AGB unter der Lupe: Verbraucherzentralen mahnen Facebook ab

AGB unter der Lupe: Verbraucherzentralen mahnen Facebook ab

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Im Visier der Verbraucherschützer: Das Logo von Facebook auf einem Smartphone.

Quelle:Handelsblatt Online

Mit seinen neuen Nutzungsbedingungen hat Facebook viel Kritik auf sich gezogen – nun droht juristischer Ärger: Verbraucherschützer haben das soziale Netzwerk abgemahnt. Auch an einem Werbeslogan stoßen sie sich.

Der Bundesverband der Verbraucherzentralen hat das Online-Netzwerk Facebook abgemahnt. Nach Auffassung der Verbraucherschützer verstoßen 19 Klauseln aus den Nutzungsbedingungen und der Datenschutzrichtlinie von Facebook gegen geltendes Recht.

Der Verband kritisiert insbesondere die Auswertung von Nutzerdaten zur Verknüpfung mit Werbung. „Für den Verbraucher erschließt sich nicht auf den ersten Blick, wann welche Daten für welche Zwecke verwendet werden“, erklärte der Verband. Nach deutschem Recht dürfen Unternehmen persönliche Daten nur verwerten, wenn die Nutzer dem zustimmen. Diese Einwilligung fehle bei Facebook.

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Die Verbraucherschützer werfen Facebook außerdem vor, das eigene Geschäftsmodell zu verharmlosen. „Facebook ist und bleibt kostenlos“, heißt es auf der Anmelde-Seite des Netzwerks. „Nutzerinnen und Nutzer zahlen zwar kein Geld für die Benutzung von Facebook. Dafür nutzt Facebook sämtliche Daten der Nutzer und verkauft diese in Form von personalisierten Werbeplätzen an werbetreibende Unternehmen“, erklärte der Verbraucherzentralen Bundesverband. Die Informationen über die Nutzer seien für Facebook „bares Geld“ wert.

Facebook und Twitter im Faktencheck

  • Fakten

    Gegründet

    Facebook: Februar 2004

    Twitter: März 2006
    Mitarbeiter

    Facebook: 5300

    Twitter: 1300
    Börsengang

    Facebook: Mai 2012

    Twitter: November 2013

  • Nutzer

    Aktive Nutzer pro Tag (in Millionen)

    Facebook: 728

    Twitter: 100
    Aktive Nutzer pro Monat (in Millionen)

    Facebook: 1189

    Twitter: 232
    Nutzerwachstum vergangene 2 Jahre

    Facebook: 49 %

    Twitter: 130 %

  • Markt

    Marktanteil mobile Werbung in den USA 2013, geschätzt

    Facebook: 16 %

    Twitter: 3,2 %
    Marktanteil mobile Werbung global 2013, geschätzt

    Facebook: 16,9 %

    Twitter: 2,4 %

    Durchschnittlicher Umsatz pro Nutzer

    Facebook: 1,7 $

    Twitter: 0,7 $

    Wachstum des Umsatzes pro Nutzer über 2 Jahre

    Facebook: 39 %

    Twitter: 177 %

  • Geschäftszahlen

    Umsatz 2013, geschätzt

    Facebook: 7630 Mio.$

    Twitter: 639 Mio.$
    Umsatz 2014, geschätzt

    Facebook: 10.383 Mio.$

    Twitter: 1120 Mio.$

    Kassenbestand aktuell2

    Facebook: 7270 Mio.$

    Twitter: 310 Mio.$

    freier Cash-Flow 2013, geschätzt¹

    Facebook: 377 Mio.$

    Twitter: -79 Mio.$

    Ausgaben für Unternehmenskäufe, geschätzt

    Facebook: 1523 Mio.$

    Twitter: 641 Mio.$

    1 freie Mittel, zum Beispiel zur Dividendenzahlung, negative Werte können durch hohe Investitionen entstehen

  • Börsenkenndaten

    Börsenwert

    Facebook: 146.090 Mio.$

    Twitter: 35.407 Mio.$
    Kurs-Umsatz-Verhältnis 2013, geschätzt

    Facebook: 19

    Twitter: 55

    Gewinn pro Aktie 2013, geschätzt

    Facebook: 0,59 $

    Twitter: -0,99 $

    Gewinn pro Aktie 2014, geschätzt

    Facebook: 0,85 $

    Twitter: -0,54 $

    Einnahmen aus dem Börsengang

    Facebook: 18.420 Mio.$

    Twitter: 2090 Mio.$

    Anteil bereits handelbarer Aktien

    Facebook: 98,1

    Twitter: 14,5

    6 in Prozent des Aktienkapitals, ohne Optionen

Bundesverbraucherminister Heiko Maas (SPD) begrüßte den Schritt. „Es ist gut, dass die Datenschutzbestimmungen von Facebook jetzt rechtlich überprüft werden", erklärte er in Berlin. Der vzbv greife "berechtigte Kritikpunkte“ auf.

Maas bezeichnete die Formulierungen in Facebooks Datenschutzbestimmungen als „zu unkonkret“. Nutzer wüssten daher nicht, welche Daten erhoben und wie sie verwendet werden. „Facebook lässt sich pauschal umfassende Möglichkeiten einräumen, ohne dass dies für die Nutzer transparent ist“, kritisierte der Minister. Facebook hatte Ende Januar diverse Nutzungsbedingungen aktualisiert. Ein wesentlicher Bestandteil sind Werbeanzeigen. Das soziale Netzwerk will seine Werbung noch stärker auf die Nutzer zuschneiden und in diesem Zusammenhang auch deren Surfverhalten außerhalb von Facebook auswerten.

Facebook in Zahlen

  • Transparenz dank Börsengang

    Facebook war lange verschwiegen, wenn es um die Geschäftszahlen ging. Das hat sich mit dem Börsengang im Mai 2012 geändert – nun muss das Unternehmen die Börsianer genau informieren. Die Dokumente offenbaren zudem einen Blick in die ersten Jahre des Sozialen Netzwerks. Die wichtigsten Erkenntnisse auf einen Blick.

  • Schon früh profitabel

    In den ersten Jahren verlor Facebook zwar Geld – wie fast alle Startups. Doch schon 2009 erreichte das Unternehmen mit einem Gewinn von 229 Millionen Dollar die schwarzen Zahlen. Im abgelaufenen Geschäftsjahr machte Facebook 7,9 Milliarden Dollar Umsatz aus Werbung und Online-Spielen und verdienten 1,5 Milliarden Dollar Gewinn. Damit hängt das Netzwerk Internet-Urgesteine wie AOL und Yahoo längst ab.

  • Werbung als wichtigste Geldquelle

    Facebook macht sein Geld vor allem mit Werbung. Zuletzt lag der Anteil bei rund 90 Prozent. Der Rest resultiert vor allem daraus, dass Facebook an den Einnahmen aus Online-Spielen beteiligt wird. Im ersten Quartal 2014 schnellte der Umsatz um 72 Prozent auf 2,5 Milliarden Dollar hoch, der Gewinn verdreifachte sich auf 642 Millionen Dollar.

  • Beispielloses Wachstum

    Facebook hat ein beispielloses Wachstum hinter sich: Binnen zehn Jahren ist die Zahl der aktiven Nutzer auf 1,28 Milliarden gewachsen, das entspricht grob der Hälfte der globalen Internet-Population.

  • Zuckerberg hat die Kontrolle

    Gründer und Firmenchef Mark Zuckerberg hat Facebook auch nach dem Börsengang fest im Griff. Er hält Aktien der Klasse B, die zehn Stimmen haben, während Anleger beim Börsengang nur A-Klasse-Aktien mit einer Stimme bekommen haben.

  • Dominant in aller Welt

    Fast die ganze Welt ist blau: In beinahe allen Ländern ist Facebook das größte Soziale Netzwerk – nennenswerte Ausnahmen sind Russland und China, wo lokale Unternehmen dominieren.

  • Keine Chance für StudiVZ

    Auch wenn StudiVZ lange vorne lag, ist Facebook in Deutschland inzwischen die unangefochtene Nummer 1. Nach jüngsten Schätzungen des Portals allfacebook.com hat Facebook hierzulande 27 Millionen aktive Mitglieder.

Wer die neuen Regeln ablehnt, hat nur die Möglichkeit, sich komplett abzumelden - wer Facebook weiter nutzt, akzeptiert damit die Bedingungen. Maas kritisierte dies am Donnerstag erneut: Die Nutzer sollten "auch einzelnen Teilen der Datennutzung widersprechen können", forderte er. Anlass der Abmahnung war auch die neue Datenschutzrichtlinie, die Facebook zum 31. Januar eingeführt hatte. Datenschützer und Politiker hatten die neuen Regeln deutlich kritisiert.

Das Online-Netzwerk hat die Beschwerden deutscher Verbraucherschützer zurückgewiesen. „Wir sind sicher, dass die Updates (der Nutzerregelungen) den Gesetzen entsprechen“, erklärte das Online-Netzwerk. Die Verbraucherzentralen selbst hätten gelobt, dass die Ende Januar in Karft getretenen Bedingungen einfacher zu verstehen seien.

Weitere Artikel

Man sei überrascht, dass sich der Verband auf Bedingungen und Funktionen von Facebook und anderen Online-Diensten fokussiere, die schon zehn Jahre lang gültig seien, etwa die Klarnamenpflicht. Der Bundesverband der Verbraucherzentralen (vzbv) hatte Facebook abgemahnt, weil nach Ansicht der Verbraucherschützer 19 Klauseln in den Nutzungsbedingungen und Datenschutzregeln des Netzwerkes gegen deutsches Recht verstoßen.

Facebook verwies auf die irische Datenschutzbehörde, mit der man regelmäßig über Nutzungsbedingungen spreche. Facebook führt seine Geschäfte in Europa von Irland aus, daher sind die dortigen Datenschützer für das Unternehmen zuständig. Allerdings haben die Verbraucherzentralen in Deutschland bereits Internet-Giganten wie Google und Apple Änderungen in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen abgetrotzt.

Quelle:  Handelsblatt Online
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