Amazon und Autobauer im Visier: Anspruch auf die Weltherrschaft

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Amazon und Autobauer im Visier: Anspruch auf die Weltherrschaft

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Das Internet-Unternehmen Alibaba will vielen IT-Riesen Konkurrenz machen

von Matthias Hohensee und Philipp Mattheis

Der E-Commerce-Gigant Alibaba ist nicht der einzige Konzern aus dem Reich der Mitte, der an die Weltspitze will. Samsung, Amazon und Microsoft, aber auch deutsche Autobauer müssen sich hüten vor den Angreifern.

Sie zählen 49 Jahre, sind Charismatiker und haben Aufregendes mitzuteilen. YY nennt sich der eine, für Yang Yuanqing. Er hat den chinesischen Konzern Lenovo zum größten PC-Hersteller der Welt gemacht. Sein Pendant heißt Jack Ma und regiert Alibaba.

Ma, aufgestiegen vom Englisch-Lehrer zum Internet-Star, will den chinesischen E-Commerce-Giganten in der zweiten Septemberhälfte an die Börse bringen. Das dürfte dem Unternehmen nach Schätzungen von Analysten einen Börsenwert von 200 Milliarden US-Dollar bescheren. Prompt haute er vorige Woche auf die Pauke und verkündete zwei Milliarden US-Dollar Gewinn im ersten Quartal des Geschäftsjahrs bei 2,5 Milliarden Umsatz – glatt die doppelte Marge von Apple.

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Yang dagegen ließ am vorigen Donnerstag in Chicago einen Schleier lüften – für eine neue Generation Smartphones der Marke Motorola, die Lenovo von Google übernahm, sowie für ein neues digitales Armbandgerät namens Moto 360 Smartwatch – alles gezielt ein paar Tage bevor Apple das neue iPhone vorstellt.

Alibaba mit Weltherrschaftsanspruch

„Unsere Philosophie ist“, tönt Lenovo-Chef Yang im Interview mit der WirtschaftsWoche: „ Wenn man nicht die Nummer eins werden will, braucht man gar nicht erst antreten.“ Und zuvor hatte Börsenaspirant Ma geprustet: „Wenn Alibaba nicht so wichtig wird wie Microsoft oder Wal-Mart, werde ich das für den Rest meines Lebens bedauern.“

Mit ihrem Weltherrschaftsanspruch sind Yang und Ma in China nicht mehr allein. Auch andere Konzernlenker im Reich der Mitte, deren Unternehmen in den vergangenen Jahren dank des bevölkerungsreichsten Binnenmarktes der Welt erstarkt sind, starten zum Angriff auf derzeit globale Champions im Ausland.

Die Schar der Angreifer ist bunt. Sie reichen vom Messaging-Dienst und sozialen Netzwerk Tencent über die Internet-Suchmaschine Baidu bis zum Kreditkarten- und Bezahlkonzern Unionpay. Mit Qoros hat sich sogar ein Autobauer aufgemacht, um die Konkurrenz aus den reifen Industrieländern einmal mit Qualitätsautos made in China anzugreifen. Deutschlands Anbieter etwa aus dem VW-Konzern sind genauso gewarnt wie Kreditkartengesellschaften vom Typ Visa oder der Handybauer Samsung, aber auch IT- und Internet-Stars aus den USA von Google über Facebook bis zu Microsoft.

Unterstützung von der Regierung

Die Gründe, sich über die Landesgrenzen hinaus auszudehnen, sind vielfältig. Kein Zweifel, wichtige Schützenhilfe erhielten die chinesischen Konzerne von ihrer Regierung. Besonders deutlich zeigt sich das im Internet. Facebook, Google, YouTube, Twitter – die westlichen Erfolgsunternehmen des Web 2.0 sind in China gesperrt. Denn sie beugen sich nicht der staatlichen Zensur. Google verließ den Riesenmarkt deshalb 2010. Facebook und Twitter durften gar nicht erst antreten.

In China muss keiner mehr zum Einkaufen vor die Tür gehen. Denn die Online-Plattform Taobao bietet alles, was man zum Leben braucht. Dahinter steckt der Konzern Alibaba und der könnte schon bald Facebook übertrumpfen.

So konnte etwa der chinesische Internet-Suchmaschinenanbieter Baidu in China groß werden. Heute kontrolliert Baidu 65 Prozent des Marktes. Der börsennotierte Konzern kommt den chinesischen Zensurvorgaben mit vorauseilendem Gehorsam entgegen: Web-Sites, die den Vorgaben der Regierung widersprechen, tauchen bei Baidu gar nicht erst auf.

Der chinesische Konzern Tencent wiederum hat davon profitiert, dass die Web-Seiten Facebook und Twitter in China gesperrt sind. WeChat, auf Chinesisch Weixin, ein Klon der Facebook-Tochter WhatsApp, ist heute das beliebteste Kommunikationsmedium der Chinesen. 400 Millionen User schicken sich damit Nachrichten. Der Instant-Messenger QQ hat gar 800 Millionen Nutzer. Videos schauen Chinesen nicht auf YouTube sondern auf Youku.

Das Web ist nicht das einzige Feld der digitalen Welt, in dem Chinas Unternehmen aktiver und aggressiver gegen westliche Konkurrenten auftreten. Der Senkrechtstarter der vergangenen Monate heißt Xiaomi, was so viel wie „kleiner Reis“ bedeutet. Auch Xiaomi folgt dem Modell: kopieren und verbessern. Zwar kann der Handyhersteller etwa Apple nicht das Wasser reichen, doch mit umgerechnet 100 US-Dollar sind die Telefone im Preis unschlagbar.

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