Apple-Konferenz WWDC: Wie die Apple Watch besser werden soll

Apple-Konferenz WWDC: Wie die Apple Watch besser werden soll

, aktualisiert 09. Juni 2015, 18:09 Uhr
von Christof KerkmannQuelle:Handelsblatt Online

Die Apple Watch ist mehr als eine Uhr – dank der Apps, die das Gerät aufrüsten. Doch viele Programme sind langsam und bringen bisher wenig Nutzen. Apple will daran nun etwas ändern.

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Der Apple-Manager präsentierte am Montag das neue Betriebssystem für die Apple Watch.

Programmierer sind es gewohnt, Apps stetig weiterzuentwickeln. Neues Design, neue Funktionen, zwischendurch Fehler ausbessern. Der Auftrag, den MyTaxi-Chef Nicolaus Mewes seinen Leuten im Herbst gab, war daher ungewöhnlich: Sie sollten so viel wie möglich weglassen.

Gerade hatte Apple seine Watch der Öffentlichkeit präsentiert, jene Computeruhr, auf der auch Apps laufen – ähnlich, wie man es von Smartphones kennt. Mewes wollte, dass MyTaxi von Anfang dabei ist. Doch angesichts des Bildschirms in der Größe einer Briefmarke mussten die Technikexperten umdenken. „Wir haben uns gefragt: Was braucht man unbedingt, was ist ‚nice to have‘?“, erklärt Mewes. Die Antwort: Nutzer können mit einem Klick ein Taxi bestellen, sofort und dorthin, wo sie gerade sind. Nicht mehr, nicht weniger.

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Es eine Frage, die sich derzeit viele Software-Entwickler stellen: Was kann man mit der Computeruhr anstellen? Die Software ist für den Erfolg des neuesten Apple-Spielzeugs wichtig. Die Watch zeigt natürlich die Zeit an, wie ein klassisches Chronometer oder mit Micky Maus im Ziffernblatt. Dank einiger Sensoren misst sie außerdem, ob man sich genug bewegt und regelmäßig vom Schreibtisch aufsteht. Doch für beides muss man nicht unbedingt mindestens 400 Euro ausgeben. Den Unterschied machen die Apps: Sie sollen dem Computer am Handgelenk aufrüsten. MyTaxi ist ein Verkaufsargument für die Apple Watch.

Doch sechs Wochen nach dem Verkaufsstart haben viele Software-Entwickler noch ihre Probleme. Die Auswahl ist zwar schon groß, aber nicht unbedingt gut. Da gibt es Messenger-Dienste, die den Eingang von Nachrichten melden, ohne deren Inhalt anzuzeigen. Da gibt es Nachrichten-Apps, die lediglich nichtssagende Anreißer anzeigen – oder so kleine Texte, dass Leser fast eine Lupe brauchen. Da gibt es Fotodienste, die Bilder im Käferkino-Format anzeigen. Und selbst gelungene Apps wie MyTaxi sind ziemlich langsam. Das will Apple nun ändern: Der Konzern hat auf der Entwicklerkonferenz WWDC diverse Verbesserungen angekündigt.

Nach einem umfangreichen Update sollen Programmierer bald auf die Hardware zugreifen können, etwa das Mikrofon, die Krone, den Pulsmesser oder die Bewegungssensoren. Und sie können künftig Apps schreiben, die direkt auf der Uhr laufen - nicht auf dem verbundenen Smartphone - und somit zügiger reagieren als bislang. All das verspricht mächtigere und schnellere Apps. „Das Update der Watch-Software wird den Apps einen großen Schub geben“, erklärt der Analyst Jan Dawson von der Firma Jackdaw Research. Die Möglichkeiten der Entwickler seien bisher sehr beschränkt, was sich an den schlechten Apps bemerkbar mache. Auch die von Apple selbst entwickelten Funktionen würden deutlich verbessert. Für ein brandneues Gerät entwickle Apple die Software sehr schnell weiter, lobt Dawson.


Ergänzung zum Smartphone, kein Ersatz

Die Technik allein reicht indes nicht - die Entwickler müssen auch noch eine Menge dazulernen. „Man kann keine iPhone-App auf die Apple Watch kopieren“, sagt Gunnar Hamm, Creative Director bei der Hamburger Digitalagentur Cellular. „Ich bin mir nicht sicher, ob das alle Entwickler da draußen verstehen.“ Seine Firma programmiert Apps im Auftrag von Kunden, die ZDF-Mediathek entstand beispielsweise in den Büros in Sichtweite der Elbe. Bevor die Entwickler sich an die Apple-Uhr machten, überlegten sie sich einige Design-Grundsätze.

„Man muss Helferlein und Informationshäppchen so gestalten, dass sie aus dem Augenwinkel funktionieren“, erklärt Hamm. „Niemand will minutenlang den Arm hochhalten.“ Die Uhr ist eine Ergänzung zum Smartphone, kein Ersatz. Gleichzeitig sollen die Mitteilungen nicht stören: „Weil man das Gerät immer am Körper trägt, ist der Nutzer noch sensibler“, sagt Hamm. Reportagen auf der Smartwatch zu lesen, ergibt wenig Sinn – Breaking News angezeigt zu bekommen, schon eher. Und nicht jede Meldung soll gleich für eine Vibration am Handgelenk sorgen.

Wie wichtig die Beschränkung ist, zeigt die Daimler-Tochter MyTaxi. Mit der Smartphone-App können Nutzer einen Wagen bestellen, ohne in der Taxizentrale anrufen zu müssen. Wie weit der Fahrer entfernt ist, zeigt eine Karte an, auch bezahlen kann man mit einem Klick – von welcher Kreditkarte das Geld abgebucht wird, tippt man notfalls vorher schnell ein. Vorbestellungen, Gutscheine, Fahrpreisrechner – all das lässt sich mit ein paar Klicks erreichen.

Doch all diese Optionen auf dem kleinen Bildschirm einzustellen, wäre mühselig. Deswegen prüften die Entwickler alle Schritte: Anfahrt, Ankunft, Abfahrt, Bezahlen. An den Glaswänden in der Firmenzentrale hängen Ausdrucke von der Smartphone-App im Plakatformat, vor jedem einzelnen diskutierten die Macher. Die meisten ließen sie am Ende weg.

Das Beispiel der Hamburger Software-Schmiede zeigt aber auch, wie schwierig die Arbeit anfangs war. So mussten die Entwickler ohne das Gerät losprogrammieren – erst zum Verkaufsstart traf ein Paket in der Zentrale an der Elbe ein. Um den Bildschirm im Format einer großen Briefmarke zu simulieren, richteten sie am PC ein kleines Fenster ein. Was sie nicht simulieren konnten: Die Uhr schaltet den Bildschirm schnell wieder aus, um Strom zu sparen, dabei bricht manchmal die Buchung ab. Derzeit kurieren die Programmierer solche Kinderkrankheiten.


Bedieunung ist noch nicht ideal

Trotz aller Neuerungen: Die Bedienung vernetzter Uhren ist noch immer nicht ideal. „Für eine Touch-Interaktion sind die Geräte nicht besonders geeignet“, sagt Prof. Antonio Krüger vom Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI). Zum einen lasse sich der Miniaturbildschirm nicht mit einer Hand bedienen, anders als beim Smartphone – es sei denn, man gibt Sprachkommandos.

Zum anderen sei die Bedienung labiler – es wackelt einfach mehr, wenn man den Arm hochhält und mit dem Finger darauf herumtippt. „Apple hat die Krone nicht aus Nostalgiegründen entwickelt, sondern weil man mit der Hand nicht über den Bildschirm fahren muss“, erklärt der Informatiker.

Doch Forscher und Unternehmen arbeiten daran, die Bedienung zu verbessern. So kann das Google-Betriebssystem Android Wear bereits einfache Gesten erkennen – wer bei bestimmten Modellen das Handgelenk kippt, blättert automatisch weiter. Samsung arbeitet angeblich daran, bei der nächsten Uhr den Rahmen um das Gehäuse zu einem Bedienrädchen umzufunktionieren.

Wissenschaftler denken weiter: Technisch möglich ist etwa, die Uhr über ein Bedienfeld am Armband zu bedienen, so dass der Bildschirm freibleibt. Eines Tages denkbar ist sogar, anhand der Muskelspannung Fingerbewegungen zu erkennen. Eine Geste wie das Zusammenlegen von Zeigefinger und Daumen könne beispielsweise zur Auswahl von Elementen dienen, erklärt Krüger. „Das wäre ein Paradigmenwechsel – weg vom Touchscreen, hin zu anderen Eingabemethoden.“ Bis dahin dürften indes noch einige Gerätegenerationen auf den Markt kommen: „Solche Funktionen robust hinzubekommen, ist eine Herausforderung.“

Quelle:  Handelsblatt Online
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