Actionspiele: Mit dem Panzertaxi durch London

Actionspiele: Mit dem Panzertaxi durch London

, aktualisiert 19. November 2011, 09:41 Uhr
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Marketingaktion von Electronic Arts für das Spiel Battlefield 3.

Quelle:Handelsblatt Online

Mit aufwendigen Computerspielen und viel Marketing kämpfen zwei US-Hersteller um die Gunst der Kundschaft. Von Krise ist dabei nichts zu spüren, die Umsätze steigen stetig.

DüsseldorfWenn es um Werbung für das eigene Produkt geht, fährt John Riccitiello gerne schweres Geschütz auf. Der Firmenchef der amerikanischen Spieleschmiede Electronic Arts ließ kürzlich tonnenschwere Panzer durch die Londoner Innenstadt rollen, um für sein neuestes Spiel zu werben. Die Werbeoffensive war erfolgreich: Das Actionspektakel „Battlefield 3“ verkaufte sich binnen einer Woche zehn Millionen Mal – und das bei einem Preis von etwa 60 Euro pro Packung.

Die Käufer ließen sich auch von der umstrittenen Spähsoftware namens „Origin“ nicht abschrecken, die mit dem Spiel installiert wird. Sie protokolliere die Computernutzung und sei rechtswidrig, kritisieren Datenschützer. Die Fans griffen trotzdem zu. „Noch nie hat sich ein Actionspiel in Deutschland in den ersten zwei Wochen besser verkauft“, sagt der deutsche Electronic-Arts-Chef Olaf Coenen.

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Doch ausgerechnet vom Erzrivalen Activision wird Electronic Arts gerade ausgestochen. Der weltgrößte Spielekonzern bricht derzeit mit „Call of Duty – Modern Warfare 3“ sämtliche Verkaufsrekorde. In den ersten 24 Stunden wurden allein in den USA und Großbritannien 6,5 Millionen Kopien des Spiels abgesetzt. Das Unternehmen schätzt den Umsatz auf 400 Millionen US-Dollar. Dagegen sieht sogar „Harry Potter und der Halbblutprinz“ alt aus. Der bis heute erfolgreichste Film spielte am Premierenwochenende 394 Millionen Dollar ein.

Während Activision in der Vergangenheit den Löwenanteil des ertragreichen Herbstgeschäfts alleine für sich beanspruchen konnte, geht Electronic Arts mit „Battlefield 3“ diesmal auf Konfrontationskurs. Beobachter haben den „Kalten Krieg der Killerspiele“ ausgerufen.

Die Branche ist den Kinderschuhen entwachsen: Alleine in Deutschland werden in diesem Jahr etwa zwei Milliarden Euro für Computerspiele ausgegeben, schätzen die Unternehmensberater von PricewaterhouseCoopers.

„Computerspiele sind in der Mitte der Gesellschaft angekommen“, sagt der Branchenexperte Klaus Böhm von Deloitte. „Sie haben sich als eigenständiges Medium etabliert, das der Nutzung von Fernsehen, Zeitungen oder Radio Konkurrenz macht.“ Von der Wirtschaftskrise sei bis jetzt nichts zu spüren.

Trotzdem steht die Industrie vor einem Umbruch. Denn nach jahrelanger Expansion wächst das Segment der klassischen „Boxed Games“ kaum noch. So heißen die mit horrendem Aufwand produzierten Spiele, die auf DVD- oder Blu-Ray-Datenträgern vertrieben werden.

Sie machen zwar noch immer den Löwenanteil des Geschäfts aus, doch immer mehr Kunden bevorzugen Onlinespiele, die kostenlos heruntergeladen werden können. Wer sich Zusatzfunktionen freischalten möchte, muss dagegen Geld für virtuelle Güter ausgeben. Damit verkaufen die Firmen nicht mehr die eigentlichen Spiele, sondern die Inhalte dafür.

Die Spieleriesen Electronic Arts und Activision haben auf diesen Trend erst spät reagiert. Umso mehr sind sie im traditionellen Herbstgeschäft auf den Erfolg ihrer Blockbuster-Titel angewiesen.

Beispiel Activision: Obwohl Firmenchef Robert Kotick in der letzten Woche für das dritte Quartal einen operativen Gewinn von 162 Millionen Dollar verkündete, brach der Aktienkurs am selben Tag um 6,5 Prozent ein. Denn Kotick musste einräumen, dass sich immer weniger Spieler für das betagte Online-Rollenspiel „World of Warcraft“ begeistern können, das bis dato als Gewinngarant galt.

Der Erfolg von „Battlefield“ und „Modern Warfare“ zeigt allerdings auch, dass die Zeit der aufwendig produzierten Ballerspiele noch längst nicht vorbei ist. Kein Wunder also, dass beide Kontrahenten bereits die Fortsetzungen angekündigt haben: Schon im nächsten Herbst könnten die Panzer wieder über die virtuellen Schlachtfelder rollen.


Quelle:  Handelsblatt Online
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