Aixtron: US-Geheimdienst stoppte Übernahme

Aixtron: US-Geheimdienst stoppte Übernahme

, aktualisiert 26. Oktober 2016, 15:52 Uhr
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Das Bundeswirtschaftsministerium will das Prüfverfahren für den chinesischen Käufer neu aufnehmen.

Einem Bericht des Handelsblatts zufolge stoppte ein US-Geheimdienst die Übernahme des Chipanlagenbauers Aixtron. Die Amerikaner hatten befürchtet, dass China Chips von Aixtron in seinem Nuklearprogramm einsetzt.

Die geplante Übernahme des Spezialmaschinenbauers Aixtron durch chinesische Investoren hat laut einem Pressebericht US-Geheimdienste auf den Plan gerufen. Diese hätten im Bundeskanzleramt interveniert, um den Deal zu blockieren, berichtete das „Handelsblatt“ am Mittwoch unter Berufung auf deutsche Geheimdienstkreise.

Die Amerikaner hätten Ermittlungsergebnisse präsentiert, wonach Produkte von Aixtron auch militärisch genutzt werden können. Das Bundeswirtschaftsministerium hatte am Freitag vergangener Woche seine Unbedenklichkeitsbescheinigung gegen einen Verkauf nach China zurückgezogen.

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„Zu Art oder Herkunft der Informationen kann ich keine Angaben machen“, sagte eine Sprecherin von Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) am Mittwoch in Berlin. Sie bejahte eine Frage, ob Erkenntnisse ausländischer Geheimdienste eine Rolle bei solchen Bewertungen spielten. Zu Details wollte sie sich aber nicht äußern.

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Investoren aus China müssen in Deutschland mehr für Übernahmen zahlen als westliche Konkurrenten. Das liegt auch an ihrer mangelnden Zuverlässigkeit.

Sitz des Spezialmaschinenbauers Aixtron. Quelle: dpa

Auch zur Dauer des Verfahrens wollte sie nichts sagen: „Solche Prüfverfahren dauern so lange, wie sie dauern.“ Man habe noch nicht alle nötigen Informationen. Danach habe man „einen Monat plus zwei Monate“ Zeit zu prüfen.

„Die Bundesregierung hat bis dahin nicht bekannte sicherheitsrelevante Informationen erhalten“, hatte Gabriels Staatssekretär Matthias Machnig (SPD) gesagt.

Nach Darstellung der Chinesen stehen Sorgen um sensible Verteidigungstechnologie der Übernahme im Weg. Fujian Grand Chip (FGC) hatte am Dienstag mitgeteilt, das Wirtschaftsministerium in Berlin habe die Unbedenklichkeitsbescheinigung für den Deal aus diesem Grund zurückgezogen.

Ausgewählte Beteiligungen chinesischer Unternehmen in Deutschland 2015

  • Automobil

    Zielunternehmen: MBVG (Vertriebstochter Ostdeutschland der Daimler AG)
    Investoren: Lei Shing Hong Ltd

    Zielunternehmen: Waldaschaff Automotive GmbH
    Investoren: Lingyun Industrial Corp Ltd

    Quelle: EY "Chinesische Unternehmenskäufe in Europa", Februar 2016

  • Industrie

    Zielunternehmen: apt Hiller GmbH
    Investoren: SEDANT Foundation Holding Co Ltd

    Zielunternehmen: Berkenhoff GmbH
    Investoren: Powerway Group Co Ltd

    Zielunternehmen: H Stoll AG & Co KG
    Investoren: SGSB Group Co Ltd

    Zielunternehmen: krauth technology GmbH
    Investoren: Dutech Holdings Limited

    Zielunternehmen: KUKA AG
    Investoren: Midea Group Co Ltd

    Zielunternehmen: OHE Mining Technology GmbH
    Investoren: Beijing Huahai Mach Co Ltd

  • Life Sciences

    Zielunternehmen: BENDALIS GmbH
    Investoren: Hainan Shuangcheng Pharm Co

    Zielunternehmen: IMD Natural Solutions GmbH
    Investoren: Zhejiang Hisun Pharm Co Ltd

    Zielunternehmen: Lyomark Pharma GmbH
    Investoren: Hainan Shuangcheng Pharm Co

    Zielunternehmen: Medisana AG
    Investoren: Xiamen Comfort Science & Tech

  • Handel & Konsumgüter

    Zielunternehmen: Dirk Bikkembergs
    Investoren: Guangzhou CANUDILO Fashion

    Zielunternehmen: HG Sales GmbH
    Investoren: Royal Spirit Ltd

    Zielunternehmen: KTG Agrar SE
    Investoren: Fosun Interntional Hldgs Ltd

    Zielunternehmen: METZ Werke-Cons Elec Bus
    Investoren: Skyworth Digital Holdings Ltd

    Zielunternehmen: Triumph International (Dorina)
    Investoren: Hop Lun International Fashion

  • Düngemittel

    Zielunternehmen: Compo Expert GmbH
    Investoren: XIO Partner (HK) Ltd

  • Finanzen

    Zielunternehmen: Hauck & Aufhaeuser Privatbank
    Investoren: Fosun Interntional Hldgs Ltd

FGC hält das Übernahmeangebot dennoch aufrecht und will die Ergebnisse der am Freitag ausgelaufenen Annahmefrist am Donnerstag (27. Oktober) mitteilen. Vom 28. Oktober bis zum 10. November gebe es dann eine weitere Annahmefrist.

Die Chinesen hatten Ende Juli ein 670 Millionen Euro schweres Kaufangebot für Aixtron abgegeben, 6 Euro je Aktie sollen die Anleger erhalten. Zuletzt hatte es noch so ausgesehen, als wäre der Investor fast am Ziel. Bis Ende vergangener Woche waren FGC eigenen Angaben zufolge rund 65 Prozent der Anteile angeboten worden.

Syngenta, KraussMaffei & Co Was hinter Chinas Kaufrausch in Europa steckt

Chinesische Unternehmen sind auf Einkaufstour in Europa. Ihr beliebtestes Ziel ist Deutschland. Dabei geht es schon lange nicht mehr nur um Technologietransfer und deutsches Know-how.

Übernahmen: Chinesische Unternehmen beim Großeinkauf in Deutschland. Quelle: Getty Images, Montage

Aixtron stellt Produktionsmaschinen für die Chipindustrie her, hatte zuletzt aber unter Preisdruck und hohen Entwicklungskosten zu leiden und steckt daher in den roten Zahlen. Das Management hatte die Annahme der Offerte empfohlen.

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