Apple-Dokument: Die Mutter aller Verträge

Apple-Dokument: Die Mutter aller Verträge

, aktualisiert 13. Dezember 2011, 20:57 Uhr
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Steve Jobs (rechts) und Steve Wozniak am Anfang ihrer Karriere.

von Thorsten GierschQuelle:Handelsblatt Online

Aus dem Gründungsvertrag von Apple hat sich der wertvollste Konzern der Welt entwickelt. Welche Mythen sich um das Dokument ranken und warum Apple eigentlich Apple heißt.

Düsseldorf100.000 bis 150.000 Dollar - so viel wie eine kleine Eigentumswohnung. Und das für einen 35 Jahre alten, zerknitterten, auf Maschine geschriebenen Zettel. Doch bei dem Papier handelt es sich eben um den Vertrag, mit dem am 1. April 1976 der Computerkonzern Apple gegründet wurde - heute das wertvollste Unternehmen der Welt.

Beim Auktionshaus Sotheby's in New York kommt der Gründungsvertrag von Apple Computer heute unter den Hammer. Um die Geschichte dieses Dokumentes ranken sich viele Mythen. Walter Isaacson beschreibt sie in seiner von Steve Jobs autorisierten Biografie.

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Der wesentliche Schritt, wie es überhaupt zur Gründung von Apple kam, war die sogenannte Blue Box. Steve Jobs und Steve Wozniak haben aus den Einzelteilen für einen analogen Tongenerator eine digitale Version einer Blue Box entwickelt. Mit dem kleinen Kasten konnte man kostenlos Ferngespräche führen. Den ersten Praxistest unternahmen die beiden an höchster Stelle. Sie riefen den Papst an, Jobs gab sich als Henry Kissinger aus. Wer weiß, ob es nicht sogar geklappt hätte, wäre es in Rom nicht 5.30 Uhr gewesen und hätte der Bischof nicht darauf hingewiesen, dass Ihre Heiligkeit noch schlafe.

Verkauft haben Wozniak und Jobs die erste Blue Box übrigens nicht. Ihnen wurde das Gerät von einer Gang abgenommen. Aber in der Tat brauchte es schon eine Pistole, bis sie sich davon trennten. Aber die Arbeit an dem Gerät schweißte die beiden zusammen und legte so den Grundstein für die weitere enge Geschäftspartnerschaft.

Aus dem Hobby wurde mehr. Wozniak entwickelte, Jobs half dabei, war aber vor allem der, der die Produkte verkaufte. Und am Ende wurde aus dem Team Apple.


Die Gründer ergänzten sich perfekt

Der Vertrag, der heute unter den Hammer kommt, trägt neben der Unterschrift von „Steven P. Jobs“ auch die Signaturen seines Freundes Steve Wozniak und des Seniorpartners Ronald Wayne. Wozniak mit ins Boot zu holen, war eines der Probleme, die es in der Gründungsphase zu lösen galt. Schließlich arbeitete der Ältere der beiden Freunde beim Computerhersteller Hewlett Packard (HP). Es war wichtig, Wozniak von HP wegzulotsen – wenn auch nicht sofort, so doch mittelfristig. Jobs brauchte dessen Designverständnis.

Jobs Hauptargument war, dass die beiden gut zusammenpassen würden. Als großer Entwickler brauche Wozniak eben einen Vermarkter wie Jobs. Auch menschlich ergänzten sich die beiden Jungunternehmer: Der knapp fünf Jahre ältere Wozniak war schüchtern. Seine kindliche Nettigkeit unterschied ihn fundamental vom charismatischen, aber auch bisweilen brutalen Steve Jobs.

Ihm fehlte auch der zeitweise übertriebene Ehrgeiz, den Jobs auszeichnete. Bescheidenheit hatte Wozniaks Vater genauso vorgelebt wie das Prinzip, niemals zu lügen. Gerade Letzteres sollte zehn Jahre später zu großen Verwerfungen zwischen Jobs und Wozniak führen. Jobs hatte ihn um Geld gebracht - offen ist bis heute, wie viel Absicht dahinter steckte. Doch 1976 waren sie aufgrund ihrer Unterschiede ein perfektes Team.

Dennoch hätte es ohne Ron Wayne den Gründervertrag so sicherlich nicht gegeben. Wayne war ein alter Freund der beiden und selbst erfahren im Gründen von Start-Ups, allerdings hatte er auch herben Schiffbruch erlitten. Vermutlich war es diese Vorsicht, die ihn davon abhielt, das Angebot von Jobs anzunehmen, mit zehn Prozent bei Apple einzusteigen.


Warum Apple Apple heißt

Wayne half dank seiner rudimentären Erfahrung mit Juristenjargon nicht nur beim Ausarbeiten des Vertrages, sondern vermittelte zwischen Wozniak und Jobs. So wurde der Partnerschaftsvertrag auch in Waynes Wohnung unterschrieben, eben an diesem 1. April 1976.

Dieser Vertrag als Basis bedeutete für die Gründer, dass sie persönlich für die Schulden hafteten – anders als bei einer  Kapitalgesellschaft. Deshalb wollte Wayne auch nicht als dritter Apple-Partner geführt werden. Er hatte zu große Bedenken vor einem weiteren finanziellen Schiffbruch. So entgingen ihm übrigens schlappe 2,6 Milliarden Dollar. Die hätte er zumindest Ende 2010 für seinen Anteil bekommen. So musste er sich 1876 mit 2300 Dollar zufriedengeben.

Bleibt die Frage, wie die beiden Steves eigentlich auf den Namen Apple kamen. Jobs flog zu dieser Zeit gern auf die gemeinschaftlich betriebene All One Farm im US-Bundesstaat Oregon und beschnitt dort Apfelbäume. Wozniak holte ihn vom Flughafen ab.

Auf der Fahrt nach Los Altos überlegten sie sich einen Namen für ihr Unternehmen. Die Zeit drängte, schließlich mussten am nächsten Tag die Papiere eingereicht werden. Sie erwogen auch klassisch technische Namen wie „Matrix“ oder Neologismen wie „Executek“.

Doch am Ende schlug Jobs „Apple“ vor. Seine Obstdiät und das Apfelpflücken haben ihn darauf gebracht. Der Name klingt freundlich, schwungvoll und nicht einschüchternd. Er nahm dem Thema Computer die Schärfe, so seine Argumentation damals. Aber das Wichtigste war, wie Jobs Jahre später berichtete: Man stünde künftig vor Atari im Telefonbuch.

Quelle:  Handelsblatt Online
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