachstums sind erstmal vorbei, wir müssen daher exakt die Nachfrage einschätzen können. In Märkten wie China wissen wir genau, was wir im Bestand haben und können darauf tagesaktuell reagieren. Bei der Einführung unseres Aspire S3 Ultrabooks beispielsweise prophezeite uns die Presse, dass dies viel zu teuer wäre. Unsere Händler waren extrem skeptisch. Die Kunden hingegen lieben das Produkt und haben es wie verrückt gekauft. Durch die Transparenz unserer Vertriebskanäle konnten wir daraufhin schnell auf die höhere Nachfrage reagieren.

Und in Europa konnte Acer solche Daten nicht abfragen?

Nicht in allen Regionen. Aber wir sind gerade dabei, das zu ändern.

Sie haben zuvor das China-Geschäft von Acer geleitet und den Umsatz von 570 Millionen Dollar auf 2,3 Milliarden Dollar erhöht. Intel-Chef Paul Otellini gerät schier in Ekstase, wenn er über die Chancen in China referiert. Warum sind Sie in so einer Situation nach Europa gewechselt?

Mein Job war, das Geschäft in China aufzubauen. Das habe ich erreicht. Es ist ein wunderbarer, dynamischer Markt. Aber letztendlich müssen auch Manager, die aus der Region stammen, das Geschäft  führen, nur so garantieren wir Marktnähe. Das ist eine  unserer zentralen weltweiten Strategien. Und die Aufgabe in Europa ist eine spannende Herausforderung.

Sie sind seit zwanzig Jahren in der Computerbranche tätig. Der Wettbewerb im Consumergeschäft ist hart. Kann man da noch nennenswert Geld verdienen?

Der Wettbewerb ist brutal. Uns hat stark gemacht, dass wir bei der Technologie immer den Konkurrenten einen Schritt voraus waren, also bessere Displays hatten oder längere Batterielaufzeiten vor allen anderen. Im vergangenen Jahr hat diese Strategie wegen der Überbestände  gelahmt. Wir  konnten aufgrund dessen nicht wie gewohnt den Markt mit Innovationen und neuen Technologien steuern. Die Quittung des Marktes kam entsprechend. Wie auch immer, das ist Geschichte. Wir haben als erster PC Hersteller ein Ultrabook eingeführt und gerade das flachste und leichteste Ultrabook der nächsten Generation vorgestellt. Das ist immens wichtig. Solange man im PC Markt zwei Wochen bis drei Monate vorm Wettbewerb liegt, kann man gutes Geld verdienen. Für alle, die langsamer sind, wird es schwierig.


Amazon drängt mit seinem 199 Dollar Tablet-PC Kindle Fire derzeit offensiv in den Markt. Man will nicht mit der Hardware, sondern mit Inhalten Profit zu machen. Kann man da als Hardware-Hersteller mithalten?

Für Amazon ist der Schritt verständlich. Mit der Ausnahme von Apple bauen alle großen PC-Hersteller auf eine offene Welt, mit vielen Anbietern von Inhalten aus verschiedensten Quellen. Wir wollen auch weiterhin mit Hardware Geld verdienen. Ergänzend werden wir in Kürze eigene, kostenlose Cloud-Dienste anbieten. Die im übrigen auch mit Geräten des Wettbewerbs kompatibel sind. Wir sehen das als Verbesserung des Produktnutzens für unsere Kunden, um unsere Produkte noch attraktiver zu machen. Wir wollen mit dem Service an sich kein Geld verdienen.

Also braucht man als Hardware-Hersteller keine eigenen Inhalte?

Ich denke nicht. Beim Kindle Fire von Amazon ist die spannende Frage, wie Kunden das Gerät, dessen Funktionen ja eingeschränkt sind, nutzen. Werden sie den Kindle Fire mehr zum Medienkonsum verwenden und zum Browsen im Internet und Verfassen von Dokumenten lieber zum Notebook greifen? Ich denke, dass das Notebook attraktiv bleibt. Aber wir beobachten das natürlich genau.

Intel und die PC-Hersteller setzen große Hoffnungen auf das sogenannte Ultra-Book, ein sehr dünnes und leichtes Notebook. Ein Markt, den Apple mit seinem Macbook Air schon seit zwei Jahren dominiert. Wie schwer ist es, gegen Apple anzutreten?

Weltweit ist die Präsenz von Apple nicht so stark wie man denkt. Apple hat zwar deutlich Marktanteile zugelegt. Der liegt im Notebook-Bereich derzeit bei 6,4 Prozent weltweit. Wir liegen wegen der Schwäche im vergangenen Jahr bei 13 Prozent, früher waren es 17 Prozent. Der Abstand zu Apple ist also sehr groß. Und über neunzig Prozent der Käufer weltweit nutzen Windows, alles potentielle Ultrabook-Kunden.

Es ist Acers und auch Intels erklärtes Ziel, das Ultrabook so schnell wie möglich in den Mainstream-Markt zu bringen. Aber das muss kostenmäßig auch darstellbar sein.

Wohin muss sich der Preis dafür bewegen?

Momentan liegt er beim Ultrabook bei mindestens 799 Dollar. Die magische Grenze ist 599 Dollar.

Wann könnte man diese erreichen?

Vielleicht schon im Laufe des Jahres.

Der ehemalige Acer-Chef Gianfranco Lanci verließ im März vergangenen Jahres im Streit das Unternehmen. Nun hat ihn Konkurrent Lenovo als neuen Europa-Chef berufen. Was ist das für ein Gefühl gegen den langjährigen Chef direkt anzutreten?

Es ist eine interessante Konstellation. Ich schätze ihn sehr, aber offen gesagt hätte ich es bevorzugt, wenn er in den Ruhestand gegangen wäre. Lanci ist ein fähiger Mann und er kennt Acer sehr gut. Aber wir kennen ihn auch. Ich freue mich auf den Wettbewerb.

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