
Der Such- und Werbekonzern Google entledigt sich Insidern zufolge durch die Zahlung einer Millionenstrafe von einem Verfahren der US-Behörden wegen der Verletzung von Datenschutzrechten. Wie US-Medien berichteten, wird der Internet-Gigant 22,5 Millionen Dollar zahlen. Den Meldungen zufolge hat die US-Kartellbehörde FTC niemals zuvor eine Buße in dieser Höhe ausgesprochen. Die Aufsicht wirft Google vor, Nutzern des Internetbrowsers von Konkurrent Apple sogenannte „Cookies“ untergeschoben zu haben, um deren Internetaktivitäten zu verfolgen und entsprechend passende Werbung anzuzeigen.
Google zufolge geschah dies jedoch unabsichtlich. Zudem seien keine persönlichen Daten wie Namen, Adressen oder Kreditkarten-Details gespeichert worden, erklärte Google. Ein Datenschutz-Aktivist des Zentrums für digitale Demokratie in Washington sagte der Nachrichtenagentur Bloomberg die 22,5-Millionen-Buße sei eine „signifikante Strafe“. Außerdem sei sie als „klare Aussage“ der Kartellbehörde anzusehen, dass Google das Gesetz verletzt habe, sagte Jeffrey Chester. Er lobte die Behörde als „guten Privatsphäre-Wächter“.
Es ist nicht das erste Mal, dass Google die Kartellbehörde mit Privatsphäre-Übertretungen auf sich aufmerksam gemacht hat. Bereits beim Start des Twitter-ähnlichen Dienstes „Buzz“ hat eine Privatsphäre-Panne Nutzerdaten öffentlich gemacht. Google und die Kartellbehörde haben dazu 2010 eine Einigung erzielt.
Bild: dpaGoogle Web Accelerator
Er sollte das Surfen im Netz schneller machen, setzte sich aber nicht durch: Eines der großen Probleme war, dass Nutzer keine Youtube-Videos anschauen konnten. Den Google Web Accelerator gab es von Mai 2005 bis Oktober 2008. Teile der Technologie konnte der Konzern aber recyclen und für seinen schnellen Browser "Chrome" verwenden.
Bild: ScreenshotGoogle Videos
Google Video startete 2005 ursprünglich als Video-Gemeinschaft im Internet, auf der Nutzer Videos hochladen und teilen können sollten. Als Youtube im Februar 2006 das Licht der Netzwelt erblickte, versuchte Google drei Jahre lang, das Portal aufzukaufen - vergeblich. Google Videos gibt es noch, aber Nutzer können keine Videos hochladen. Die in der Suchmaschine integrierte Videosuche indexiert Clips von allen Seiten im Netz.
Bild: ScreenshotGoogle X
Google X sollte alle Google-Produkte in Form kleiner Icons über der Suchleiste anzeigen. Wenn der Nutzer mit der Maus darüber fuhr, sollten die Icons sich vergrößern. Die Idee setzte sich nicht durch - das Projekt wurde am 15. März 2005 aus der Wiege gehoben und starb bereits einen Tag später.
Bild: REUTERSProjekt Erneuerbare Energien
"Um es zusammenzufassen, wir sind dabei, zahlreiche Projekte dichtzumachen, die nicht den Effekt hatten, den wir erhofft hatten", schrieb das Unternehmen Ende 2011 in seinem offiziellen Blog. Google nennt die Verkleinerung "Frühjahrsputz", die schon im April 2011 mit dem Wechsel von Larry Page (im Bild) an die Firmenspitze begonnen hat. Es ist seitdem bereits die dritte "Putzaktion", in der Google Projekte einstampft. Nicht mehr weiterverfolgen will Google unter anderem das prestigeträchtige Projekt Erneuerbare Energien. 2009 hatte der damalige Google-Manager Bill Weihl angekündigt, binnen einiger Jahre Technologien anzubieten, mit denen die Produktion Erneuerbarer Energie billiger bewerkstelligt werden könne. Weihl hat das Unternehmen mittlerweile verlassen.
Bild: ScreenshotKnol
Zu den Projekten die eingestellt werden gehört auch Knol. Es sollte Googles Alternative zu Wikipedia sein: Eine Wissenssammlung, bei der die Nutzer die Artikel schreiben und bearbeiten. Der Erfolg hält sich in Grenzen – oder kennen Sie intensive Knol-Nutzer?

Google Wave
Nach knapp einem Jahr hat Google sein Projekt „Wave“ wieder gestoppt. Beim Start hatte der Konzern noch getönt, Wave sei wie die Neu-Erfindung der Mail. Doch selbst viele Nerds konnten mit dem Angebot nichts anfangen, mit dem man Nachrichten gemeinsam bearbeiten und kommentieren konnte. Ende April 2012 wird Wave nun endgültig dicht gemacht.
Bild: ScreenshotLively
Als der Hype um virtuelle Welten wie Second Life noch groß war, startete Google "Lively". Damit konnten Avatare geschaffen werden und Räume in denen man sich treffen konnte. Resonanz und Halbwertzeit waren dürftig: nach nicht einmal sechs Monaten wurden die neuen Tummelplätze wieder geschlossen.

Dodgeball
Schon im Jahr 2000 entwickelte Dennis Crowley Dodgeball, ein Netzwerk bei dem Freunde sich informieren konnten, wo ihre Kontakte sich gerade befinden. 2005 kaufte Google den Dienst, machte aber wenig damit und schloss das Angebot 2009. Crowley startete ein neues Unternehmen mit ähnlichem Konzept: Foursquare – das derzeit eines der am heißesten umworbenen Start-Ups überhaupt ist.
Bild: ScreenshotGoogle Checkout
Ein weiteres kaum bekanntes und entsprechend wenig genutztes Angebot ist Google-Checkout. 2006 startete das Unternehmen damit, es soll eine Alternative zum Online-Bezahldienst Paypal sein. Doch im Gegensatz zu Paypal schaffte das System nie den großen Durchbruch. Im November 2011 teilte Google daher mit, dass es mit dem mobilen Bezahlsystem Google Wallet verschmolzen wird.

Froogle
Auch eine eigene Produktsuche bietet das Unternehmen aus Mountain View. Früher hieß das Angebot Froogle, inzwischen schlicht "Google Produktsuche" – eine wirkliche Alternative zu bekannten Preisvergleichsportalen ist es allerdings nicht.
Google Web Accelerator
Er sollte das Surfen im Netz schneller machen, setzte sich aber nicht durch: Eines der großen Probleme war, dass Nutzer keine Youtube-Videos anschauen konnten. Den Google Web Accelerator gab es von Mai 2005 bis Oktober 2008. Teile der Technologie konnte der Konzern aber recyclen und für seinen schnellen Browser "Chrome" verwenden.
Im April dieses Jahres wurde Google mit einer 25.000-Dollar-Buße für unerlaubte Datensammlungen im Zusammenhang mit dem Kartenservice Streetview bestraft. Google hat zugegeben, über W-Lan-Systeme Daten gesammelt zu haben, während das Unternehmen Häuser für seinen Kartenservice fotografiert hatte.
Die neueste Strafe, obwohl die höchste Buße in der Geschichte der US-Kartellbehörde, dürfte für Google kein großes Problem darstellen. Der Unternehmensgewinn im ersten Quartal von über 8 Milliarden Dollar lassen die 22,5 Millionen Dollar Strafe verschwindend klein erscheinen.
Dennoch trifft die Strafe den Such- und Werbekonzern, da Kartellbehörden in den USA und Europa Google wegen Monopolfragen im Visier haben. Googles Privatsphäre-Übertretung im Zusammenhang mit Safari-Einstellungen wurde im Februar dieses Jahres bekannt. Wie lange Google die Nutzer ausspioniert haben soll, ist einem Bericht des Guardian unklar. Details wie diese dürften bekannt werden, wenn die Kartellbehörde die Buße offiziell ausspricht und den dazugehörigen Bericht öffentlich macht.
























