Amazon: Kleiner Gewinn führt zu großem Kurssprung

Amazon: Kleiner Gewinn führt zu großem Kurssprung

, aktualisiert 24. Juli 2015, 08:53 Uhr
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Das Geschäft in den USA lief für Amazon im zweiten Quartal gut.

Quelle:Handelsblatt Online

Amazon kann auch Geld verdienen. Ein völlig überraschender Gewinnausweis zusammen mit hohen Umsatzsteigerungen lässt die Wall Street verrückt spielen. Die Aktie schießt in die Höhe. Und das liegt auch an Deutschland.

Eigentlich ist es ein Witz: Ganze 92 Millionen Dollar Nettogewinn hat Amazon-CEO Jeff Bezos im zweiten Quartal 2015 aus 23 Milliarden Dollar Umsatz herausgequetscht. Zum Vergleich: Apple hat gerade unfassbare 10,7 Milliarden Dollar Reingewinn innerhalb von drei Monaten gemeldet - und muss sich Kursverluste gefallen lassen.

Doch der Unterschied ist: Bei Apple hatte jeder den Gewinn erwartet, Bezos hat die gesamte Börsenwelt überrascht, und schon dreht die Wall Street durch wie das Kaninchen mit der Karotte vor der Nase. Im Jahr zuvor hatte Amazon netto noch 126 Millionen Dollar verloren und für dieses Quartal hatten Analysten erneut ein Minus von im Schnitt 50 Millionen Dollar befürchtet. Bezos selbst hatte erklärt, sein Unternehmen sei weiter im „Investitionsmodus“, eine fröhliche Umschreibung für Ausgaben, die die Einnahmen bei weitem übersteigen. Und an Verluste sind Amazon-Aktionäre ohnehin gewöhnt.

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Vor- und Nachteile des Cloud Computing

  • Kosten

    Wenn ein Unternehmen seine Kundendatenbank nicht im eigenen Rechenzentrum pflegt, sondern einen Online-Dienst wie Salesforce.com nutzt, spart es sich Investitionen in die Infrastruktur. Die Abrechnung erfolgt außerdem zumeist gestaffelt, zum Beispiel nach Nutzerzahl oder Speicherverbrauch. Geschäftskunden erhoffen sich dadurch deutliche Kosteneinsparungen.

  • Skalierbarkeit

    Wer Speicherplatz im Netz mietet, kann flexibel auf die Nachfrage reagieren und den Bedarf unkompliziert und schnell erhöhen oder versenken. Wenn beispielsweise ein Startup rasant wächst, fährt es einfach die Kapazitäten hoch. Somit fallen auch niedrige Fixkosten an.

  • Einfachheit

    Die Installation auf den eigenen Rechnern entfällt. Damit lässt sich ein neues System äußerst schnell einführen. Auch die Updates bereiten keine Probleme mehr, somit sinkt der Administrationsaufwand. Allerdings lassen sich die Cloud-Dienste in der Regel auch nicht so individuell konfigurieren.

  • Ortsunabhängigkeit

    Zur Nutzung der Cloud-Dienste benötigen Mitarbeiter lediglich einen Internetanschluss – unabhängig von ihrem Aufenthaltsort und dem Gerät, das sie nutzen.

  • Sicherheit

    Die Daten-Dienstleister werben damit, dass sie sich intensiver mit der IT-Sicherheit beschäftigen als einzelne Nutzer oder Unternehmen. Allerdings sind die Rechenzentren der Cloud-Anbieter aufgrund der großen Datenmenge auch ein attraktives Ziel für Angriffe von Hackern. Zudem ist von außen schwer nachzuvollziehen, ob der Anbieter die Daten ausreichend vor den eigenen Mitarbeitern schützt. Die Auslagerung bedeutet somit einen Kontrollverlust.

  • Abhängigkeit

    Viele Unternehmen sind von ihrem Dienstleister abhängig, weil sie nicht ohne weiteres zu einem anderen Anbieter wechseln können. Das liegt etwa daran, dass sie ihre Systeme aufwendig an die Schnittstellen anpassen müssen. Auch Nutzer haben oft Schwierigkeit, wenn sie mit ihren Daten den Anbieter wechseln wollen. Eine weitere Frage: Was ist, wenn der Betreiber eines Dienstes pleite geht? Erst wenn es Standards gibt, die den Wechsel von einem zum anderen Dienstleister ermöglichen, sinkt die Abhängigkeit.

Doch dem war diesmal nicht so. Er scheint also da zu sein, der geheime Schalter, den Bezos nur umzulegen braucht, und schon sprudeln die Gewinne. An der Wall Street gab es kein Halten mehr. Die Aktie, die ohnehin schon über 50 Prozent seit Jahresanfang zugelegt hatte und während des normalen Handels noch um 1,25 Prozent nachgegeben hatte, stieg raketenartig um weitere 18 Prozent im nachbörslichen Handel auf bis zu 563 Dollar. Das stellt nicht nur einen neuen Rekord dar, wenn die Ein-Tages-Hausse an der Wall Street am Freitag bestätigt wird. Damit wäre Amazon mit einer Marktkapitalisierung von über 263 Millionen Dollar wertvoller als Walmart, der größte Handelskonzern der Welt, der auf 234 Milliarden Dollar kommt. Nur Netflix ist an der Börse dieses Jahr noch stärker gestiegen als Amazon.

Der überraschende Gewinn stammt allerdings nicht vornehmlich aus dem Verkauf von DVDs, Gemüse, Computerkabeln oder Büchern. Besonders der Cloud-Service AWS, der Rechenleistung und Speicher im Internet für Unternehmen darstellt, entwickelt sich zur Umsatz- und Gewinnmaschine.

Es ist erst das zweite Mal, dass AWS gesondert Zahlen vorlegt, 20 Jahre lang war der Dienst verschämt unter „Sonstiges“ vergraben worden. Jetzt zeigt sich ein Umsatzplus von gnadenlosen 81 Prozent auf 1,8 Milliarden Dollar im Vergleich zum Vorjahresquartal. Der Betriebsgewinn der Sparte vervierfachte sich sogar auf 371 Millionen Dollar. Damit kann man viele subventionierte Preise im Handelsgeschäft kompensieren und offenbar sogar noch etwas übrig behalten.

Der Trend zeigt zugleich, dass Cloud-Computing auch in Deutschland auf dem Vormarsch ist. Das erst im Oktober eröffnete Großrechenzentrum für Europa in Frankfurt ist der Cloud-Bereich mit den „größten Wachstumsraten“. AWS-Deutschlandchef Martin Geier erklärte gegenüber dem Handelsblatt, warum: „Wenn wir heute mit Unternehmen reden“, sagt er, „dann ist die Frage längst nicht mehr ob, sondern nur noch wie schnell wir sie in die Cloud bringen können.“

Der Cloudservice AWS des früheren Buchhändlers treibt mittlerweile Konkurrenten aus der High-Tech-Industrie wie IBM oder Microsoft vor sich her. Auch Google versucht seit langem verzweifelt ein Bein im Cloud-Computing auf den Boden zu bekommen, hat einen Preiskrieg nach dem anderen mit Amazon angezettelt, aber fällt immer weiter zurück.

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